Leben Sprüche – abschied
106 Sprüche gefunden
Hälfte des Lebens Mit gelben Birnen hänget Und voll mit wilden Rosen Das Land in den See, Ihr holden Schwäne, Und trunken von Küssen Tunkt ihr das Haupt Ins heilignüchterne Wasser. Weh mir, wo nehm ich, wenn Es Winter ist, die Blumen, und wo Den Sonnenschein, Und Schatten der Erde? Die Mauern stehn Sprachlos und kalt, im Winde Klirren die Fahnen.
Rückkehr Zuckt nicht die Achseln, grüßt nicht so höhnisch Und wendet euch nicht spöttisch ab! Ich will kein Geld von euch entlehnen, Will nicht zurück, was ich euch gab. Nicht euern Liebsten mehr gefährlich Bin ich und nimmer eurem Ruhm; Der Kummer nahm mir meine Schönheit Und all mein Unglück macht mich dumm. Ich komm' zu euch, weil fortgetrieben Vom sichern Strand mein Lebensschiff; Ganz soll es scheitern, darum lenk' ich's Zurück zu euch –: ihr seid das Riff!
Das ist der Weg, den alle gehen müssen: über die Seufzerbrücke hinein in die Ewigkeit.
Seltsame Genossen Ist das ein seltsamliches Gewander: Ihr schrittet noch eben vergnügt miteinander durch Wälder und Wiesen und Sonnenschein, du siehst dich um – da gehst du allein. Er blieb zurück am Weggelände, das Wort auf den Lippen, er sprach's nicht zu Ende; ein wunderlich Gebaren, und doch scheint deins verwunderlicher noch. Ganz ruhig gehst des Weges du weiter, hast schnell einen andern vergnügten Begleiter, und fröhlich wieder zieht ihr drein durch Wälder und Wiesen und Sonnenschein. So geht's eine Weile, das seltsame Wandern: Dann kommt es an dich, dann hörst du die andern noch weiter lachen ins sonnige Land, und du bleibst einsam am Wegesrand.
Stiller Augenblick Fliehendes Jahr, in duftigen Schleiern Streifend an abendrötlichen Weihern, Wallest du deine Bahn; Siehst mich am kühlen Waldsee stehen, Wo an herbstlichen Uferhöhen Zieht entlang ein stummer Schwan. Still und einsam schwingt er die Flügel, Tauchet in den Wasserspiegel, Hebt den Hals empor und lauscht; Taucht zum andern Male nieder, Richtet sich auf und lauschet wieder, Wie's im flüsternden Schilfe rauscht. Und in seinem Tun und Lassen Will's mich wie ein Traum erfassen, Als ob's meine Seele wär, Die verwundert über das Leben, Über das Hin- und Widerschweben, Lugt' und lauschte hin und her. Atme nur in vollen Zügen Dieses friedliche Genügen Einsam auf der stillen Flur! Und hast du dich klar empfunden, Mögen enden deine Stunden, Wie zerfließt die Schwanenspur!
Nimm mich, wie ich mich gebe, und denke, daß es besser ist zu sterben, weil man lebte, als zu leben, weil man nie gelebt!
Eingelegte Ruder Meine eingelegten Ruder triefen, Tropfen fallen langsam in die Tiefen. Nichts, das mich verdroß! Nichts, das mich freute! Niederrinnt ein schmerzenloses Heute! Unter mir – ach, aus dem Licht verschwunden – Träumen schon die schönern meiner Stunden. Aus der blauen Tiefe ruft das Gestern: Sind im Licht noch manche meiner Schwestern?
Fichtenrauschen – Mondscheinleuchten heben an ein seltsam Singen, und im lichten Glaste flimmert's wie von weißen Geisterschwingen ... Wirfst du endlich ab die Hülle, kehrst du wieder heim, Verlorner? wachst du auf aus deinen Träumen, nie Gestorbner – nie Geborner?! Sahst du dich im goldnen Kahne durch des Lebens Fluten gleiten, nur gewichen sind die Ufer, und erweitert sind die Weiten... Deine Flügel sind entfaltet über Raum und alle Zeiten, Tod und Leben sind nur Formen, Träume dumpfer Sinnlichkeiten.
An – als ihm die – starb Der Säemann säet den Samen, Die Erd empfängt ihn, und über ein kleines Keimet die Blume herauf – Du liebtest sie. Was auch dies Leben Sonst für Gewinn hat, war klein Dir geachtet, Und sie entschlummerte Dir! Was weinest Du neben dem Grabe Und hebst die Hände zur Wolke des Todes Und der Verwesung empor? Wie Gras auf dem Felde sind Menschen Dahin, wie Blätter! Nur wenige Tage Gehn wir verkleidet einher! Der Adler besuchet die Erde, Doch säumt nicht, schüttelt vom Flügel den Staub, und Kehret zur Sonne zurück!
Wir sind immer auf dem Wege und müssen verlassen, was wir kennen und haben, und suchen, was wir noch nicht kennen und haben.
Das Leben ist ein Schiffbruch; rette sich wer kann!
Teilen kann ich nicht das Leben, Nicht das Innen noch das Außen, Allen muß das Ganze geben, Um mit euch und mir zu hausen. Immer hab ich nur geschrieben, Wie ich fühle, wie ich's meine, Und so spalt ich mich, ihr Lieben, Und bin immerfort dereine.
Die Vergangenheit Mir ist als legten leise Sich Nebel um mich her, Vom bunten Menschenkreise Mich scheidend mehr und mehr. Erinnerungen sind es, Aus Lust und Leid gewebt, Die man, will's ein gelindes Geschick, mit mir begräbt! Mir ist, als brauste, grollte Um mich ein Ocean, Den ich, wie gern ich wollte Nicht überbrücken kann. Dieß Meer, deß banger Klage Die Seele träumend lauscht, Es sind die fernen Tage, Die an mir hingerauscht! Vereinsamt im Gewühle, Das rastlos drängt und schafft, Vergangenheit! wie fühle Ich mich in deiner Haft! Erschöpft vom Lebensstreite, Den Wunsch auf nichts gestellt, Ein dunkler Schatten gleite Ich durch die blüh'nde Welt!
Ist auch mein Licht nicht ausgeglommen, Schön war das mir vergönnte Stück. Wie ich's aus Gottes Hand bekommen, Glüh ich es ihm zurück. Ich habe tief gewußt hienieden Was groß und schön war, tat und sann. Ich scheide von der Welt in Frieden Und muß nicht fragen wann. Ich sah den Glanz der Werde-Tage Und fühlte Segnung wo ich litt. Ich liebte, ward geliebt und trage Die holden Bilder mit.
Ich hab in kalten Wintertagen, In dunkler, hoffnungsarmer Zeit Ganz aus dem Sinne dich geschlagen, O Trugbild der Unsterblichkeit. Nun, da der Sommer glüht und glänzet, Nun seh ich, daß ich wohlgetan! Aufs neu hab ich das Haupt bekränzet, Im Grabe aber ruht der Wahn. Ich fahre auf dem klaren Strome, Er rinnt mir kühlend durch die Hand, Ich schau hinauf zum blauen Dome Und such – kein beßres Vaterland. Nun erst versteh ich, die da blühet, O Lilie, deinen stillen Gruß: Ich weiß, wie sehr das Herz auch glühet, Daß ich wie du vergehen muß! Seid mir gegrüßt, ihr holden Rosen, In eures Daseins flücht’gem Glück! Ich wende mich vom Schrankenlosen Zu eurer Anmut froh zurück! Zu glühn, zu blühn und ganz zu leben, Das lehret euer Duft und Schein, Und willig dann sich hinzugeben Dem ewigen Nimmerwiedersein!
Lebensabschnitt Ich mache eine Amnestie Aus herzlichem Verlangen. Und sei auch du und sein auch Sie Zu mir ganz unbefangen. Das Leben ist ein Rutsch-Vorbei. Nur das, was echt gewesen, Nährt weiterhin. – Ein Besen, Zu wild geschwenkt, schlägt viel entzwei. Seid gut zu mir und macht Radau, Verzeihend und aus Reue! Wollt ihr? Wer reist aufs neue Mit mir ins Himmelblau?
Es ist etwas Schönes, vor dem Tode schon Abschluss mit dem Leben zu halten und dann mit Seelenruhe die weitere Zeit des Lebens abzuwarten.
Ist das ganze Dasein ein ewiges Trennen und Verbinden, so folgt auch, daß die Menschen im Betrachten des ungeheuren Zustandes auch bald trennen, bald verbinden werden.
Es gibt eine edle Abwesenheit von der Erde, indem wir noch darauf wohnen, es gibt eine edlere Vertraulichkeit im Himmel, indem wir noch unter ihm wandeln.
Der Lebensquell versiegt und wir gewahren Mit Schmerz, daß wir nicht bleiben, was wir waren.
Um das Leben zu erkennen, muß man sich vom Leben absondern.