Sophokles
Keinen Eingebornen Preiset als zum Glück Erkornen, Bis er ohne Leid und Klagen Seinen letzten Tag ertragen, Bis zum Ziele seines Strebens Er gelangt und seines Lebens.
Des Glückes Welle hebt, die Welle stürzt den Hohen und den Niederen immerzu; kein Seher weiß, wann sie zur Ruhe kommt.
Nie waltet Im Leben das Glück lauter und frei von Unheil.
Doch bleibt vom Glanz bräutlichen Blicks mächtig erweckt, siegreich der Liebestrieb, der im Rat beisitzt den großen Ursatzungen. Denn allmächtig ist Aphrodites Lockung.
Ich wurde nicht geboren um zu hassen, sondern um zu lieben.
Doch hinfort und alle Zukunft wie vor alters dauert das Gesetz: Keines Menschen Leben erfüllt sich frei von Unheil.
In Unbewußtheit leben ist das Süßeste, bis man erkennt, was Freude sei, was Schmerz.
Viele, heute befreundet, sind uns morgen Feind.
Der Freundschaft Hafen trügt nur allzu oft.
Es welket der Erde Kraft, des Leibes Stärke, Die Treue stirbt, Untreue wuchert auf; Unwandelbar ist auch die Freundschaft nicht, Nicht zwischen Männern und zwischen Völkern, Was heute gefällt, ist morgen widerwärtig; Der eine preiset, was der andere tadelt. Es kommt der Tag, wo fest verschlungne Hände Um leichten Vorwand auseinander fahren Und nach dem Schwerte greifen.
Welcher Schmerz Kann tiefer uns verwunden, als ein schlechter Freund?
Es ist ein schlimmes Schicksal, wissend sein, Wo unser Wissen keinen Dank gewinnt.