Horaz
Warum nur streben wir in unserem kurzen Leben so entschlossen nach so vielen Dingen?
Ein unerfreuliches und unglückliches Leben musst du führen, um dich immer wieder neuen Mühen zu stellen.
Was wird mit mir, dem das Leben angenehm ist, wenn du lebst, schwer aber, wenn es anders kommt?
Ein keusches Weib ist nicht an Putz und Anstand von der feilen Dirne verschiedener als der Freund vom Schmeichler ist.
Süß ist allein dem Unerfahrenen die Huldigung eines mächtigen Freundes, der Erfahrene ist voll Furcht.
Wenn selbsteigene Fehler mit triefenden Augen du musterst, Weshalb ist so geschärft dein Blick bei den Mängeln der Freunde [...]?
Freund eines Großen zu sein erscheint nur denen angenehm, die es nie probiert haben.
Von einem Freund dürfen wir uns nicht abwenden, auch wenn er Fehler macht.
Solange ich bei gutem Verstand bin, soll mir nichts über einen liebenswürdigen Freund gehen.
Um einen Menschen zu morden, erheben sich des Nachts die Räuber, doch um dich selbst zu retten, willst du nicht aus deiner Untätigkeit erwachen?
Die Tugend liegt darin, das Laster zu fliehen, und von Dummheit frei zu sein, ist der Beginn der Weisheit.
Der Weisheit Beginn ist, ledig der Torheit sein.
Wage es, weise zu sein! Fang an! Wer die Stunde des rechten Lebens hinausschiebt, gleicht nur einem Bauern, der darauf wartet, daß der Fluß versiegt, bevor er ihn überquert.
Nur der ist weise, der immer sich beherrscht; Den Armuth, Ketten, selbst der Tod nicht schrecken kann; Der seine Leidenschaften dämpft; Der eitle Sucht nach Ruhm und Ehre festen Muths besiegt; Und in sich selbst schon mehr besitzt Als ihm der Erdball geben, Das wankelhafte Glück ihm rauben kann.
Untätig bleibt, wer fürchtet, nicht erfolgreich zu sein.
Demjenigen, der vieles erstrebt, wird vieles fehlen.
Das Leben gab den Sterblichen nichts ohne große Arbeit.
Ungestüm aber enteilt die Zeit.