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26202 Sprüche gefunden

Wir leiden unter dem Leben, weil wir nicht mit ihm fertig werden können. So ist eine ewige Unruhe in uns, ein verzehrendes Feuer, das Verlangen nach einem ganz anderen, neuen Menschensein.

Wille (Hg.), Lebensweisheit. Eine Deutung unseres Daseins in Aussprüchen führender Geister, von Bruno Wille, 1913

Leben ist dem leicht, der nicht weiß, oder der vergißt sorglos, was vergangen, und was zu erwarten ist. Nach des Täters Hingang bleiben seine Taten stehn eine Zeitlang, um nach ihm von hinnen auch zu gehn.

Rückert (Übers.), Hamâsa oder die ältesten arabischen Volkslieder, gesammelt von Abu Temmâm, übersetzt und erläutert von Friedrich Rückert, 2 Bde., 1846

Das Leben ist kurz, wenn es diesen Namen verdient nur, insofern es angenehm ist; denn wenn man alle die Stunden, welche man auf angenehme Weise zubringt, zusammenstellte, so würde man aus einer großen Anzahl von Jahren kaum ein Leben von einigen Monaten zusammenbringen.

La Bruyère, Die Charaktere oder Die Sitten im Zeitalter Ludwigs XIV. (Les Caractères de Théophraste, traduits du grec, avec les caractères ou les mœurs de ce siècle), 1688. Von dem Herzen. Übersetzt von Karl Eitner

Betrübe dich nicht über das was außer dir vorgeht! Die Menschen sind nicht anders gegen einander, im Großen wie im Kleinen.

Goethe, J. W., Briefe. An Christiane Vulpius, 5. August 1798

Schreitet ins Leben zurück! Nehmet den heiligen Ernst mit hinaus, denn der Ernst, der heilige, macht allein das Leben zur Ewigkeit.

Goethe, Wilhelm Meisters Lehrjahre, 1795/6. 8. Buch, 8. Kap., 4 Jünglinge singend

Jede neue Lage (und wär's nur ein Stubenwechsel) ist stärkende frische Luft; wir fahren und graben sonst unser Gleis und unsern Hohlweg so tief ein, daß wir enge drin stecken, ohne Himmel und Erde zu sehen.

Jean Paul, Briefe. An Wernlein, 9. bis 11. August 1790

Ich bin mir selbst ein unbekanntes Land und jedes Jahr entdeck ich neue Stege. Bald wandr' ich hin durch meilenweiten Sand und bald durch blütenquellende Gehege. So oft mein Ziel im Dunkel mir entschwand, verriet ein neuer Stern mir neue Wege.

Morgenstern, Epigramme und Sprüche, 1922 (posthum)

Statt nach alter Gewohnheit nur immer zu fragen: was ist das Leben wert, nämlichunswert? lautet heute die Frage geziemender, stolzer sowohl wie bescheidener: was sindwirdem Leben wert?

Dehmel, Der Mitmensch. Tragikomödie von Richard Dehmel. Nebst einer Abhandlung über Tragik und Drama (in: Gesammelte Werke in zehn Bänden, Bd. 9), 1909. Tragik und Drama. Fünftes Kapitel

Lohnt es sich nach alledem noch, zu leben? Doch lebt man – aus Neugier; man erwartet etwas Neues … Es ist lächerlich und ärgerlich!

Lermontow, Ein Held unserer Zeit, 1840

Die einzige Aufforderung, zu welcher der Gedanke an den Tod uns führen sollte, wäre die, das Leben mit dem höchsten Inhalt zu füllen, jedem Augenblick den edelsten Wert zu verleihen.

Meysenbug, Der Lebensabend einer Idealistin, 1898

Das ist der Sinn der schweren Wege, daß sie uns zum Eigenwerden zwingen wollen.

Merian (Hg.), Leuchte. 366 Gedanken und Gedichte deutscher Denker und Dichter, Gerhard Merian, um 1922

Wir lernen unser Leben durch seine Wirkungen kennen.

Merian (Hg.), Leuchte. 366 Gedanken und Gedichte deutscher Denker und Dichter, Gerhard Merian, um 1922

Ich sehe diese entsetzlichen Weiten des Weltalls, die mich einschließen, und ich finde mich an einem Winkel dieses gewaltigen Raums gefesselt, ohne daß ich weiß, warum ich an diesem Ort und nicht vielmehr an einen anderen gestellt bin und warum die kurze Frist, die mir zu leben gegeben ist; mir gerade zu diesem Zeitpunkt und nicht vielmehr zu einem anderen der ganzen Ewigkeit, die auf mich folgt, bestimmt ist. Ich sehe überall nur Unendlichkeiten, die mich wie ein Atom und wie einen Schatten einschließen, der nur einen unwiederbringlichen Augenblick lang dauert.

Pascal, Gedanken über die Religion und einige andere Gegenstände (Pensées sur la religion et sur quelques autres sujets), Erstdruck 1669/70 (posthum)

Leben ist ein ständig Streiten, Ist ein ewiges Geschehn. Stille stehn heißt: Rückwärts schreiten, Rückwärtsschreiten untergehn.

Rodenberg, In: Hessisches Jahrbuch, 1854

Diese Begierde, die Pyramide meines Daseins, deren Basis mir angegeben und gegründet ist, so hoch als möglich in die Luft zu spitzen, überwiegt alles andere und läßt kaum augenblickliches Vergessen zu.

Goethe, J. W., Briefe. An Lavater, im September 1780

Wie eine Insel erhebt sich aus unzugänglichen Tiefen der kleine Umkreis des bewußten Lebens.

Dilthey, Von deutscher Dichtung und Musik. Aus den Studien zur Geschichte des deutschen Geistes. Das musikalische Verstehen, hg. von H. Nohl und G. Misch, Leipzig 1932

Ein kleiner Ring Begrenzt unser Leben, Und viele Geschlechter Reihen sich dauernd An ihres Daseins Unendliche Kette.

Goethe, J. W., Gedichte. Ausgabe letzter Hand, 1827. Vermischte Gedichte. Aus: Grenzen der Menschheit

Wie wenig Spur bleibt doch von einer Existenz zurück!

Gutzkow, Vom Baum der Erkenntnis. Denksprüche, 1868

Wir brauchen in der Landschaft unseres Lebens Höhen und Tiefen, wie unbequem sie auch sein mögen, damit unsere Gedanken und Kräfte strömen können.

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Dies Leben ist die Fahrt über ein Meer, bei der wir auf demselben engen Schiffe uns begegnen. Im Tode erreichen wir das Ufer und gehen jeder in seine Welt.

Tagore, Verirrte Vögel (Stray Birds), 1916; hier übersetzt von Helene Meyer-Franck. [242]

Klägliche Narren, die wir sind! Nur einen Augenblick haben wir zu leben und den machen wir uns so schwer wie wir nur können!

Friedrich II. (der Große), Briefe. An Graf Algarotti, 10. März 1760