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48. Es liegt der heiße Sommer Auf deinen Wängelein; Es liegt der Winter, der kalte, In deinem Herzchen klein. Das wird sich bei dir ändern, Du Vielgeliebte mein! Der Winter wird auf den Wangen, Der Sommer im Herzen sein.

Heine, H., Gedichte. Buch der Lieder, 1827

Mehr als mich wirst du die Erinnerung lieben, wenn das lebendige Bild hinter den Schleier entweicht, wenn nur der schwebende Hauch verwehender Worte geblieben, wenn dich der letzte Sinn versunkener Blicke erreicht. Dann werd ich ganz dein alterndes Leben umschließen, Einsamster unter den Menschen, daß nie deine Seele verdirbt. All meine inneren Quellen, die heut noch verborgen dir fließen, münden gestillt in dein Herz, und alles Leiden stirbt.

Liebenthal, Gedichte, 1921

O, allmächtige Liebe! die auf gewisse Weise das Vieh zum Menschen macht, und auf andre den Menschen zum Vieh!

Shakespeare, Die lustigen Weiber von Windsor (The Merry Wives of Windsor), unautorisierter Erstdruck 1602. Fünfter Aufzug, vierte Szene, Falstaff

Imaginärer Lebenslauf Erst eine Kindheit, grenzenlos und ohne Verzicht und Ziel. O unbewußte Lust. Auf einmal Schrecken, Schranken, Schule, Frohne und Absturz in Versuchung und Verlust. Trotz. Der Gebogene wird selber Bieger und rächt sich an anderen, daß er erlag. Geliebt, gefürchtet, Retter, Ringer, Sieger und Überwinder, Schlag auf Schlag. Und dann allein im Weiten, Leichten, Kalten. Doch tief in der errichteten Gestalt ein Atemholen nach dem Ersten, Alten … Da stürzte Gott aus seinem Hinterhalt.

Rilke, Die Gedichte. Nach der von Ernst Zinn besorgten Edition der sämtlichen Werke, Insel Verlag 1957. Gedichte 1906 bis 1926. Vollendetes

Versuch es Stell Dich mitten in den Regen, glaube an den Tropfensegen, spinn Dich in dies Rauschen ein und versuche, gut zu sein! Stell Dich mitten in den Wind, glaub an ihn und sei ein Kind – laß den Sturm in Dich hinein und versuche, gut zu sein! Stell Dich mitten in das Feuer – liebe dieses Ungeheuer in des Herzens rotem Wein und versuche, gut zu sein!

Borchert-Gesamtausgabe, hg. vom Rowohlt Verlag und der Hamburgischen Bücherei, 1949

Nach allem, was ich jemals las Und jemals hört' in Sagen und Geschichten, Rann nie der Strom der treuen Liebe sanft […].

Shakespeare, Ein Sommernachtstraum (A Midsummer Night’s Dream), Erstdruck 1600. 1. Akt, 1. Szene, Lysander

XXIII Wie auf der Szene oft ein Dilettant, durch Schüchternheit gehemmt in seinem Spiel; wie der, der rast, vom Wüten übermannt, durch Übermaß geschwächt wird vor dem Ziel: ganz so verfehle ich, von Angst beklommen, zu tun, was Liebessitte sonst begründet, und alle Leidenschaft erscheint verglommen, weil sie zu heftig in mir angezündet. Drum soll mein Lied für meine Liebe zeugen und leise künden meinen lauten Drang, den schüchtern meine Lippe muß verschweigen, der mancher kühne Ausdruck doch gelang. O laß, was stumme Liebe schrieb, gewähren: sie wird dich lehren, mit dem Aug zu hören.

Shakespeare, Sonette (Sonnets), 1609. Übersetzt von Karl Kraus, 1933

LVII Dein Sklave bin ich, harrend der Befehle, und deinem Winke folg ich unbedingt, und keinen andern Dienst ich mir erwähle als dir zu dienen, wenn du nur gewinkt. Verspätet sich der Wink, will ich nicht schelten, ob mir die Uhr auch allzu langsam ging, und Trennungsweh laß ich dich nicht entgelten, wenn ich verschwinden muß auf deinen Wink. Ich suche nicht mit eifersücht’gem Sinn mich in dein Tun und Wollen zu vergraben – doch denk ich an die andern, die Gewinn von deiner holden Gegenwart nun haben. Ein solcher Sklav ist Liebe: ihr ist’s Pflicht, was du auch tust, zu sehn im hellsten Licht.

Shakespeare, Sonette (Sonnets), 1609. Übersetzt von Karl Kraus, 1933

So lieb ich dich, und darf mich nicht beklagen: was Liebe einträgt, hat sie zu ertragen.

Shakespeare, Sonette (Sonnets), 1609. Aus: Sonett LXXXVIII. Übersetzt von Karl Kraus, 1933

Mag, wer zu prahlen liebt, mit Liebe prahlen; ich will nicht preisen, was nicht zu bezahlen.

Shakespeare, Sonette (Sonnets), 1609. Aus: Sonett XXI. Übersetzt von Karl Kraus, 1933

Gedanke, der in Todestrauer führt: zu denken, daß man hat, was man verliert!

Shakespeare, Sonette (Sonnets), 1609. Aus: Sonett LXIV. Übersetzt von Karl Kraus, 1933

Ines II. Und ob wir beide hier uns ewig quälen mit unserm blinden Fern- und Nahesein und doch nie wir, nur Trinker ohne Wein, die atemlos den Rest der Stunden zählen. Und ob wir täglich wieder uns erwählen, dass du in meine Seele dringest ein und ich in dich – und sind uns ewiges Nein! – Was soll dies stets verströmende Vermählen? Doch will mir sein: Aus diesem Nicht-Ergreifen tönt eine Stunde an, die uns errettet, und ob wir noch so sehr aus uns gerissen. Mit jedem Abschied wir uns näher reifen. O tief und innig sind wir hingebettet in dieses leise Voneinander-Wissen

Stamm, Der Aufbruch des Herzens. Gedichte, 1919

An die Liebe Alle suchen sie dich und überall lockst du. Aus tausend Verhüllungen schimmert dein unenträtselt Gesicht. Aber wenigen nur gewährst du Erfüllung, selige Tage, reines Glück. Zärtlich wehn dich die Blumen, die scheuen Gräser, der Schmetterlinge heiterer Flug, wilder der Wind und das ewig sich wandelnde Meer. Wunderbar strahlst du aus den Augen des Menschen, der ein Geliebtes in seinen Armen hält, vom tönenden Sternenhimmel überwölbt. In die zitternde Seele schweben Schauer von Leben und Tod.

Stoecklin, Die singende Muschel, 1925

Damit Liebe entstehen kann, muss notwendig Glaube vorangehen.

Melanchthon, Loci praecipui theologici, 1559. Übers. Internet Originaltext: Ut igitur dilectio oriatur, necesse est praecedere fidem.

Minne, du lehrst auch betrübte Menschen, mit strahlenden Augen zu lachen.

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Liebe ist die Freude, die zwei Herzen miteinander teilen.

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Liebe ohne Gegenliebe ist eine Frage ohne Antwort.

Simrock (Hg.), Die deutschen Sprichwörter (= Die deutschen Volksbücher, Bd. 5), 1846

Wo die Liebe hinfällt, da bleibt sie liegen und wär' es ein Misthaufen.

Simrock (Hg.), Die deutschen Sprichwörter (= Die deutschen Volksbücher, Bd. 5), 1846

Im gemeinen Leben heißt oft die Epilepsie das böse Wesen. Was wäre das gute Wesen? Jemand glaubt, man könne den epileptischen Zuckungen im Paroxysmus der gekrönten Liebe diesen Namen geben.

Lichtenberg, Sudelbuch L, 1796-1799

Die Liebe macht gleichgültig gegen Ruhm und Glanz, allein gegen die Menschlichkeit nicht.

Hippel, Lebensläufe nach aufsteigender Linie nebst Beylagen A, B, C, 1778-81

Die Liebe ist stark Getränk für die Seele. Sie betrinkt sich in ihr, und Verliebten geht's kein Haar besser als Leuten, die ein Gläschen über den Durst getrunken haben.

Hippel, Lebensläufe nach aufsteigender Linie nebst Beylagen A, B, C, 1778-81