Heinrich Heine (1797–1856)

163 Sprüche Klassik

Bisher hab' ich nur Witz, Ironie, Laune gezeigt, noch nie den reinen, urbehaglichen Humor.

Heine, H., Briefe. An Moses Moser, 14. Oktober 1826

Diese Damen, sie verstehen, Wie man Dichter ehren muß: Gaben mir ein Mittagessen, Mir und meinem Genius. Ach! die Suppe war vortrefflich, Und der Wein hat mich erquickt, Das Geflügel, das war göttlich, Und der Hase war gespickt. Sprachen, glaub ich, von der Dichtkunst, Und ich wurde endlich satt; Und ich dankte für die Ehre, Die man mir erwiesen hat.

Heine, H., Gedichte. Neue Gedichte. Verschiedene. Yolante und Marie, 1.

Aber bei all' ihrem Protegiren, Hätt' ich können vor Hunger krepiren, Wär' nicht gekommen ein braver Mann, Wacker nahm er sich meiner an. Braver Mann! er schafft mir zu essen! Will es ihm nie und nimmer vergessen! Schade, daß ich ihn nicht küssen kann! Denn ich bin selbst dieser brave Mann.

Heine, H., Gedichte. Aus: Die Heimkehr

Jede Zeit ist eine Sphinx, die sich in den Abgrund stürzt, sobald man ihr Rätsel gelöst hat.

Heine, Die romantische Schule, 1836. Erstes Buch

Die Zeit, der schlaue Saturn, er heilt uns von jeder Wunde, um uns mit seiner Sense bald wieder eine neue Wunde ins Herz hineinzuschneiden.

Heine, H., Briefe. An Varnhagen von Ense, 28. März 1833

Weise erdenken die neuen Gedanken, und Narren verbreiten sie.

Heine, Gedanken und Einfälle, in: Letzte Gedichte und Gedanken von Heinrich Heine, hg. von Adolf Strodtmann 1869. VI. Vermischte Einfälle

Einigen nackten Gedanken habe ich im hastigen Unmut ihre Feigenblätter wieder abgerissen ...

Heine, Deutschland. Ein Wintermärchen, 1844. Vorrede

Es schlafen tief im Grunde des Menschenherzens Gedanken, die oft erwachen zur unrechten Stunde.

Heine, Deutschland. Ein Wintermärchen, 1844

Die Konterbande, die mit mir reist, Die hab ich im Kopfe stecken.

Heine, Deutschland. Ein Wintermärchen, 1844. Caput II

Der Gedanke ist die unsichtbare Natur, die Natur der sichtbare Gedanke.

Heine, Gedanken und Einfälle, in: Letzte Gedichte und Gedanken von Heinrich Heine, hg. von Adolf Strodtmann 1869. II. Religion und Philosophie

Epilog Wie auf dem Felde die Weizenhalmen, So wachsen und wogen im Menschengeist Die Gedanken. Aber die zarten Gedanken der Liebe Sind wie lustig dazwischenblühende, Rot' und blaue Blumen. Rot' und blaue Blumen! Der mürrische Schnitter verwirft euch als nutzlos, Hölzerne Flegel zerdreschen euch höhnend, Sogar der hablose Wanderer, Den eu'r Anblick ergötzt und erquickt, Schüttelt das Haupt, Und nennt euch schönes Unkraut. Aber die ländliche Jungfrau, Die Kränzewinderin, Verehrt euch und pflückt euch, Und schmückt mit euch die schönen Locken, Und also geziert, eilt sie zum Tanzplatz, Wo Pfeifen und Geigen lieblich ertönen, Oder zur stillen Buche, Wo die Stimme des Liebsten noch lieblicher tönt Als Pfeifen und Geigen.

Heine, H., Gedichte. Buch der Lieder. Die Nordsee. Zweiter Zyklus

Wie auf dem Felde die Weizenhalmen, So wachsen und wogen im Menschengeist Die Gedanken.

Heine, H., Gedichte. Buch der Lieder. Die Nordsee. Zweiter Zyklus. Aus: Epilog

Überall, wo ein großer Geist seinen Gedanken ausspricht, ist Golgatha.

Heine, Zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland, 1793. Zweites Buch. In Bezug auf Baruch de Spinoza

Da und da hatte ich einen großen Gedanken, hab' ihn aber vergessen. Was mag es wohl sein? Ich plage mich mit Erraten.

Heine, Gedanken und Einfälle, in: Letzte Gedichte und Gedanken von Heinrich Heine, hg. von Adolf Strodtmann 1869. VI. Vermischte Einfälle

In dunklen Zeiten wurden die Völker am besten durch die Religion geleitet, wie in stockfinstrer Nacht ein Blinder unser bester Wegweiser ist; er kennt Wege und Stege besser als ein Sehender. – Es ist aber töricht, sobald es Tag ist, noch immer die alten Blinden als Wegweiser zu gebrauchen.

Heine, Gedanken und Einfälle, in: Letzte Gedichte und Gedanken von Heinrich Heine, hg. von Adolf Strodtmann 1869. II. Religion und Philosophie

Von dem Augenblick an, wo eine Religion bei der Philosophie Hülfe begehrt, ist ihr Untergang unabwendlich.

Heine, Zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland, 1793. Zweites Buch

Es ist mehr Verwandtschaft zwischen Opium und Religion, als sich die meisten Menschen träumen lassen.

Heine, H., Gespräche. Zu Adolf Stahr, Oktober 1850

Religion und Heuchelei sind Zwillingsschwestern, und beide sehen sich so ähnlich, daß sie zuweilen nicht voneinander zu unterscheiden sind.

Heine, Die romantische Schule, 1836. Zweites Buch

Schöne Frauen, die keine Religion haben, sind wie Blumen ohne Duft; sie gleichen jenen kalten, nüchternen Tulpen, die uns aus ihren chinesischen Porzellantöpfen so porzellanhaft ansehen, und wenn sie sprechen könnten, uns gewiß auseinandersetzen würden, wie sie ganz natürlich aus einer Zwiebel entstanden sind, wie es hinreichend sei, wenn man hienieden nur nicht übel riecht, und wie übrigens, was den Duft betrifft, eine vernünftige Blume gar keines Duftes bedarf.

Heine, Reisebilder und Reisebriefe. Reisebilder. Vierter Teil. Die Stadt Lucca. Kapitel 11

Sonderbar! Und immer ist es die Religion und immer die Moral und immer der Patriotismus, womit alle schlechten Subjekte ihre Angriffe beschönigen!

Heine, H., Aufsätze und Streitschriften. Über den Denunzianten

Die Religion kann nie schlimmer sinken, als wenn sie solchermaßen zur Staatsreligion erhoben wird.

Heine, Reisebilder und Reisebriefe. Reisebilder. Vierter Teil. Die Stadt Lucca. Kapitel 14