Emanuel Wertheimer (1846–1916)

125 Sprüche Romantik

Der Greis glaubt, alles zittere, die ganze Natur schleiche auf Krücken.

Wertheimer, Aphorismen. Gedanken und Meinungen, 1896

Mit dem Alter werden die Tage immer länger, die Jahre immer kürzer.

Wertheimer, Aphorismen. Gedanken und Meinungen, 1896

Erst wenn man altert, äußert man so gerne, wie jung man sich fühlt.

Wertheimer, Aphorismen. Gedanken und Meinungen, 1896

Man besitzt nicht das Alter, um die Jugend – und nicht die Jugend, um das Alter zu genießen.

Wertheimer, Aphorismen. Gedanken und Meinungen, 1896

Wer älter aussehen will, als er ist, suche sich zu verjüngen.

Wertheimer, Aphorismen. Gedanken und Meinungen, 1896

Mit immer größerer Sehnsucht blickt man den Jahren nach, die uns verlassen; durch Erinnerungen winkt man sie zurück – vergebens ... das Pendel hat nur verneinende Bewegungen.

Wertheimer, Aphorismen. Gedanken und Meinungen, 1896

Alt sein wäre nicht so beängstigend – aber fortwährend älter werden...!

Wertheimer, Aphorismen. Gedanken und Meinungen, 1896

Mit jugendlichen Wünschen zu altern ist noch unbequemer.

Wertheimer, Aphorismen. Gedanken und Meinungen, 1896

Die Zeit macht sich lustig über uns; sie hat ein abschreckendes Talent zur Karikatur, das noch nie Heiterkeit erregte.

Wertheimer, Aphorismen. Gedanken und Meinungen, 1896

Keiner genießt sein gegenwärtiges Alter: jeder bereut zehn Jahre zu spät, was er zehn Jahre vorher versäumt hat.

Wertheimer, Aphorismen. Gedanken und Meinungen, 1896

Der Frömmler hält Gott für ein ganz beschränktes Wesen.

Wertheimer, Aphorismen. Gedanken und Meinungen, 1896

Zum Ebenbild Gottes muss ein falsches Original gesessen haben.

Wertheimer, Aphorismen. Gedanken und Meinungen, 1896

Wir, Ebenbilder Gottes? Welche Gotteslästerung!

Wertheimer, Aphorismen. Gedanken und Meinungen, 1896

Um unser Gemüt im Gleichgewicht zu erhalten, lassen wir uns durch eignen Luxus verweichlichen und durch fremdes Elend abhärten.

Wertheimer, Aphorismen. Gedanken und Meinungen, 1896

Wer unsre idealen Eigenschaften finden will, braucht mehr als Scharfsinn: Erfindung.

Wertheimer, Aphorismen. Gedanken und Meinungen, 1896

Es gibt Verbrechen der Gesinnung, denen alle begangenen nachstehen.

Wertheimer, Aphorismen. Gedanken und Meinungen, 1896

Die Vornehmen sind die dauerhaftesten Stützen der Sittenlosigkeit und der Religion.

Wertheimer, Aphorismen. Gedanken und Meinungen, 1896

Wie leicht wäre der Charakter zu verbergen, verrieten ihn nicht unsre Handlungen.

Wertheimer, Aphorismen. Gedanken und Meinungen, 1896

Es gibt unbeugsame Charaktere, die nichts erschüttert – nichts, als der Verlust ihres Geldes.

Wertheimer, Aphorismen. Gedanken und Meinungen, 1896

Fast überall ein kaum nachzukommender Fortschritt, nur nicht in den Gesinnungen.

Wertheimer, Aphorismen. Gedanken und Meinungen, 1896