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26202 Sprüche gefunden
Beständigkeit im Wechsel Ein Pfeil nur, sagst du, kann verwunden Und wer berührt von ihm, den Strahl So recht in tiefster Brust empfunden, Der liebe nicht zum zweitenmal? – Seht ihr denn nicht, in jedem Lenze Erwacht ein ganzes Blumenreich, Und allwärts schmücken frische Kränze, Die Flur, die erst vom Winter bleich. Der Baum treibt seine Blätterwonne, Es glänzt das Laub, es schwillt die Frucht; Er hat des neuen Frühlings Sonne, Sie ihn mit gleicher Brunst gesucht. Drum schmäht nicht, wenn in holdem Triebe Das Herz sich fühlt erfrischt und neu; Wie die Natur blieb es der Liebe, Wenn auch nicht dem Geliebten treu! –
Hüte dich, Mensch, daß sie dich nicht lieben wie ein schönes Tier, nicht aus Liebe, sondern aus Habsucht.
Ich frage dein Herz nicht, ob es schuldig ist. Ich weiß nur, ich liebe dich, was du auch bist.
Und wenn man am Rande des Grabes steht und sich umwendet, um hinter sich zu blicken, so sagt man sich: "Ich habe oft gelitten, ich habe mich bisweilen getäuscht, aber – ich habe geliebt!"
Was ist die Liebe denn nur, wenn sie uns sogar dazu bringt, daß wir uns nach den Gefahren zurücksehnen, denen sie uns aussetzt; wenn man vor allem fürchten muß, sie selbst dann noch zu empfinden, wenn man sie nicht mehr einflößt.
Liebe Tief und tiefer: seliges Geben, bang Empfangen – welch Verschulden! Schwellend wühlt sich Leben in Leben: wildes Wachsen, stilles Dulden.
Wenn man eine Frau liebt, so fragt man sich: Was will ich von ihr? Aber wieviel Vorsicht ist nötig, um nicht zu lügen?
Frauenliebe Frauenliebe ist die Quell' im Thale, Die, ob festes Eis sie noch umschließt, Bei dem ersten warmen Sonnenstrahle Wieder reicher wallend sich ergießt. Frauenlieb' ist gleich dem Rosenstrauche; Ob ihm Nord und Sturm die Blüten raubt, Bei dem ersten warmen Frühlingshauche Hebt aufs neu' erblühend er das Haupt. Frauenlieb' ist gleich dem Abendsterne, Scheint vergebens er auch tausendmal, Ruhig harrt er in der blauen Ferne, Bis ein liebend Aug' erkennt den Strahl.
Der Mensch, der die Gewalt besaß, uns glauben und lieben zu machen, bleibt zutiefst in uns der königliche Mensch, auch noch als späterer Gegner.
Ja, einmal nimmt der Mensch von seinen Tagen Im voraus schon des Glückes Zinsen ein, Und spricht: Ich will den Kranz der Freude tragen, Mag, was darauf folgt, nur noch Asche sein. Die vollen Becher! Laß uns alles wagen! Ja einmal will ich auf den Mittagshöh'n Des Lebens stehn und dann am Ende sagen: Wie war es doch so schön! Wie war der Traum so schön! Da wir uns liebten, Da blühten Rosen um den Trauerzug; Im Schaum der Tage, die sonst leer zerstiebten, War eine Perle, reich und stolz genug. Ich will den Arm um deinen Nacken schlingen, Und durch die Ferne der Erinnrung tön': Kann keine Zeit das Glück uns wiederbringen – Wie war es doch so schön!
Mit keinen sonstigen Begriffen des Lebens wird so viel Missbrauch getrieben wie mit denen der Freundschaft und Liebe.
Die Liebe selbst ist niemals ein Mißverständnis, nur stößt oder verwundet sie sich leicht an den Mißverständnissen des Lebens und der Wirklichkeit.
Liebesschauder Unter einer Trauerweide, Vor dem Tor im Sternenschein Flüstern, von der Mailuft trunken, In ihr süßes Glück versunken, Junggesell' und Mägdelein. Unterm Gras ruht ein Vergess'ner, Von den Wurzeln treu bewacht. Ruhig schaun die tiefen, dunklen Augenhöhlen in das Funkeln Einer seligen Liebesnacht. Was verstummt das traute Lispeln? Kam ein Schauder jenen Zwei'n, Daß auf einem Grab sie küssen, In der Jugend Vollgenüssen, In dem Kreis des Todes sei'n?
Bei einem beinah alten Mann Bei einem beinah alten Mann Meldete sich klein Amor an (Ein Mädchen wars in einer Hosenrolle). Der Überraschte fragte, was er wolle. "Dich prüfen will ich", sprach das liebe Ding (Halb Gassenbub, halb Schmetterling), "Ob du noch brennen kannst" und küßt ihn so, Daß augenblicks er Feuer fing. Darüber war der Mann natürlich froh. Denn allzulange war er wie ein Besen, Zwar dürr, doch ohne Glut gewesen. Wie aber dann der Kleine wieder ging, Da trat herein zur Türe groß Madam Vernunft, setzt schwer sich auf den Schoß Noch warm von Amors Hinterteilchen Und sprach: Herr Lichterloh, glaubt nicht dem Mädel, Das jetzt zu Euch in Amors Maske kam Und augenblicks Besitz von Euerm Schädel, Von Euerm Torenschädel nahm, Denn es vertrieb sich bloß ein Langeweilchen. Da bot der Mann Madam Vernunft den Arm Und führte sie zur Tür und sprach: "Au revoir, Ihr sprecht wahrscheinlich wie gewöhnlich wahr, Doch allzukühle, und ich bin von Herzen Froh, daß mir endlich wieder einmal warm Zumute ist. Der Liebe helle Kerzen Lösch ich nicht aus. Wer weiß, wie bald ein Wind Sie niederweht und ich im Finstern träume Von hellen Kerzen, die erloschen sind."
Ach das ist eben das Unglück der Menschen, daß sie einen solchen Unterschied zwischen Liebe und Freundschaft machen, als könnte man je etwas anderes oder Höheres oder Schöneres als die Seele lieben.
Die Liebe Liebe darff nicht lernen mahlen, weil sie nicht die Farbe kennt, Weil sie blaues oft für rothes und für weisses schwartzes nennt.
Ein Leben, dem das Liebste fehlt, Zerfliegt wie flücht'ger Atemzug.
Die Liebe lebt von Idealen, aber sie stirbt auch daran.