Friedrich Rückert (1788–1866)

124 Sprüche Klassik

Wenn Gott du wolltest Dank für jede Lust erst sagen, Du fändest gar nicht Zeit, noch über Weh zu klagen.

Rückert, Gedichte. Wanderungen. Aus: Angereihte Perlen

So vom Himmel fällt der Geister Zeugungsfunken, Liebe heißt er, Zündend in der Seele Schooß; Und aus ihrer engen Schranke Ringt ein Wunder, der Gedanke, Kind der Ewigkeit, sich los.

Rückert, Gedichte. Pantheon, Erstdruck 1843. Viertes Bruchstück. Mikrokosmos. Aus: Das Ewige

Ich bin gekommen, ich weiß nicht woher; Ich werde gehen, und weiß nicht wohin; Doch, wo ich sein mag, das ist Er, Er ist bei mir, wo ich bei Ihm bin.

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Wer nicht gewacht hat, kann nicht schlafen; Wer nicht gelebt hat, kann nicht sterben.

Rückert, Gedichte. Erbauliches und Beschauliches aus dem Morgenlande, 2 Bde., 1836-39. Vierzeilen

Vor den Türen Ich habe geklopft an des Reichtums Haus; Man reicht mir 'nen Pfennig zum Fenster heraus. Ich habe geklopft an der Liebe Tür; Da stehen schon fünfzehn andre dafür. Ich klopfte leis an der Ehre Schloß; "Hier tut man nur auf dem Ritter zu Roß." Ich habe gesucht der Arbeit Dach; Da hört' ich drinnen nur Weh und Ach! Ich suchte das Haus der Zufriedenheit; Es kannt' es niemand weit und breit. Nun weiß ich noch ein Häuslein still, Wo ich zuletzt anklopfen will. Zwar wohnt darin schon mancher Gast, Doch ist für viele im Grab noch Rast.

Rückert, Gedichte. Haus und Jahr. Fest- und Trauerklänge

Mit der Welt bin ich nun fertig, Gegenwärtig, Mit der Welt der Gegenwart, Einer besseren gewärtig, Reisefertig; Stör' o Welt, nicht meine Fahrt! Lass' du mich, wie ich dich lasse, 
 Ruhig gehn die eigne Straße, 
 Wir gehen besser ungepaart 
 Ich allein, und du geschart.

Rückert, Poetisches Tagebuch, 1850-1866 (aus seinem Nachlasse), 1888

Weise Rüste Speise. Zur vorhabenden Reise. Kalte Rast, Leg ab die Last, Die du nicht mehr nötig hast. Diese Bahn Ist abgetan, Tritt sie nicht von vornen an. Jung und kühn, Mag sich bemühn, Du wirst nicht noch einmal grün.

Rückert, Poetisches Tagebuch, 1850-1866 (aus seinem Nachlasse), 1888

Frage nicht, was das Geschick Morgen will beschließen; Unser ist der Augenblick, Laß uns den genießen!

Rückert, Gedichte. Pantheon, Erstdruck 1843. Viertes Bruchstück. Mikrokosmos. Aus: Unbekümmert

Trifft dich des Schicksals Schlag, so mach' es wie der Ball: Je stärker man ihn schlägt, je höher fliegt er all.

Rückert, Gedichte. Die Weisheit des Brahmanen, 1836-1839

Das menschlichste Geschäft ist Menschen zu erziehn.

Rückert, Gedichte. Die Weisheit des Brahmanen, 1836-1839

In einer guten Eh' ist wohl das Haupt der Mann, Jedoch das Herz das Weib, das er nicht missen kann.

Rückert, Gedichte. Die Weisheit des Brahmanen, 1836-1839

Bei Unverträglichkeit gedeiht kein Feur im Haus, Der eine bläst es an, der ander bläst es aus.

Rückert, Gedichte. Die Weisheit des Brahmanen, 1836-1839. Originaltext

Der Ruhm des Mannes ist des Weibes höchster Reiz, Die Ehre seines Weibs des Mannes höchster Geiz.

Rückert, Gedichte. Die Weisheit des Brahmanen, 1836-1839

Wo unter einem Dach beisammen zwei entgegen Gesetzte Winde sind, wird nie der Sturm sich legen.

Rückert, Gedichte. Die Weisheit des Brahmanen, 1836-1839

Weißt, wo es keinen Herrn und keinen Diener gibt? Wo eins dem andern dient, weil eins das andre liebt.

Rückert, Gedichte. Pantheon, Erstdruck 1843. Aus: Angereihte Perlen

Sind ein Paar kalter Freunde Winter und Alter: Winter schröpfend, Alter erschöpfend; Winter zwackend, Alter plackend; Winter pustend, Alter hustend; Winter geht, Alter steht: Gerne wär' ich der beiden quitt, Nähme Winter das Alter mit.

Rückert, Gedichte. Haus und Jahr. Winter

Das Alte wird nie alt, es wird nur alt das Neue.

Rückert, Gedichte. Die Weisheit des Brahmanen, 1836-1839

Mit vierzig Jahren Mit vierzig Jahren ist der Berg erstiegen, wir stehen still und schau'n zurück. Dort sehen wir der Kindheit stilles liegen und dort der Jugend lautes Glück. Noch einmal schau', und dann gekräftigt weiter erhebe deinen Wanderstab! Hindehnt ein Bergesrücken sich ein breiter und hier nicht, drüben gehts hinab. Nicht atmend aufwärts brauchst du mehr zu steigen, die Ebne zieht von selbst dich fort; dann wird sie sich mit dir unmerklich neigen, und eh du's denkst, bist du im Port.

Rückert, Gedichte. Haus- und Jahreslieder

Füge dich der Zeit, erfülle deinen Platz, Und räum' ihn auch getrost, es fehlt nicht an Ersatz.

Rückert, Gedichte. Die Weisheit des Brahmanen, 1836-1839

Wer in der Jugend sich durch Mühsal mußte schlagen, Den rührt's im Alter nicht, wenn sich die Jungen plagen.

Rückert, Gedichte. Die Weisheit des Brahmanen, 1836-1839

Je mehr es abwärts geht, je reicher wird das Leben.

Rückert, Gedichte. Die Weisheit des Brahmanen, 1836-1839