Das kleine Mädchen Es war ein armes kleines Mädchen, Das stickte nur mit kurzen Fädchen; Ich glaube, Lina war ihr Name. Sie wurde eine schöne Dame, War fleißig, brav und lernte gerne, Da kam ein Prinz aus weiter Ferne. Der sagte: »Liebe gute Lina, Komm mit mir auf mein Schloß nach China.« Dort sitzen sie nun alle beide Auf einem Thron von gelber Seide.
Ich habe dich so lieb Ich habe dich so lieb! Ich würde dir ohne Bedenken Eine Kachel aus meinem Ofen Schenken. Ich habe dir nichts getan. Nun ist mir traurig zu Mut. An den Hängen der Eisenbahn Leuchtet der Ginster so gut. Vorbei – verjährt – Doch nimmer vergessen. Ich reise. Alles, was lange währt, Ist leise. Die Zeit entstellt Alle Lebewesen. Ein Hund bellt. Er kann nicht lesen. Er kann nicht schreiben. Wir können nicht bleiben. Ich lache. Die Löcher sind die Hauptsache An einem Sieb. Ich habe dich so lieb.
An M. Der du meine Wege mit mir gehst, Jede Laune meiner Wimper spürst, Meine Schlechtigkeiten duldest und verstehst – –. Weißt du wohl, wie heiß du oft mich rührst? Wenn ich tot bin, darfst du gar nicht trauern. Meine Liebe wird mich überdauern Und in fremden Kleidern dir begegnen Und dich segnen. Lebe, lache gut! Mache deine Sache gut!
Ein Nagel saß in einem Stück Holz. Der war auf seine Gattin sehr stolz. Die trug eine goldene Haube Und war eine Messingschraube. Sie war etwas locker und etwas verschraubt, Sowohl in der Liebe, als auch überhaupt. Sie liebte ein Häkchen und traf sich mit ihm In einem Astloch. Sie wurden intim. Kurz, eines Tages entfernten sie sich Und ließen den armen Nagel im Stich. Der arme Nagel bog sich vor Schmerz. Noch niemals hatte sein eisernes Herz So bittere Leiden gekostet. Bald war er beinah verrostet. Da aber kehrte sein früheres Glück, Die alte Schraube wieder zurück. Sie glänzte übers ganze Gesicht. Ja, alte Liebe, die rostet nicht!
Meine erste Liebe? Erste Liebe? Ach, ein Wüstling, dessen Herz so wahllos ist wie meins, so weit, Hat die erste Liebe längst vergessen, Und ihn intressiert nur seine Zeit. Meine letzte Liebe zu beschreiben, Wäre just so leicht wie indiskret. Außerdem? Wird sie die letzte bleiben, Bis ihr Name in der »Woche« steht? Meine Abenteuer in der Minne Müssen sehr gedrängt gewesen sein. Wenn ich auf das erste mich besinne, Fällt mir immer noch ein frühres ein.
Hand schmiegt sich an Hand im engen Kreise, Und das alte Lied von Gott und Christ Bebt durch Seelen und verkündet leise, Daß die kleinste Welt die größte ist.
Seepferdchen Als ich noch ein Seepferdchen war, Im vorigen Leben, Wie war das wonnig, wunderbar Unter Wasser zu schweben. In den träumenden Fluten Wogte, wie Güte, das Haar Der zierlichsten aller Seestuten, Die meine Geliebte war. Wir senkten uns still oder stiegen, Tanzten harmonisch um einand, Ohne Arm, ohne Bein, ohne Hand, Wie Wolken sich in Wolken wiegen. Sie spielte manchmal graziöses Entfliehn, Auf daß ich ihr folge, sie hasche, Und legte mir einmal im Ansichziehn Eierchen in die Tasche. Sie blickte traurig und stellte sich froh, Schnappte nach einem Wasserfloh Und ringelte sich An einem Stengelchen fest und sprach so: Ich Hebe dich! Du wieherst nicht, du äpfelst nicht, Du trägst ein farbloses Panzerkleid Und hast ein bekümmertes altes Gesicht, Als wüßtest du um kommendes Leid. Seestütchen! Schnörkelchen! Ringelnaß! Wann war wohl das? Und wer bedauert wohl später meine restlichen Knochen? Es ist beinahe so, daß ich weine – Lollo hat das vertrocknete, kleine Schmerzverkrümmte Seepferd zerbrochen.
Das Mädchen mit dem Muttermal Chanson Woher sie kam, wohin sie ging, Das hab' ich nie erfahren. Sie war ein namenloses Ding Von etwa achtzehn Jahren, Sie küßte selten ungestüm. Dann duftete es wie Parfüm Aus ihren keuschen Haaren. Wir spielten nur, wir scherzten nur; Wir haben nie gesündigt. Sie leistete mir jeden Schwur Und floh dann ungekündigt. Entfloh mit meiner goldnen Uhr Am selben Tag, da ich erfuhr, Man habe mich entmündigt. Verschwunden war mein Siegelring Beim Spielen oder Scherzen. Sie war ein zarter Schmetterling. Ich werde nie verschmerzen, Wie vieles Goldene sie stahl, Das Mädchen mit dem Muttermal Zwei Handbreit unterm Herzen.
Mir ist, als bräch aus meinem Herz Ein Strom durchglühter Lavafluten. Ach wüßtest du, wie hinter Scherz So oft die tiefsten Wunden bluten. Wenn ich mit Lachen von dir schied, Wie Blütengelb war das zerstäubt, Und wilder klang das wilde Lied, Das deine Heiterkeit betäubt. Das wilde Lied klang fort und fort, Und nichts von jenem Lachen blieb, Bis ich es fand das milde Wort. Du sagtest einst: »Ich hab dich lieb!«
Essen ohne dich Ich habe mich hungrig gefühlt, Doch fast nichts gegessen. War alles lecker, das Bier so schön gekühlt – Aber: Du hast nicht neben mir Gegessen. Verzeihe: Ich stellte mir vor, Daß das ewig so bliebe, Wenn du vor mir – Ach was geht über Liebe?!! Muß ich nun doch Ein paar Tage noch Fressen, ohne Lust; o das haß ich. – Aber wenn du von der Reise Heimkehrst, weiß ich, daß ich Wieder richtig speise.
Aus Nun geh ich stumm an dem vorbei, Wo wir einst glücklich waren, Und träume vor mich hin: Es sei Alles wie vor zwei Jahren. Und du bist schön, und du bist gut Und hast so hohe Beine. Mir wird so loreley zumut, Und ich bin doch nicht Heine. Ich klappe meine Träume zu Und suche mir eine Freude. Auf daß ich nicht so falsch wie du Mein Stückchen Herz vergeude.
Liebeläutend zieht durch Kerzenhelle, Mild, wie Wälderduft, die Weihnachtszeit, Und ein schlichtes Glück streut auf die Schwelle Schöne Blumen der Vergangenheit.
Privat-Telegramm Unsere Kasse darf leer sein. Doch dein Herz darf nicht schwer sein. Jedes entschlüpfte harte Wort Von mir, – streichle du sofort! Und rate mir in gleichem Sinn!!! Jedes Schmollschweigen tobt ohne Sinn Hetzerisch durch die Brust. Ärger ist stets Verlust, Und Verzeihung ist immer Gewinn. Unsrer beider Herzen mögen schwer sein Durch gemeinsames Mißgeschick. Aber keine Stunde zwischen uns darf liebeleer sein. Denn ich liebe dich durch dünn und dick.
Liebe macht das Leben wichtig.
Ich wollte, ich wäre ein Malzbonbon Und du, du würdest mich lutschen.
Nachtschwärmen Die alte Pappel schauert sich neigend, Als habe das Leben sie müde gemacht. Ich und mein Lieb – hier ruhen wir schweigend – Und vor uns wallt die drückende Nacht. Bis sich zwei schöne Gedanken begegnen, – Dann löst sich der bleierne Wolkenhang. Goldene, sprühende Funken regnen Und füllen die Welt mit lustigem Klang. Ein trüber Nebel ist uns zerronnen. Ich lege meine in deine Hand. Mir ist, als hätt ich dich neu gewonnen. – – Und vor uns schimmert ein goldenes Land.
Arbeit Ist es unrecht, die Arbeit zu lieben? Warum sind sie aus dem Paradies vertrieben? Jeder weiß es. »Im Angesicht deines Schweißes ...« – Nein anders: »Im Schweiß deines Angesichts Sollst du dein Brot ...«, heißt es dort. – Wie? Wunderlich! – Schweiß ist doch Arbeit. – Ist die Arbeit Strafe des Höchsten Gerichts? Geh, Exegesel, tu deine Pflicht, Ohne daß du Verbotenstes frißt, Und mit dem Verstande suche nicht, Was dein Gewissen viel besser ermißt.
Mode lebt und Leben modelt, Und so haben beide Sinn.
Nachtgalle Weil meine beiden Beine Erfolglos müde sind Und weil ich gerade einsam bin, Wie ein hausierendes Streichholzkind, Setz ich mich in die Anlagen hin Und weine. Nun hab ich lange geweint. Es wird schon Nacht; und mir scheint, Der liebe Gott sei beschäftigt. Und das Leben ist - - alles, was es nur gibt: Wahn, Krautsalat, Kampf oder Seife. Ich erhebe mich leidlich gekräftigt. Ich weiß eine Zeitungsfrau, die mich liebt. Und ich pfeife. Ein querendes Auto tutet. – Nicht Gold noch Stein waren echt An dem Ring, den ich gestern gefunden. – Die nächtliche Straße blutet Aus tausend Wunden. Und das ist so recht.
Was ist denn Leben? Ein ewiges Zusichnehmen und Vonsichgeben.
Und auf einmal steht es neben dir Und auf einmal merkst du äußerlich: Wieviel Kummer zu dir kam, Wieviel Freundschaft leise von dir wich, Alles Lachen von dir nahm. Fragst verwundert in die Tage. Doch die Tage hallen leer. Dann verkümmert deine Klage ... Du fragst niemanden mehr. Lernst es endlich, dich zu fügen, Von den Sorgen gezähmt. Willst dich selber nicht belügen Und erstickst es, was dich grämt. Sinnlos, arm erscheint das Leben dir, Längst zu lang ausgedehnt. - - Und auf einmal - -: Steht es neben dir, An dich angelehnt - - Was? Das, was du so lang ersehnt.