Paul Heyse (1830–1914)

56 Sprüche Romantik

Das wahre Glück kann nichts anderes sein, als sich hinzugeben, ohne sich zu verlieren, weil man sich wiederfindet in etwas Besserem, als man selbst ist.

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Wer beglücken soll, muß selbst des Glückes fähig sein.

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»Verdammlich ist's, nach Glück zu streben; Das Ziel des Menschen ist die Pflicht.« – Allein beglückt es euch denn nicht, Euch euren Pflichten hinzugeben?

Heyse, Spruchbüchlein, 1885

Liebe gibt nur Rechte, wenn sie erwidert wird, aber die bessere Liebe gibt das bessere Recht.

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Liebe ist leuchtend wie das Morgenlicht und schweigsam wie das Grab.

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In alten Tagen Ich glaube in alten Tagen, da liebt ich ein Mägdelein. Mein Herz ist krank und trübe, es mag wohl ein Märchen sein. Ich glaube in alten Tagen, da sonnte sich einer im Glück, war ich's oder war es ein andrer, vergebens sinn ich zurück. Ich glaube in alten Tagen, da sang ich, ich weiß nicht was, hab' ich denn alles vergessen, seitdem sie mich vergaß?

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Seit du nun schweigst… Seit du nun schweigst, sind mir die Dinge stumm. Mit seelenlosen Augen sehn mich an Die liebsten Menschen. Jedes Heiligtum Find' ich verschlossen, poch' ich je daran. Gab deine Stimme doch die Melodie Zu meines Lebens Lied. Du warst das Maß, Das Wert und Unwert meiner Welt verlieh; In dir genoß ich erst, was ich besaß. Nun du mir fehlst, bin ich mir selbst entrückt, Mißklang mein Denken, mein Empfinden Streit. Das Schöne spielt mit mir, das Wahre drückt Dies Herz zusammen, das es sonst befreit. Des Lebens Krone fiel aus meinem Haar, Jedwede Herrschgewalt ist mir entrungen, Und selbst das Lied, das noch mein eigen war, Hat mir der Schmerz tyrannisch abgezwungen.

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Ich saß an einem Tisch von Silber reich. Nie sah ich solchen Aufwand all mein Leben. Drei süße Speisen gab es da zugleich: Zucker und Honig und mein Schatz daneben.

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Mädchenlied Soll ich ihn lieben, Soll ich ihn lassen, Dem sich mein Herz schon heimlich ergab? Soll ich mich üben, Recht ihn zu hassen, Rate mir gut, doch rate nicht ab. Wild ist er freilich, Hastig von Sitten, Keiner begreift es, wie lieb ich ihn hab. Aber so heilig Kann er auch bitten, Rate mir gut, doch rate nicht ab. Reichere könnt' ich, Weisere haben, Gut ist im Leben ein sicherer Stab. Keiner doch gönnt' ich Den wilden Knaben – Rate mir gut, doch rate nicht ab. Laß ich von schlimmer Wahl mich betören, Besser, ich legte mich gleich ins Grab, Klug ist es immer Auf Rat zu hören, Rate mir gut, doch rate nicht ab.

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Das eben ist das Wunder der Liebe: sie will von dem Geliebten lieber mit Füßen getreten, also von ungeliebten Händen geliebkost werden.

Heyse, Kinder der Welt. Roman in sechs Büchern, 1873

Mädchenlieder Der Himmel hat keine Sterne so klar, Das Meer so keine Korallen, Wie mir ein Menschenaugenpaar Und Menschenlippen gefallen. Er wandert unter den Sternen dahin, Er wandert über die Meere, Er geht mir immer durch den Sinn, Dem ich zu eigen gehöre.

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Nie wird ein Weib sich ganz dir weihn, Hat es dir nie was zu verzeihn.

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Das ist unselige Minne, Wenn Weiber das Herz dir rühren, Bei denen Gemüth und Sinne Getrennte Wirtschaft führen.

Heyse, Spruchbüchlein, 1885

Liebe bringt uns um Allerhand: Um Zeit, Geld, Reputation und Verstand. Wer nur mit dem Bankrott nicht endet, Hat nie einträglicher verschwendet.

Heyse, Spruchbüchlein, 1885

In Liebesflammenqual vorm Jahr, Und doch frisch angesengt schon heuer? Das alte Sprichwort lügt fürwahr: Gebrannte Kinder lockt das Feuer.

Heyse, Spruchbüchlein, 1885

Neues Leben Hat dich die Liebe berührt, Still unter lärmenden Volke, Gehst du in goldner Wolke, Sicher von Gott geführt. Nur wie verloren, umher Lässest die Blicke du wandern, Gönnst ihre Freuden den Andern, Trägst nur nach einem Begehr: Scheu in dich selber verzückt, Möchtest du leugnen vergebens, Daß nun die Krone des Lebens, Strahlend die Stirn dir schmückt.

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Wir kommen – niemand weiß, woher? Sind Tropfen nur im Lebensmeer Aus unerschöpftem Grunde. Wir gehen – niemand weiß, wohin? Bemüht um kargen Lohngewinn In brüderlichem Bunde. Aber quäle Dich, o Seele, Nicht im Trüben Nie versiegen Licht und Wärme, wenn wir lieben. Du ew'ge Macht, die unbekannt Die weite Welt so stark umspannt, Daß keiner dir entrinne, Du hältst auch uns im festen Ring; Wer ist so arm, so gar gering, Der nicht sein Teil gewinne? Aus der Ferne Ew'ger Sterne Strömt von drüben Uns hernieder Kraft zu leiden und zu lieben. Wir schaun ins All der Wunderwelt, Darein ein Traum wir sind gestellt, Und wissen's nicht zu deuten, Vom Morgen- bis zum Abendrot, Und balde kommt der Glöckner Tod, Die Nachtruh' einzuläuten. Weh und Wonnen Rasch zerronnen, Nichts geblieben, Als der Trost nur, Daß wir lebten, um zu lieben.

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Zu deinen Augen der Weg wie weit, Zu deinem Herzen der Pfad verschneit, Nur seltne Gedanken zu dir gehn, Ihre Spuren im stäubenden Schnee verwehn, Und die Glut ward kalt, Wie ein Hirtenfeuer im Wald, Die einst so hoch zu lodern sich erkühnt. Und wenn's dem Schnee zu Füßen grünt, Wenn neuer Frühling mich umwittert, Ein weicher Tau an meiner Wimper zittert, Es grünt nicht dir, es taut nicht dir, Weit, weit entfremdet wardst du mir. Nur nächtens manch ein traurig Mal Lawinen sendest du zu Tal Und willst verheeren, was dir entrückt, Und willst zerstören, was mich beglückt. Ich aber geb' in freudigem Mut Meinen jungen Lenz in der Liebe Hut.

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Sie schreibt Ach, warum von Land und Leuten Schreibst du mir aus deiner Ferne, Wie Gebirg und See dich freuten Und wie golden dort die Sterne! Liebesbriefe will ich lesen, Immer nur das selig Eine, Daß du mein gedenk gewesen, Daß du mein und daß ich deine. Ach, und tauchst an hellen Tagen Du aus deinen Kümmernissen, Sollst du mir es nimmer sagen, Denn ich will dich heiter wissen. Aber nicht dem fremden Neuen Dank es, nicht der fernen Sonne, Daß sie dein Gemüt zerstreuen Und dir spenden frische Wonne. Laß mich glauben, daß der Grüße Zauber, die ich zu dir sende, So das Leben dir versüße, Wie dereinst ein Druck der Hände. Daß mir, auch von dir geschieden, Jene stille Macht verbliebe Und du alle deinen Frieden Nur gewinnst durch meine Liebe!

Heyse, P., Gedichte. Margarete

Sei vernünftig und spare deine Kräfte; das Leben ist lang, und oft ist es mühselig, und die Wege sind nicht immer eben. Aber ein festes Herz hilft ans Ziel.

Heyse, Judith Stern. Novelle, 1875

Das Leben verwandelt uns wunderbar, und wenn wir die Tage nur machen lassen, und uns nicht selbst gegen ihre Macht verstocken, – es werden Dinge möglich, die wir vor Jahr und Tag nicht zu denken vermocht haben, und manches beglückt uns einst, was wir erst mit Abscheu von uns gewiesen haben.

Heyse, Nerina, 1875