Religion Sprüche – zeit

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Religion ist für mich wie ein fahrender Zug, der sich einmal mit Mühe in Bewegung gesetzt hat und fährt und fährt und fährt …

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Ein ganzes Volk ohne Religion ist ein Phantom; es hat keins gegeben und es wird keins geben; und so ist auch der einzelne Mensch ohne Religion einem Phantome gleich zu achten; nur die Negation unterhält seine Form, sonst würde er in sich selbst zerrinnen.

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Dir, der Unberührbaren, Ist es nicht benommen, Daß die leicht Verführbaren Traulich zu dir kommen. In die Schwachheit hingerafft, Sind sie schwer zu retten. Wer zerreißt aus eigner Kraft Der Gelüste Ketten? Wie entgleitet schnell der Fuß Schiefem, glattem Boden? Wen betört nicht Blick und Gruß, Schmeichelhafter Odem?

Goethe, Faust. Der Tragödie zweiter Teil, 1832. 5. Akt, Bergschluchten, Dr. Marianus

Wo Gottesfurcht fehlt, muß ein Reich in Verfall geraten, oder es muß durch die Furcht vor einem Fürsten, der den Mangel der Religion ersetzt, aufrechterhalten werden.

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Ein Volk ohne Land und ohne Religion müßte zugrundegehen, wie Anthäus schwebend zwischen Himmel und Erde.

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So regnet es sich langsam ein Und immer kürzer wird der Tag und immer Seltener der Sonnenschein ... Ich sah am Waldrand gestern ein paar Rosen stehn .. Gib mir die Hand und komm ... Wir wollen sie uns pflücken gehn ... Es werden wohl die letzten sein!

Flaischlen, Von Alltag und Sonne. Gedichte in Prosa, 1897

Schöne Frauen, die keine Religion haben, sind wie Blumen ohne Duft; sie gleichen jenen kalten, nüchternen Tulpen, die uns aus ihren chinesischen Porzellantöpfen so porzellanhaft ansehen, und wenn sie sprechen könnten, uns gewiß auseinandersetzen würden, wie sie ganz natürlich aus einer Zwiebel entstanden sind, wie es hinreichend sei, wenn man hienieden nur nicht übel riecht, und wie übrigens, was den Duft betrifft, eine vernünftige Blume gar keines Duftes bedarf.

Heine, Reisebilder und Reisebriefe. Reisebilder. Vierter Teil. Die Stadt Lucca. Kapitel 11

So oft erklungen durch die Reiche Von einem Volk der Sterbeschrei, Ziehn, sich zu werfen auf die Leiche, Die Völkergeier auch herbei. Ihr Flügelschlag ward oft vernommen, Die Weltgeschichte kennt den Ton – Doch wehe wenn die Geier kommen In Deinem Namen – Religion!

Meißner, Zizka. Epos, 1846

Es ist mit den Religionen wie mit den Klosterregeln: sie lockern sich mit der Zeit. Es ist ein Wahn, der nicht standhält gegen den dauernden Einfluß der Natur, die uns immer zu ihrem eigenen Gesetz zurückführt.

Diderot, Unterhaltung eines Philosophen mit der Marschallin von C. (Entretien d'un philosophe avec la maréchale de ***), 1776

Altdeutschland, wir weben dein Leichentuch, wir weben hinein den dreyfachen Fluch, wir weben, wir weben.

Heine, H., Gedichte. Aus: Die schlesischen Weber, 1844

Nichts ist für eine Religion oder für ein System unheilvoller, als vom Gendarmen beschützt zu werden.

Stendhal, Aphorismen aus Stendhal. Ueber Schönheit, Kunst und Kultur. Ausgezogen und in deutscher Uebersetzung zusammengestellt von Benno Rüttenauer, Straßburg 1901

Was soll der Blumenkranz am Halse, da ich doch keinen Hals habe? Was soll der Wohlgeruch des Räucherwerks, da ich doch keine Nase habe? Was soll Gesang und Tanz dem Ohre, da ich doch keine Ohren habe? Was soll die tiefe Verbeugung zu Füßen, da ich doch keine Füße habe?

Böhtlingk (Hg.), Indische Sprüche. Sanskrit und Deutsch, 3 Bde., 1863-65. Anmerkung: Der Götzendienst wird hier verspottet

Die Zeit, in der man alles den Menschen durch Worte – seien es theologische oder fromme Worte – sagen könnte, ist vorüber; ebenso die Zeit der Innerlichkeit und des Gewissens und d.h. eben die Zeit der Religion überhaupt.

Bonhoeffer, Widerstand und Ergebung. Briefe und Aufzeichnungen aus der Haft, hg. von Eberhard Bethge, Evangelische Buchgemeinde, Stuttgart 1951. An Eberhard Bethge, 30.4.1944

Dasselbe Übel kommt bald von Gott, der uns prüft, bald vom Teufel, der uns anficht.

Diderot, Die Nonne (La Réligieuse), 1796

Mönche sind diesseits des Paradieses weder im Frieden noch im Kriege von Nutzen oder eine Zierde.

Grimm, Paris zündet die Lichter an. Literarische Korrespondenz (Correspondance littéraire, philosophique et critique), hg. von Kurt Schnelle, übersetzt von Herbert Kühn, Dieterich'sche Verlagsbuchhandlung 1977. 1.7.1755. Grimm zitiert Cantillon (Originalquelle unbekannt)