Horaz
Wozu soll mir das Glück, wenn unvergönnt der Gebrauch ist?
Was nützt mir das Glück, wenn ich mich seiner nicht bedienen darf?
Lerne, großes Glück zu ertragen!
Der verdient, daß man ihn glücklich preise, der der Götter milde Gaben weise nutzt und unverdientes Mißgeschick mutig trägt.
Glücklich der Mensch, glücklich er allein, der das Heute ganz besitzen kann, der, in sich ruhend, sagen kann: Morgen sei es noch so schlimm, ich hab heut gelebt.
Und vielleicht gewährt mir die Stunde, was sie dir verweigert hat.
Glück wandelt nicht die Herkunft.
Nach ihrem Belieben hat hier die räuberische Fortuna die Macht der Herrschaft mit lautem Ungestüm fortgerissen und dort einem anderen aufgesetzt.
In der Liebe gibt es zwei Übel: Krieg und Frieden.
Das Schlimmste an der Liebe ist, dass Krieg und Frieden ständig wechseln.
Bäder, Wein und Liebe zerstören unsern Leib, und das Leben machen doch nur Bad, Wein und Weib.
So ist das Bild der Venus, der es gefällt, zu ihrem Zeitvertreib ungleiche Körper und Seelen unter ihr unbezwingbares Joch zu schicken.
Glaube, jeder Tag sei dir als dein letzter aufgeleuchtet.
Wer unbemerkt sich in die Welt hinein und wieder hinaus geschlichen, hat nicht schlecht gelebt.
Weißt du das Leben nicht recht zu genießen, so weiche Erfahrenen.
Die kurze Spanne des Lebens verbietet uns, auf weite Sicht zu planen.
Und nicht hat der schlecht gelebt, der unbekannt geboren wurde und starb.
Lebe stets in dem Gedenken daran, wie kurz dein Leben ist!
Glücklich über dein Schicksal wirst du dein Leben weise gestalten.