Marie von Ebner-Eschenbach (1830–1916)

115 Sprüche Romantik

Verwöhnte Kinder sind die unglücklichsten; sie lernen schon in jungen Jahren die Leiden der Tyrannen kennen.

Ebner-Eschenbach, Aphorismen, 1880

Anerzogen ist wie angeklebt, manchmal aber verwächst das Angeklebte.

Ebner-Eschenbach, Aphorismen (in: Österreich in Geschichte und Literatur, Band 18), 1974

Napoleon war ein großer Erzieher. Aus einem Kellner, einem Fechtmeister, einem Schleichhändler, einem Faßbinder hat er die Marschälle Murat, Augereau, Masséna und Ney gemacht.

Ebner-Eschenbach, Aus einem zeitlosen Tagebuch, 1916

Es ist schlimm, wenn zwei Eheleute einander langweilen; viel schlimmer jedoch ist es, wenn nur einer von ihnen den andern langweilt.

Ebner-Eschenbach, Aphorismen, 1880

Soviel die Erde Himmel sein kann, soviel ist sie es in einer glücklichen Ehe.

Ebner-Eschenbach, Aphorismen, 1880

Eine Vernunftehe schließen, heißt in den meisten Fällen, alle seine Vernunft zusammen nehmen, um die wahnsinnigste Handlung zu begehen, die ein Mensch begehen kann.

Ebner-Eschenbach, Aphorismen, 1880

Manche Ehen sind ein Zustand, in dem zwei Leute es weder mit noch ohne einander durch längere Zeit aushalten können.

Ebner-Eschenbach, Aphorismen (in: Sämtliche Werke, Erster Band), 1920

Ehen werden im Himmel geschlossen, aber daß sie gut geraten, darauf wird dort nicht gesehen.

Ebner-Eschenbach, Aphorismen (in: Neue Monatshefte für Dichtkunst und Kritik), 1876

Wenn der Mann das Amt hat und die Frau den Verstand, dann gibt es eine vortreffliche Ehe.

Ebner-Eschenbach, Tagebuchblätter (in: Velhagen Klasings Monatshefte, Bd. 17.1), 1902-03

Jedes brave eheliche Verhältnis endet mit Freundschaft.

Ebner-Eschenbach, Unsühnbar. Erzählung, 1890. 13. Kapitel

Die Leute verheiraten einen Feuerbrand an eine Wachsfigur und predigen dem Ehepaar Liebe und Eintracht.

Ebner-Eschenbach, Aphorismen (in: Österreich in Geschichte und Literatur, Band 18), 1974

Schlimmer noch als eine Tugend ohne Hoffnung ist ein Alter ohne Frieden.

Ebner-Eschenbach, Aphorismen (in: Weisheit des Herzens, hg. von Heinz Rieder), 1958

Nicht leisten können, was andere leisten – du musst dich bescheiden. Nicht mehr leisten können, was du selbst einmal geleistet hast – zum Verzweifeln.

Ebner-Eschenbach, Aphorismen. Parabeln, Märchen und Gedichte (= Gesammelte Schriften, 1. Band), 1893

Alt werden heißt sehend werden.

Ebner-Eschenbach, Aphorismen (in: Die Dioskuren, Band 5), 1876

Das Alter verklärt oder versteinert.

Ebner-Eschenbach, Aphorismen (in: Neue Monatshefte für Dichtkunst und Kritik), 1877

Lacht nur über das Alter, ihr Jungen, ihr lacht nur über eine Vergangenheit, die eure Zukunft ist!

Ebner-Eschenbach, Aphorismen (in: Weisheit des Herzens, hg. von Heinz Rieder), 1958

Das ist das Ärgste, im Alter leiden um einer Jugendtorheit willen.

Ebner-Eschenbach, Das Gemeindekind, 1887

Im hohen Alter, in dem man wirklich das Recht hätte zu sagen: »Ich kann nicht mehr warten«, wie geduldig wird man da!

Ebner-Eschenbach, Aus einem zeitlosen Tagebuch, 1916

Die Jugend ist außerordentlich gut gegen mich, und ich erkenne es mit größter Dankbarkeit an. Manchmal komme ich mir aber doch vor wie der ur-uralte Papagei, den niemand mehr verstand, weil er eine tote Sprache sprach.

Ebner-Eschenbach, Aus einem zeitlosen Tagebuch, 1916

Jung sein ist schön; alt sein ist bequem.

Ebner-Eschenbach, Aphorismen, 1880

Je weiter unsere Erkenntnis Gottes dringt, je weiter weicht Gott vor uns zurück.

Ebner-Eschenbach, Aphorismen. Parabeln, Märchen und Gedichte (= Gesammelte Schriften, 1. Band), 1893