Das Leben magst du wohl vergleichen einem Feste, Doch nicht zur Freude sind geladen alle Gäste. Gar manchen, scheint es, lud man nur, um die Beschwerde Zu übertragen, daß die Lust den andern werde. Den Esel lud man einst zu einem Hochzeitschmause, Weil es zu tragen Holz und Wasser gab im Hause. Der Esel dachte stolz, geladen bin ich auch. Ja wohl, beladen mit dem Tragreff und dem Schlauch.
Unglaublich, wie erträgt ein Herz, Was schon zu denken unerträglich! Hinhalten Hoffnungen den Schmerz, Ihn brechend, den sie steigern täglich. Man hofft und hofft, bis hoffnungslos Geworden das geliebte Leben, Dann gibt man auf die Hoffnung blos, Das Leben war schon aufgegeben.
Kann das Leben selbst nicht währen, Kann es doch sich neu gebären, Daß unendlich es erscheint.
Wer nicht sein eigner Freund, dein Freund kann der nicht sein; Auch der nicht, wer nur ist sein eigner Freund allein.
Wenn Freund zu Freunde kommt, stirbt des Verleumders Macht.
Ein leicht erwärmter Freund wird leicht erkältet sein.
Der Mann ist töricht, Der die Menge der Freunde zählt. Ein Bündel Röhricht Hilft dir nicht, wo ein Stab dir fehlt.
Die Freunde bitte fein, zu sehr nicht dich zu ehren! Sonst werden Feinde dir dafür den Krieg erklären.
O brich den Faden nicht der Freundschaft rasch entzwei! Wird er auch neu geknüpft, ein Knoten bleibt dabei.
Nicht viel sind tausend Freund', ein einz'ger Feind ist viel; Denn diesem ist es ernst, und jenen nur ein Spiel.
Schlingt Hand in Hand, und mit der andern hebet Den Becher hoch, und trinkt die Reihe nieder! Geheiligt ist das Band, das ihr gewebet, Und nie, wenn ihr euch trennt, zerreiß' es wieder. Empfindet euch, was jeder einzeln lebet, Als still im Herzverkehr gebliebne Glieder! Wo irgend ein Gefühl hat angeschlagen, Wird Mitgefühl es durch die Kette tragen.
Das sind die Weisen, Die durch Irrtum zur Wahrheit reisen, Die bei dem Irrtum verharren, Das sind die Narren.
Den Weisen kannst du an der Wahl der Zweck' entdecken, Den Klugen an der Wahl der Mittel zu den Zwecken.
Je höher du wirst aufwärts gehn, dein Blick wird immer allgemeiner; stets einen größeren Teil wirst du vom Ganzen sehn, doch alles Einzelne wird immer kleiner.
Der Erfolg ist offenbar, Die Absicht aber niemals klar. Drum wird man alle Menschengeschichten Ewig nach dem Erfolge richten.
Zur Arbeit ist der Mensch so von Natur bestimmt, Daß er selbst Arbeit zum Vergnügen unternimmt.
Sich im Spiegel zu beschaun, Kann den Affen nur erbaun. Wirke! nur in seinen Werken Kann der Mensch sich selbst bemerken.
Wer seine Stellung kennt und dazu seine Kraft, Und beiden wirkt gemäß, der wirkt untadelhaft.
Drei Paare und Einer Du hast zwei Ohren und einen Mund; Willst du's beklagen? Gar vieles sollst du hören, und Wenig drauf sagen. Du hast zwei Augen und einen Mund; Mach dir's zu eigen! Gar manches sollst du sehen, und Manches verschweigen. Du hast zwei Hände und einen Mund; Lern' es ermessen! Zweie sind zur Arbeit, und Einer zum Essen.
Arbeitsam willst du sein, doch nicht Erholung missen, Und beides möchtest du recht auszugleichen wissen. Lass dir empfehlen, was Erfahrung mir empfohlen: Von einer Arbeit dient die andere zum Erholen. Die Ausruh' bester Art ist Wechseltätigkeit, Wo gleich im Wechsel bleibt des Strebens Stetigkeit.