Heinrich Heine (1797–1856)

163 Sprüche Klassik

Wir wissen auch, daß ein Glück, das wir der Lüge verdanken, kein wahres Glück ist [...].

Heine, Reisebilder und Reisebriefe. Reisebilder. Zweiter Teil. Die Nordsee. 1826. Dritte Abteilung

In uns selbst liegen die Sterne unseres Glücks.

Heine, Memoiren, entstanden 1854/55. Erstdruck: Heinrich Heines Memoiren, hg. von Eduard Engel 1884

Ich glaube an den Fortschritt, ich glaube, die Menschheit ist zur Glückseligkeit bestimmt [...].

Heine, Zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland, 1793. Erstes Buch

Wir wollen auf Erden glücklich sein, Und wollen nicht mehr darben; Verschlemmen soll nicht der faule Bauch, Was fleißige Hände erwarben.

Heine, Deutschland. Ein Wintermärchen, 1844. Caput I

Ein neues Lied, ein besseres Lied, O Freunde, will ich euch dichten! Wir wollen hier auf Erden schon Das Himmelreich errichten.

Heine, Deutschland. Ein Wintermärchen, 1844. Caput I

Der Mensch meint oft, er ginge seinem Glück entgegen, und auf seinem Wege steht vielleicht das Unglück mit einem Stock [...].

Heine, Reisebilder und Reisebriefe. Reisebilder. Dritter Teil. Die Bäder von Lucca. Kapitel 9

Fortuna Frau Fortuna, ganz umsunst Tust du spröde! deine Gunst Weiß ich mir, durch Kampf und Ringen, Zu erbeuten, zu erzwingen. Überwältigt wirst du doch, Und ich spanne dich ins Joch, Und du streckst am End' die Waffen – Aber meine Wunden klaffen. Es verströmt mein rotes Blut, Und der schöne Lebensmut Will erlöschen; ich erliege Und ich sterbe nach dem Siege.

Heine, H., Gedichte. Neue Gedichte, Erstdruck 1844. Die Gedichte entstanden zwischen 1824 und 1844, viele von ihnen wurden zuvor in Zeitschriften bzw. in Sammelbänden veröffentlicht. Originaltext

Ein Jüngling liebt ein Mädchen, Die hat einen andern erwählt; Der andre liebt eine andre, Und hat sich mit dieser vermählt. Das Mädchen heiratet aus Ärger Den ersten besten Mann, Der ihr in den Weg gelaufen; Der Jüngling ist übel dran. Es ist eine alte Geschichte, Doch bleibt sie immer neu; Und wem sie just passieret, Dem bricht das Herz entzwei.

Heine, H., Gedichte. Buch der Lieder. Lyrisches Intermezzo

Wenn ich bei meiner Liebsten bin, Dann geht das Herz mir auf; Dann bin ich reich in meinem Sinn, Ich biet die Welt zu Kauf. Doch wenn ich wieder scheiden muß Aus ihrem Schwanenarm, Dann schwindet all mein Überfluß, Und ich bin bettelarm.

Heine, H., Gedichte. Nachlese

Ich hab' dich geliebet und liebe dich noch! Und fiele die Welt zusammen, Aus ihren Trümmern stiegen doch Hervor meiner Liebe Flammen.

Heine, H., Gedichte

Ei! kennt ihr noch das alte Lied, Das einst so wild die Brust durchglüht, Ihr Saiten dumpf und trübe? Die Engel, die nennen es Himmelsfreud, Die Teufel, die nennen es Höllenleid, Die Menschen, die nennen es: Liebe!

Heine, H., Gedichte. Buch der Lieder, 1827. Junge Leiden. Aus: Traumbild Nr. 8

In der Jugend ist die Liebe stürmischer, aber nicht so stark, so allmächtig wie später.

Heine, Gedanken und Einfälle, in: Letzte Gedichte und Gedanken von Heinrich Heine, hg. von Adolf Strodtmann 1869. V. Frauen, Liebe und Ehe

Im wunderschönen Monat Mai, Als alle Knospen sprangen, Da ist in meinem Herzen Die Liebe aufgegangen. Im wunderschönen Monat Mai, Als alle Vögel sangen, Da hab ich ihr gestanden Mein Sehnen und Verlangen.

Heine, H., Gedichte. Buch der Lieder. Lyrisches Intermezzo

Nach der Erzählung einer edlen Tat, der Ausruf: Größer als alle Pyramiden, als der Himalaya, als alle Wälder und Meere, ist das menschliche Herz – es ist herrlicher als die Sonne und der Mond und alle Sterne, strahlender und blühender – es ist unendlich in seiner Liebe, unendlich wie die Gottheit, es ist die Gottheit selbst.

Heine, Gedanken und Einfälle, in: Letzte Gedichte und Gedanken von Heinrich Heine, hg. von Adolf Strodtmann 1869. VI. Vermischte Einfälle

Was Prügel sind, das weiß man schon; was aber die Liebe ist, das hat noch keiner herausgebracht.

Heine, Reisebilder und Reisebriefe. Reisebilder. Dritter Teil. Die Bäder von Lucca. Kapitel 7

Du fragst mich, Kind, was Liebe ist? Ein Stern in einem Haufen Mist.

Heine, H., Gedichte. Aus: Unstern, 1844

Die Liebe ist immer eine Art Wahnsinn, mehr oder minder schön.

Heine, H., Aufsätze und Streitschriften. Shakespeares Mädchen und Frauen. Schluß

Es schauen die Blumen alle Zur leuchtenden Sonne hinauf; Es nehmen die Ströme alle Zum leuchtenden Meere den Lauf. Es flattern die Lieder alle Zu meinem leuchtenden Lieb; Nehmt mit meine Tränen und Seufzer, Ihr Lieder, wehmütig und trüb!

Heine, H., Gedichte. Nachlese

Weil ich dich liebe, wird so bläßlich, So elend mager mein Gesicht – Du fändest mich am Ende häßlich – Ich will dich meiden – zürne nicht.

Heine, H., Gedichte. Aus: Neuer Frühling, 21

Sie liebten sich beide, doch keiner Wollt es dem andern gestehn; Sie sahen sich an so feindlich, Und wollten vor Liebe vergehn. Sie trennten sich endlich und sahn sich Nur noch zuweilen im Traum; Sie waren längst gestorben, Und wußten es selber kaum.

Heine, H., Gedichte. Buch der Lieder. Die Heimkehr, 33.

Solidität Liebe sprach zum Gott der Lieder, Sie verlange Sicherheiten, Ehe sie sich ganz ergebe, Denn es wären schlechte Zeiten. Lachend gab der Gott zur Antwort: »Ja, die Zeiten sich verändern, Und du sprichst jetzt wie ein alter Wuchrer, welcher leiht auf Pfändern. Ach, ich hab nur eine Leier, Doch sie ist von gutem Golde. Wieviel Küsse willst du borgen Mir darauf, o meine Holde?«

Heine, H., Gedichte. Romanzero. Zweites Buch. Lamentationen