Das Alter nimmt dir nichts, was es dir nicht erstattet.
Juni Ich lebe nun mein Leben in Gedanken, Lebendiger als in der Tat es war, Gehoben seh ich Hemmungen und Schranken, Hinweggeräumt Verlockung und Gefahr: Daß doch so gut es ging, Gott muß ich's danken, Nicht besser konnt' es gehn, viel schlimmer gar.
Du, dieses Jahres Abend, Herbst Sei meines Lebensabends Bild! Wie langsam du den Hain entfärbst, Und deine Sonn' ist frühlingsmild: Es lacht das grünende Gefild Tief im Oktober ohne Frost, Und in der Traube schwillt der Most, Wie in der Brust Begeistrung schwillt.
Leiser und lauter Wie der Vogel auf dem Baum, Der sich müd' am Tage sang, Nur noch zwitschert leis' im Traum, Daß es in der Nacht verklang: Also werden meine Lieder Leiser gegen meine Nacht; Und die lautern sing ich wieder, Wenn mein neuer Tag erwacht.
Ich denke, wie als Knabe, Wenn ich mit andern Knaben Ihr lärmend Spiel ein Weilchen So mitgespielt, auf einmal Zurücktrat überdrüssig, Und sagte: Ich spiele nicht mehr mit. So, wenn ich, alter Knabe Die jungen alten Knaben Mit solchem Lärm und Eifer Ihr Spiel fortspielen seh', Tret' ich zurück mit Lächeln Und sage: Ich spiele nicht mehr mit.
Der du erschufst die Welt, ohn' ihrer zu bedürfen, Erschaffen hast du sie nach deiner Lieb' Entwürfen. Nach deiner Weisheit Plan, dem Zwecke deiner Macht: Und kein Nachdenken denkt, was du hast vorgedacht.
Im Herzen stehest du, und bist der Liebe Geist: Und dich erkennt das Herz, das dich mit Liebe preist.
Gott ist von keinem Raum, von keiner Zeit umzirkt, Denn Gott ist da und dann, wo er und wann er wirkt. Und Gott wirkt überall, und Gott wirkt immerfort; Immer ist seine Zeit, und Überall sein Ort.
Wer Gott will finden dort, der muß ihn mit sich bringen; Nur wenn er ist in dir, siehst du ihn in den Dingen.
Wie könnte denn ein Mensch aus Gottes Liebe fallen!
Vor Gott ist keine Flucht als nur zu ihm.
Den wir am Anfang, den wir sehn am Ende stehn, Von dem wir kommen und zu dem wir alle gehn. Woher ich kam, wohin ich gehe, weiß ich nicht, Nur dies: von Gott zu Gott ist meine Zuversicht.
Die Liebe Gottes kann so werden übertrieben, Daß sie für Sünd' es hält den Menschen auch zu lieben.
Man glaubt die Wahrheit nicht, wenn sie ein Armer spricht, Und selbst die Lüge glaubt man einem reichen Wicht.
Die Wahrheit ist im Wein; Das heißt: In unsern Tagen Muß einer betrunken sein, Um Lust zu haben die Wahrheit zu sagen.
Gemüt ist mehr als Geist, denn das Gemüt besteht Als Wurzel, wenn der Geist wie Blütenduft vergeht.
Was schmiedst du, Schmied? »Wir schmieden Ketten, Ketten!« Ach, in die Ketten seid ihr selbst geschlagen. Was pflügst du, Bau'r? »Das Feld soll Früchte tragen!« Ja für den Feind die Saat, für dich die Kletten. Was zielst du, Schütze? »Tod dem Hirsch, dem fetten.« Gleich Hirsch und Reh wird man euch selber jagen. Was strickst du, Fischer? »Netz dem Fisch, dem zagen.« Aus eurem Todesnetz wer kann euch retten? Was wiegest du, schlaflose Mutter? »Knaben.« Ja, daß sie wachsen und dem Vaterlande, Im Dienst des Feindes, Wunden schlagen sollen. Was schreibest Dichter du? »In Glutbuchstaben Einschreib' ich mein und meines Volkes Schande, Das seine Freiheit nicht darf denken wollen.«
Sieh, auf dem Pfuhl wie schwimmt das zarte Lotosblatt! So bleibt der Reine rein auch an unreiner Statt.
Es ist ein alter Spruch: das beste Leichentuch Ist Redlichkeit, sie würzt den Tod mit Wohlgeruch.