Wahrheit Sprüche – klassisch

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Sie geben, ach! nicht immer Glut, Der Wahrheit helle Strahlen. Wohl denen, die des Wissens Gut Nicht mit dem Herzen zahlen!

Schiller, F., Gedichte. Aus: Licht und Wärme, Erstdruck 1797

So wie es keine so klare Wahrheit giebt, welche man nicht bestreiten kann, so giebt es auch keine so grobe Lüge, welche man nicht mit einem falschen Grund unterstützen könnte.

Johann Jakob Rousseau’s Philosophische Werke. Erster Band. Übersetzer anonym, Albrecht und Compagnie, Reval und Wesenberg, 1779. Brief an Erzbischof Beaumont vom 18. November 1762. Originaltext

Ein Mann, der Unwahrheit unter entgegengesetzter Überzeugung in guter Absicht ebenso scharfsinnig als bescheiden durchzusetzen sucht, ist unendlich mehr wert als ein Mann, der die beste, edelste Wahrheit aus Vorurteil, mit Verschreiung seiner Gegner, auf alltägliche Weise verteidigt.

Lessing, Über die Wahrheit, 1777

Strom der Wahrheit Wenn versunken Licht und Lärmen, Sitz ich bei der Lampe Schimmer Oft im nächtlich stillen Zimmer, Wo Gedanken mich umschwärmen, Auf ein altes Buch gesenkt Meine Stirne ernstbeschwert; Kühlung mir der Nachtwind schenkt Durch das Fenster unverwehrt. Wundersame Lieder sausen Draußen Wind und Wald und Wetter, Und es wehn des Buches Blätter; Welch ein feierliches Brausen! Und ich lausche und ich lausche, An ein Ufer fern entrückt. – Rausche Strom der Wahrheit, rausche! Meine Seele lauscht entzückt.

Wille, B., Gedichte. Einsiedler und Genosse, 1894. Der Einsiedler

Sie [die Wahrheit] ist ein gefährlich Ding: jedoch kann der rechtliche Mann nicht unterlassen sie zu sagen.

Gracián, Handorakel und die Kunst der Weltklugheit (Oráculo manual y arte de prudencia), 1647. Erste deutsche Übersetzung 1711. Hier in der Übersetzung von Arthur Schopenhauer 1828-32, Erstdruck 1871. [210.]

Laß mich dir so erzählen, wie ich es heute vermag, Ereignisse, Menschen, Gespräche so wiedergeben, wie sie in mir lebendig sind, durch ein langes Leben nicht verwaschen, sondern … von allen entfernenden Nebeln erlöst. Laß mich dir das Vergangene als Wahrheit geben, meine Wahrheit, … und wenn diese Wahrheit der Wirklichkeit nicht immer entsprechen [sollte] …, so darf ich wohl sagen, daß meine Wahrheit auch Wirklichkeit ist, Wirklichkeit in einem höhern, aus der Kenntnis innerer Zusammenhänge geschöpften Verstand.

Waser, Wir Narren von gestern, 1922

Nur dem Ernst, den keine Mühe bleichet, Rauscht der Wahrheit tief versteckter Born.

Schiller, F., Gedichte. Aus: Das Ideal und das Leben, 1795 (unter dem Titel »Das Reich der Schatten«, später auch unter dem Titel »Das Reich der Formen«)

Ein Götterkind, das sie mirWahrheitnannten, Die meisten flohen, wenige nur kannten, Hielt meines Lebens raschen Zügel an.

Schiller, F., Gedichte. Aus: Resignation, 1786

Wahrheit Du suchst das Glück? Die Wahrheit – spricht der Meister – Die Wahrheit ist des Menschen höchstes Glück! – Der Jüngling hört es, und die Welt umkreist er, Wirft seinen Forscherblick In alle Bücher hochgeborner Geister, – Und kehrt erschöpft, enttäuscht, ein früh Ergreister, In seines Lehrers stilles Haus zurück. Und sieht ihn bitter an und spricht: Was führst du mich den Weg so hoffnungslosen Strebens, Die Wahrheit zu finden, hoffen wir vergebens: Auf dieser Erde, weiß ich, weilt sie nicht! – Der Meister lächelnd: Trauriges Geschick! Doch sprich, wer bin ich, daß dumirdrum grolltest? Hieß ich dich wollen, was du wolltest? Die Wahrheitsuchen, ist des Menschen Glück; Wer lehrte dich, daß du siefindensolltest?

Wilbrandt, A., Gedichte, 1874

Nichts ist so sicher, dass es sich offenbare wie die Wahrheit, denn sie wartet auf nichts anderes, als dass sie erkannt werde.

Thoreau, Herbst. Aus dem Tagebuch von Henry David Thoreau, hg. von H. G. O. Blake, übersetzt von Bertha Engler, Büchergilde Gutenberg, Zürich o.J. [1945]. 12. Dezember 1840

Die Menschheit hat von mir etwas gelernt, was sie nie vergessen wird, und ich habe den Schleier der Wahrheit weiter gelüftet, als irgend ein Sterblicher vor mir. – Aber den will ich sehn, der sich rühmen kann, eine elendere Zeitgenossenschaft gehabt zu haben als ich?

Schopenhauer, A., Nachlass. Spicilegia (1845)

In der schamhaften Stille deines Gemüts erziehe die siegende Wahrheit, stelle sie aus dir heraus in der Schönheit, daß nicht bloß der Gedanke ihr huldige, sondern auch der Sinn ihre Erscheinung liebend ergreife.

Schiller, F., Theoretische Schriften. Über die ästhetische Erziehung des Menschen in einer Reihe von Briefen, 1793-1794. Neunter Brief

Aber Optimismus ist, in den Religionen, wie in der Philosophie, ein Grundirrtum, der aller Wahrheit den Weg vertritt.

Schopenhauer, Die Welt als Wille und Vorstellung, 1819 (mehrfach ergänzt, seit 1844 in zwei Bänden). Zweiter Band. Ergänzungen zum vierten Buch. Kapitel 48. Zur Lehre von der Verneinung des Willens zum Leben

Wahrhaftiges hat sein Maß.

Seneca, Briefe an Lucilius (Epistulae morales ad Lucilium), 62 n. Chr. 13. Brief. Übers. Internet Originaltext: Vera enim modum suum habent

Was richtig ist, bestimmt man weder nach Größe noch nach Anzahl oder Zeit.

Seneca, Briefe an Lucilius (Epistulae morales ad Lucilium), 62 n. Chr. 74. Brief. Übers. Internet Originaltext: Quod rectum est nec magnitudine aestimatur nec numero nec tempore.

Unzeitige Wahrheit ist einer Lüge gleich.

Simrock (Hg.), Die deutschen Sprichwörter (= Die deutschen Volksbücher, Bd. 5), 1846

Die Wahrheit bleibt niemals verborgen.

Seneca, Die Troerinnen (Troades). 230. Übers. Internet Originaltext: Veritas numquam latet

Die Wahrheit geht niemals verloren.

Seneca, Die Troerinnen (Troades). V. 614. Übers. Internet Originaltext: Veritas numquam perit

Die Stimme der Wahrheit siegt selten durch Majorität.

Waldersee, Späne aus stiller Werkstatt. Aphorismen, 1908

Es gilt, unbedingt an der Wahrheit festhalten; wird sie, wie alles Himmlische in uns, oft niedergedrückt, so steigt sie doch unbestechlich wieder auf und zieht uns nach sich!

Waldersee, Späne aus stiller Werkstatt. Aphorismen, 1908. Aus: Einige Perlen aus dem reichen Gedankenschatze meiner Mutter. (Anhang)

Wenn man Menschen reinen Wein einschenkt, erhält man zum Dank den Schierlingsbecher.

Peters, Aphorismen, 1931