Es ist nichts fader als die Auffassung, wir seien da, um glücklich zu werden. So kann nur die Selbstsucht sprechen. Bist du ein Weiser, so fragst du die Blume, wozu sie da sei.
Nach sogenanntem Glück streben nur kleine Menschen.
Für die meisten Menschen liegt das Glück nicht im Besitz, sondern im Erstreben.
Man suche die leuchtendsten Augenblicke seines Lebens und analysiere sie, und man wird finden, dass in der Regel die Liebe im Spiele war. Die Liebe setzt dem Leben das Gold auf.
Liebesschauder Unter einer Trauerweide, Vor dem Tor im Sternenschein Flüstern, von der Mailuft trunken, In ihr süßes Glück versunken, Junggesell' und Mägdelein. Unterm Gras ruht ein Vergess'ner, Von den Wurzeln treu bewacht. Ruhig schaun die tiefen, dunklen Augenhöhlen in das Funkeln Einer seligen Liebesnacht. Was verstummt das traute Lispeln? Kam ein Schauder jenen Zwei'n, Daß auf einem Grab sie küssen, In der Jugend Vollgenüssen, In dem Kreis des Todes sei'n?
Zauberstätten Es schlingt sich um jede Stätte, Wo einst dich die Liebe umspann, Eine tückische Zauberkette Und hält dich in ihrem Bann. Sie klingelt mit ihren Ringen Ins Ohr dir manchen Ton Von nichtigen kleinen Dingen, Dir wird ganz weich davon; Sie legt sich um deine Füße, Wo einst ein Wort dich beglückt, Eines Blickes schmeichelnde Süße Dem Erdenstaub entrückt, Wo dir einst verwirrtes Zeichen, Ein hingesummtes Lied, Einer Wange Erglühn und Erbleichen Des Herzens Wallung verriet. Sie drängt dich zu jener Stelle, Wo schmerzlich der Zauber zerflog, Und der Alltag in nüchterner Helle Die Zügel an sich zog. So schlingt sich um jede Stätte, Wo einst dich die Liebe umspann, Eine tückische Zauberkette Und hält dich in ihrem Bann.
Rein durchs Leben zu gehen, ist unmöglich, aber sich zu reinigen, ist möglich und höchstes Ziel.
Lust ist die Grundlage des Lebens. Wären Zeugen und Essen mit Schmerzen verbunden, so würde alles Leben an Unlust zugrunde gehen.
Wenn man in einem Buche blättert, heute, morgen, in acht Tagen wieder, so fallen einem fast immer die nämlichen Seiten unter die Augen und vielleicht nicht immer die besten und schönsten. So auch geht es mit dem Buch des Lebens, man muss es nicht nur lesen, wie die Seiten sich öffnen.
Das Leben ist uns dann am schwersten, wenn es leer ist.
Wie kurz ist unser Leben, und doch sinnen wir auf Mittel, uns die Stunden rasch und angenehm vergehen zu lassen.
Blätter im Wind Treibende Blätter im Wind, Spielzeug der Lüfte wir sind. Wo wir einst liegen in Orten und Zeiten, Wo wir verwesen, hat nichts zu bedeuten; Da wo wir saßen am Lebensbaum, Hofft eine Knospe im Frühlingstraum.
Nacht Das Tal ist ertrunken in Nacht, Die taglang Mühsal vollbracht. Nur des Bergbachs Schwellen und Dämpfen Mahnt an das zeitlose Ringen und Kämpfen Der Lebensschlacht. Ein einziger bebender Schimmer durchbricht Das Dunkel. Ist es ein Totenlicht? Ist es ein Grüßen der Erde hinauf Zu den Geschwistern im Sternenlauf? Oder ein Hoffen des Ewig-Blinden, Oben erlösende Wahrheit zu finden? Rings um die Seele ist Nacht, Drin ist ein Funken entfacht, Möchte die Finsternis siegreich zerstreuen, Über erloschenen Sternen die neuen, Schlackenbefreiten mit Macht entzünden Und ob der Seele zum Himmel ründen.
Wer das Leben als Provisorium betrachten kann, wird es leichter ertragen.
Das Leben wird immer schwer sein, und je höher es ist, desto schwerer, das kann man den Menschen nicht abnehmen. Abnehmen oder doch erleichtern kann man nur dieäußereNot, die da heißt Hunger, Kleidung, Wohnung…
Manchmal fällt es uns plötzlich wie Zentnergewicht aufs Herz, dass wir um unser Leben, unser einzigstes Gut, so elend betrogen werden, es so sinnlos vertrödeln müssen.
Der Witz schießt, der Humor umfängt, jener ist mit dem Blitz zu vergleichen, dieser mit einem erquickenden Sommerregen.
Wer den raschen Erfolg hat, muss wenig Persönlichkeit besitzen.
Nur produktives Schaffen rettet vor dem modernen Elend. Es wird uns nötigen, über die Fragen, die nie alt werden, nachzudenken: über das Woher? Wie? Warum? Wohin? Es wird uns zwingen, uns mit dem Leben auseinanderzusetzen und nach seinem Sinn zu fragen. Das ist vergebene Liebesmüh, werden die Herren Gelehrten sagen, aber doch Liebesmüh! Euer Schaffen aber ist Insektenarbeit.
Die Menschen haben die Liebe zur Arbeit, zum Beruf verloren, das macht zum großen Teil unser heutiges Elend aus. Wer arbeitet jetzt noch mit wahrer Liebe? Einige Dichter, einige Künstler, einige Erzieher, einige Bauern.
Wer vermag seine Zeit klar zu durchschauen? Wer sieht, wohin sie treibt, fühlt, woher der Wind weht? Selbst die Hellsten haben nur Ahnungen und Mutmaßungen. Das Genie schlägt die rechte Richtung ein, ohne sich dessen klar bewusst zu sein, von der ihm innewohnenden, rätselhaften Kraft getrieben.