Sterben Sprüche – liebe

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Es gibt Menschen, die wir in der Erde begraben; aber andere, die wir besonders zärtlich lieben, sind in unser Herz gebettet. Die Erinnerung an sie mischt sich täglich in unser Tun und Trachten, wir denken an sie, wie wir atmen, sie haben in unserer Seele eine neue Gestalt angenommen, nachdem zarten Gesetz der Seelenwanderung das im Reich der Liebe herrscht.

Balzac, Die verlassene Frau, 1846

Schließe mir die Augen beide Mit den lieben Händen zu! Geht doch alles, was ich leide, Unter deiner Hand zur Ruh. Und wie leise sich der Schmerz Well um Welle schlafen leget, Wie der letzte Schlag sich reget, Füllest du mein ganzes Herz.

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Die Bläue meiner Augen ist erloschen in dieser Nacht, Das rote Gold meines Herzens. O! wie stille brannte das Licht. Dein blauer Mantel umfing den Sinkenden; Dein roter Mund besiegelt des Freundes Umnachtung.

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Wenn ihr mich sucht, sucht mich in eurem Herzen. Habe ich dort eine Bleibe gefunden, dann bin ich bei euch.

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Im Namen der Liebe Umhüll' sie mit dem Mantel der Liebe, damit sie nicht friert. Bahn' ihr den Weg, damit sie sich nicht verirrt. Trag' sie auf deinen Händen, damit sie sich nicht verlassen fühlt.

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Im Arm der Liebe Im stillen Stübchen dämmert die Nacht, Am Bettlein sitzet ein Weib und wacht; Ein blonder Knabe lächelt ihr zu Am Mutterbusen, wie fromm die Ruh'! Sie wieget und singet beim Lampenschein: "Im Arm der Liebe – so schlummre ein!" Im kühlen Grunde am Waldeshang – Die Wipfel rauschten, die Quelle klang; Wir saßen einsam, nur ich und du. Ach, Herz am Herzen, wie süß die Ruh'! Du sangst in die Seele mir tief hinein: "Im Arm der Liebe – so schlummre ein!" Vom Friedhof tönet ein Glöcklein bang' Dem Pilger zu seinem letzten Gang; Hier legt' er nieder so Stab und Schuh: Im Schoß der Erde, wie tief die Ruh'! Sie senken hinab den schwarzen Schrein: "Im Arm der Liebe – so schlummre ein!"

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Nun ist es Abend, nun ist es genug. Jetzt birg mich, Herr, in deine Hände. Es war so schwer, als ich mich selber trug. nun trägst du mich in Liebe und ohne Ende.

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Ich möchte hingehn wie das Abendrot…

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Ganz leise spüren wir dich in unseren Herzen. Dann geht es uns gut. So wie es uns gut ging, als dein Lachen uns wärmte.

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Im Abendrot Wir sind durch Not und Freude Gegangen Hand in Hand: Vom Wandern ruhen wir beide Nun überm stillen Land. Rings sich die Täler neigen, Es dunkelt schon die Luft, Zwei Lerchen nur noch steigen Nachträumend in den Duft. Tritt her und laß sie schwirren, Bald ist es Schlafenszeit, Daß wir uns nicht verirren In dieser Einsamkeit. O weiter, stiller Friede! So tief im Abendrot, Wie sind wir wandermüde Ist dies etwa der Tod?

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Liebe kann durch absoluten Willen in Religion übergehn. Des höchsten Wesens wird man nur durch Tod wert. (Versöhnungstod.)

Novalis, Fragmente. Erste, vollständig geordnete Ausgabe hg. von Ernst Kamnitzer, Dresden 1929. Mystizismen

Wenn Du mich empfängst, Wenn Du mir Deine Verzeihung schenkst, Werde ich Frieden haben.

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Im Tode sehen wir edle Menschen oft noch einmal in heißer Liebe aufglühen, wie ein herbstliches Blatt, das sich mit schöner purpurner Röte färbt, bevor es niederfällt.

Eyth, Bilder ohne Rahmen. Aus den Papieren einer Unbekannten mitgetheilt – nicht von ihr selbst, 8. Auflage 1894 (EA: 1852) (anonym)

Wie sich dies Lied ans Herz mir schmiegt Wie sich dies Lied ans Herz mir schmiegt, Bis leis die Tränen rinnen; Die ganze Frühlingssehnsucht liegt Verführerisch darinnen. Mir ist's, als hätt' auch ich gefühlt Des Liedes Glut und Minne, Als hätt' sein Ton mir aufgewühlt Die junge Kraft der Sinne. Mir ist's, als hätt' mein Lenz gewagt, Dem Lied sich zu vergleichen… Wenn ihr mich einst zu Grabe tragt, Spielt's hinter meiner Leichen. Wenn sich bei seinen Tönen regt Kein Lächeln, keine Gebärde, Ist's Zeit, daß ihr zur Ruh' mich legt Und Erde werft zur Erde. Der Wind, der über Veilchen strich Vom blauen, italischen Meer, Bringt keine Lenzluft dann für mich Und keine Lockung mehr.

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Welch eine Nacht! ihr Götter und Göttinnen! Wie Rosen war das Bett! da hingen wir Zusammen im Feuer und wollten in Wonne zerrinnen! Und aus den Lippen flossen dort und hier, Verirrend sich, unsre Seelen in unsre Seelen! – Lebt wohl ihr Sorgen! wollt ihr mich noch quälen? Ich hab' in diesen entzückenden Sekunden, Wie man mit Wonne sterben kann, empfunden!

Petronius, Satyricon. Übersetzt von Wilhelm Heinse, 1773

Gefühl in todesnahen Augenblicken: Alle Menschen sind der Liebe wert.

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Wie leicht wird der Gedanke, zu sterben, wenn alle vorangehen, die man liebt.

Stahl, Ein weiblicher Arzt, 1863

Wenn ich gestorben bin Laß mich noch einmal deine Lippen küssen, so Mund an Mund in sehnsuchtsvoller Pein, mein Liebstes du, eh wir uns trennen müssen, will ich noch einmal reich und glücklich sein. Heut glüht dir noch der rote Blütensegen – wohin ist morgen all der Duft und Glanz? Wenn ich gestorben bin – dann wirst du legen still auf mein Grab den weißen Rosenkranz.

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Das Letzte, was wir aneinander erleben, ist schließlich doch das Schmerzlichste.

Morgenstern, Stufen. Eine Entwicklung in Aphorismen und Tagebuch-Notizen, 1918 (posthum). 1906

Man muß entweder alleine sterben oder leben mit denen, die man liebt.

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Im Grunde ist es auch dasselbe, für was man stirbt, wenn nur für etwas Liebes gestorben wird [...].

Heine, Reisebilder und Reisebriefe. Reisebilder. Dritter Teil. Reise von München nach Genua. Kapitel 12