Henri Stendhal (1783–1842)

78 Sprüche Klassik

Nächst den aus Liebe geschlossenen Ehen sind die am glücklichsten, die durch den Geltungstrieb zusammengehalten werden.

Stendhal, Über die Liebe (De l'Amour), 1822

Ehe schützt vor Minne nicht.

Stendhal, Über die Liebe (De l'Amour), 1822

Ohne gewisse Schwankungen macht der Besitz einer geliebten Frau nicht glücklich, ja er wird sogar unhaltbar.

Stendhal, Über die Liebe (De l'Amour), 1822

In Frankreich sind die Männer, die ihre Frau verloren haben, traurig, die Witwen dagegen froh und zufrieden. Die Frauen haben sogar ein Sprichwort für diesen glückseligen Zustand. Also bedeutet die Ehe nicht für jeden dasselbe.

Stendhal, Über die Liebe (De l'Amour), 1822

Glücklich der Mann, der seiner Frau alles sagen kann.

Stendhal, Über die Liebe (De l'Amour), 1822

Körperliche Lust nimmt mit der Zeit ab. Schmerzen nehmen zu.

Stendhal, Über die Liebe (De l'Amour), 1822

Ich suche wahr und klar zu berichten, was in mir vorgeht. Ich kenne nur eine Regel: klar zu sein. Wenn ich nicht klar bin, ist meine ganze Welt vernichtet.

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Man wird mich wahrscheinlich für einen Verrückten ausgeben, aber ich halte nun einmal an der Wunderlichkeit fest, die Wahrheit zu sagen – die gefährlichen Wahrheiten natürlich ausgenommen.

Stendhal, Aphorismen aus Stendhal. Ueber Schönheit, Kunst und Kultur. Ausgezogen und in deutscher Uebersetzung zusammengestellt von Benno Rüttenauer, Straßburg 1901. Der Autor über sich selber

Große Seelen sind nicht leicht zu erkennen, sie halten sich zurück; gewöhnlich bemerkt man nur eine gewisse Eigenheit. Es gibt mehr große Seelen als man glaubt.

Stendhal, Über die Liebe (De l'Amour), 1822

Es ist ein gewöhnlicher Gedanke, den man gerade deshalb leicht vergißt, daß tagtäglich die fühlenden Seelen immer seltener und die Verstandesmenschen immer häufiger werden.

Stendhal, Über die Liebe (De l'Amour), 1822. Drittes Buch. Aphorismen, 161.

Alles kann man sich in der Einsamkeit aneignen, außer Charakter.

Stendhal, Über die Liebe (De l'Amour), 1822

Charakterfestigkeit heißt, die Wirkung der anderen an sich selbst erprobt zu haben; also sind dazu die anderen nötig.

Stendhal, Über die Liebe (De l'Amour), 1822

Einen festen Charakter erwerben heißt, viele und gründliche Erfahrungen über die Unzulänglichkeiten und Verhängnisse des Lebens gewinnen.

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Ein- und dieselbe Daseinsstufe gibt nur einen Augenblick vollkommenen Glückes; aber die Wesensart des leidenschaftlichen Menschen wechselt zehnmal am Tage.

Stendhal, Über die Liebe (De l'Amour), 1822

Einen festen Charakter haben heißt soviel, wie sich unter dem Einfluß anderer Charaktere bewähren; diese anderen sind also notwendig.

Stendhal, Über die Liebe (De l'Amour), 1822