Heinrich Heine (1797–1856)

163 Sprüche Klassik

8 Schaff mich nicht ab, wenn auch den Durst Gelöscht der holde Trunk; Behalt mich noch ein Vierteljahr, Dann hab auch ich genung. Kannst du nicht mehr Geliebte sein, Sei Freundin mir sodann; Hat man die Liebe durchgeliebt, Fängt man die Freundschaft an.

Heine, H., Gedichte. Neue Gedichte, 1824-1844. Verschiedene. Angelique

Daß du mich liebst, das wußt ich, Ich hatt es längst entdeckt; Doch als du mir's gestanden, Hat es mich tief erschreckt. Ich stieg wohl auf die Berge Und jubelte und sang; Ich ging ans Meer und weinte Beim Sonnenuntergang. Mein Herz ist wie die Sonne So flammend anzusehn, Und in ein Meer von Liebe Versinkt es groß und schön.

Heine, H., Gedichte. Neue Gedichte. Verschiedene. Seraphine, 4.

Alte Rose Eine Rosenknospe war Sie, für die mein Herze glühte; Doch sie wuchs, und wunderbar Schoß sie auf in voller Blüte. Ward die schönste Ros' im Land, Und ich wollt die Rose brechen, Doch sie wußte mich pikant Mit den Dornen fortzustechen. Jetzt, wo sie verwelkt, zerfetzt Und verklatscht von Wind und Regen – »Liebster Heinrich« bin ich jetzt, Liebend kommt sie mir entgegen. Heinrich hinten, Heinrich vorn, Klingt es jetzt mit süßen Tönen; Sticht mich jetzt etwa ein Dorn, Ist es an dem Kinn der Schönen. Allzu hart die Borsten sind, Die des Kinnes Wärzchen zieren – Geh ins Kloster, liebes Kind, Oder lasse dich rasieren.

Heine, H., Gedichte. Romanzero. Zweites Buch. Lamentationen

Wir fuhren allein im dunkeln Postwagen die ganze Nacht; Wir ruhten einander am Herzen, Wir haben gescherzt und gelacht. Doch als es morgens tagte, Mein Kind, wie staunten wir! Denn zwischen uns saß Amor, Der blinde Passagier.

Heine, H., Gedichte. Buch der Lieder. Die Heimkehr

Das Meer erglänzte weit hinaus Im letzten Abendscheine; Wir saßen am einsamen Fischerhaus, Wir saßen stumm und alleine. Der Nebel stieg, das Wasser schwoll, Die Möwe flog hin und wider; Aus deinen Augen, liebevoll, Fielen die Tränen nieder. Ich sah sie fallen auf deine Hand, Und bin aufs Knie gesunken; Ich hab von deiner weißen Hand Die Tränen fortgetrunken. Seit jener Stunde verzehrt sich mein Leib, Die Seele stirbt vor Sehnen; – Mich hat das unglücksel'ge Weib Vergiftet mit ihren Tränen.

Heine, H., Gedichte. Buch der Lieder. Die Heimkehr, 14.

Du bist wie eine Blume, So hold und schön und rein; Ich schau dich an, und Wehmut Schleicht mir ins Herz hinein. Mir ist, als ob ich die Hände Aufs Haupt dir legen sollt, Betend, daß Gott dich erhalte So rein und schön und hold.

Heine, H., Gedichte. Buch der Lieder. Die Heimkehr, 47.

Wer zum ersten Male liebt, Sei's auch glücklos, ist ein Gott; Aber wer zum zweiten Male Glücklos liebt, der ist ein Narr. Ich, ein solcher Narr, ich liebe Wieder ohne Gegenliebe! Sonne, Mond und Sterne lachen, Und ich lache mit – und sterbe.

Heine, H., Gedichte. Buch der Lieder. Die Heimkehr, 63.

Das größte Rätsel, Süßes Kind, Das ist die Liebe – Doch wir wollen es nicht lösen!

Heine, Atta Troll. Ein Sommernachtstraum, 1847. Kaput XXII

Aber eine geheime Vorliebe für das, wofür wir einstmals gekämpft und gelitten, bleibt immer in unserm Herzen.

Heine, Zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland, 1793. Zweites Buch. Fußnote

Die Heimführung Ich geh nicht allein, mein feines Lieb, Du mußt mit mir wandern Nach der lieben, alten, schaurigen Klause, In dem trüben, kalten, traurigen Hause, Wo meine Mutter am Eingang kau'rt Und auf des Sohnes Heimkehr lau'rt. »Laß ab von mir, du finstrer Mann! Wer hat dich gerufen? Dein Odem glüht, deine Hand ist Eis, Dein Auge sprüht, deine Wang' ist weiß; – Ich aber will mich lustig freun An Rosenduft und Sonnenschein.« Laß duften die Rosen, laß scheinen die Sonn', Mein süßes Liebchen! Wirf um den weiten weißwallenden Schleier, Und greif in die Saiten der schallenden Leier, Und singe ein Hochzeitslied dabei; Der Nachtwind pfeift die Melodei.

Heine, H., Gedichte. Buch der Lieder. Junge Leiden. Romanzen, 8.

Liebe ist ja selber der stärkste Zauber, jede andere Verzauberung muß ihr weichen.

Heine, Elementargeister, 1837

Freundschaft, Liebe, Stein der Weisen, Diese dreie hört ich preisen, Und ich pries und suchte sie, Aber, ach! ich fand sie nie.

Heine, H., Gedichte. Buch der Lieder, 1827

Sie haben heut abend Gesellschaft, Und das Haus ist lichterfüllt. Dort oben am hellen Fenster Bewegt sich ein Schattenbild. Du schaust mich nicht, im Dunkeln Steh ich hier unten allein; Noch wen'ger kannst du schauen In mein dunkles Herz hinein. Mein dunkles Herze liebt dich, Es liebt dich und es bricht, Und bricht und zuckt und verblutet, Aber du siehst es nicht.

Heine, H., Gedichte. Buch der Lieder. Die Heimkehr, 60.

Diese schönen Gliedermassen Kolossaler Weiblichkeit Sind jetzt, ohne Widerstreit, Meinen Wünschen überlassen. Wär ich, leidenschaftentzügelt, Eigenkräftig ihr genaht, Ich bereute solche Tat! Ja, sie hätte mich geprügelt. Welcher Busen, Hals und Kehle! (Höher seh ich nicht genau.) Eh' ich ihr mich anvertrau, Gott empfehl ich meine Seele.

Heine, H., Gedichte. Neue Gedichte, 1828-1844. Verschiedene. Diana

Schattenküsse, Schattenliebe, Schattenleben, wunderbar! Glaubst du, Närrin, alles bliebe Unverändert, ewig wahr? Was wir lieblich fest besessen, Schwindet hin, wie Träumerein, Und die Herzen, die vergessen, Und die Augen schlafen ein.

Heine, H., Gedichte. Neue Gedichte. Verschiedene. Seraphine, 9.

Ich wandle unter Blumen Und blühe selber mit; Ich wandle wie im Traume, Und schwanke bei jedem Schritt. Oh, halt mich fest, Geliebte! Vor Liebestrunkenheit Fall ich dir sonst zu Füßen, Und der Garten ist voller Leut'.

Heine, H., Gedichte. Neue Gedichte. Neuer Frühling, 22.

Wenn du mir vorüberwandelst, Und dein Kleid berührt mich nur, Jubelt dir mein Herz, und stürmisch Folgt es deiner schönen Spur. Dann drehst du dich um, und schaust mich Mit den großen Augen an, Und mein Herz ist so erschrocken, Daß es kaum dir folgen kann.

Heine, H., Gedichte. Neue Gedichte. Neuer Frühling, 14.

Ach, ich sehne mich nach Tränen, Liebestränen, schmerzenmild, Und ich fürchte, dieses Sehnen Wird am Ende noch erfüllt. Ach, der Liebe süßes Elend Und der Liebe bittre Lust Schleicht sich wieder, himmlisch quälend, In die kaum genesne Brust.

Heine, H., Gedichte. Neue Gedichte. Neuer Frühling, 12.

Die blauen Frühlingsaugen Schaun aus dem Gras hervor; Das sind die lieben Veilchen, Die ich zum Strauß erkor. Ich pflücke sie und denke, Und die Gedanken all, Die mir im Herzen seufzen, Singt laut die Nachtigall. Ja, was ich denke, singt sie Lautschmetternd, daß es schallt; Mein zärtliches Geheimnis Weiß schon der ganze Wald.

Heine, H., Gedichte. Neue Gedichte. Neuer Frühling, 13.

Es hat die warme Frühlingsnacht Die Blumen hervorgetrieben, Und nimmt mein Herz sich nicht in acht, So wird es sich wieder verlieben. Doch welche von den Blumen all'n Wird mir das Herz umgarnen? Es wollen die singenden Nachtigall'n Mich vor der Lilie warnen.

Heine, H., Gedichte. Neue Gedichte. Neuer Frühling, 10.

Emma, sage mir die Wahrheit: Ward ich närrisch durch die Liebe? Oder ist die Liebe selber Nur die Folge meiner Narrheit? Ach! mich quälet, teure Emma, Außer meiner tollen Liebe, Außer meiner Liebestollheit, Obendrein noch dies Dilemma.

Heine, H., Gedichte. Neue Gedichte. Verschiedene. Emma, 4.