Du bist mein Mond Du bist mein Mond, und ich bin deine Erde; Du sagst, du drehest dich um mich. Ich weiß es nicht, ich weiß nur, daß ich werde in meinen Nächten hell durch dich. Du bist mein Mond, und ich bin deine Erde; sie sagen, du veränderst dich. Allein du änderst nur die Lichtgebärde und liebst mich unveränderlich. Du bist mein Mond, und ich bin deine Erde, nur mein Erdenschatten hindert dich, die Liebesfackel stets am Sonnenherde zu zünden in der Nacht für mich.
Liebst du um Schönheit, O nicht mich liebe! Liebe die Sonne, Sie trägt ein gold'nes Haar! Liebst du um Jugend, O mich nicht liebe! Liebe den Frühling, Der jung ist jedes Jahr! Liebst du um Schätze, O nicht mich liebe! Liebe die Meerfrau, Die hat viel Perlen klar! Liebst du um Liebe, O ja mich liebe! Liebe mich immer, Dich lieb' ich immerdar.
Wehe dem, der zu sterben geht, Und keinem Liebe geschenkt hat, Dem Becher, der zu Scherben geht, Und keinen Durst'gen getränkt hat.
Zur Liebe kommst du nicht, solang du hängst am Leben; Du findest mich nicht eh'r, bis du dich aufgegeben.
Letzter Schmuck Ich will, wann ich gestorben werde sein, Als Blume blühn aus meines Grabes Staube; Daß, die mich tötet jetzt, mich pflücke fein, Und Liebe noch einmal mein Leben raube. Ich will, wann ihre schöne Hand mich pflückt, Daß sie nicht wisse, wen sie also pflücke; Daß sie, mit der ich lebend mich geschmückt, Im Tode doch mit mir einmal sich schmücke.
Die ganze Welt ist viel zu groß, Sie an ein Herz zu fassen; Dazu genügt nur Gottes Schoß, Dem bleibt es überlassen; Ein Menschenherz ist viel zu klein, Um liebend sich der Welt zu weihn. Du mußt an eine treue Brust Insonders hin dich neigen, Ihr alle deine Liebeslust Ausschließlich geben eigen; Wer so ein Herz am Herzen hält, Der liebt in ihm die ganze Welt.
Der Himmel hat eine Träne geweint, Die hat sich ins Meer zu verlieren gemeint. Die Muschel kam und schloß sie ein: Du sollst nun meine Perle sein. Du sollst nicht vor den Wogen zagen, Ich will hindurch dich ruhig tragen, O du mein Schmerz, du meine Lust, Du Himmelsträn' in meiner Brust! Gib, Himmel, daß ich in reinem Gemüte Den reinsten deiner Tropfen hüte.
So wahr die Sonne scheinet, So wahr die Wolke weinet, So wahr die Flamme sprüht, So wahr der Frühling blüht; So wahr hab' ich empfunden, Wie ich dich halt' umwunden: Du liebst mich, wie ich dich, Dich lieb' ich, wie du mich. Die Sonne mag verscheinen Die Wolke nicht mehr weinen, Die Flamme mag versprühn, Der Frühling nicht mehr blüh'n! Wir wollen uns umwinden Und immer so empfinden: Du liebst mich, wie ich dich; Dich lieb ich, wie du mich.
Wer sich am Süßen der Liebe will laben, Ohne das Bittre genossen zu haben, Will im Tempel zu Mekka ruhn, Ohne das Pilgerkleid anzutun.
Nur wer dich liebt So wie du bist, Wohl deine Schwächen kennt, Doch sie vergißt, Der liebt dich wirklich Und wird dich verstehn Und gern mit dir Auch deine Wege gehn!
Der Liebsten Vater gab mir seinen Segen, Er sprach: Wenn du dich nun statt meiner plagen Willst mit dem Trotzkopf, hab' ich nichts dagegen.
Du bist die Rose meiner Liebe, Die Ros' auf meines Herzens Flur. Es waren andre Blumentriebe Vorahnung meiner Rose nur. Es kam der Flor, daß er zerstiebe, Verschwinden mußte jede Spur, Daß Raum für meine Rose bliebe, Die mir zu bleiben ewig schwur.
Wie seltne Sprachgewandtheit nicht Besitzt mein Lieb, das junge, Das mit den Augen fert'ger spricht Als andre mit der Zunge. O welch ein reicher Wörterschatz In diesem offnen Briefe! Da ist ein Blick ein ganzer Satz Von unerforschter Tiefe. Sie haben Liebe blind gemalt, Man sollte stumm sie malen; Die Sprache, die dem Aug' entstrahlt, Ersetzt des Schweigens Qualen. Das ist die Sprach', in der allein Die Seligen in Eden, Die Sprach', in der im Frühlingshain Sich Blumen unterreden. Das ist die Sprache, deren Schrift Im lichten Zug der Sterne, Geschrieben von der Liebe Stift, Durchblinkt die ew'ge Ferne. Die Sprache, vom Verstande nicht, Nur vom Gefühl verstanden, Darum in dieser sich bespricht Die Lieb' in allen Landen.
Die Liebe saß im Mittelpunkt Und blickte rings in's Ferne; Und wo von ihr ein Blick hin funkt, Erblüh'n am Himmel Sterne. Hier ist ein neuer Strahl ersprüht, Und dort erlischt ein Schimmer. Der Kranz der Welt ist unverblüht, Die Liebe blickt noch immer.
So möcht' ich leben, daß ich hätte, wenn ich scheide, Gelebet mir zur Lust und andern nicht zu Leide.
Das Leben ist nur dem an steten Wonnen reich, Der frohbewußt es sich und andern lebt zugleich.
Dein Leben ist ein Strom: o laß dich's nicht verdrießen, Durch manchen Berg gehemmt, dem Meere zuzufließen!
Man lebt nicht zweimal, und wie groß ist deren Zahl, Die leben auf der Welt auch einmal nicht einmal!
Ich trage allein Ich klage still, Weil ich nicht will Daß man mich höre klagen; Ich trag' allein, Die Last ist mein, Kein andrer soll sie tragen.
In allem Leben ist ein Trieb Nach unten und nach oben; Wer in der rechten Mitte blieb Von beiden, ist zu loben.
O Baum des Lebens, sieh, der Herbstwind wühlt, er sucht, Ob unterm Blätterschmuck du bergest eine Frucht.