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26202 Sprüche gefunden

Wir sind ganz traumbefangen, wir sind aus anderm Land, wir halten eine Waage in unsrer rechten Hand. Wir sind sehr stillen Mutes, die Schalen schweben gleich. Das heißt: es rinnt vorüber, macht uns nicht arm noch reich. Wir spähen scharf und forschen, wir wanken nicht vom Ort; darinter rinnen Jahre und rinnt das Leben fort. Doch wird die Schale sinken in einer hellen Nacht, dann kam der Traum ins Träumen, dann sind wir aufgewacht.

Mauthner (Hg.), Nachgelassene Schriften von Walter Calé, hg. von Fritz Mauthner, Berlin 1910

7. Sonnengluthen, Abendschatten Wechselten im alten Gleise, Und auch dir, dem Qualenmatten, Tönt ins Ohr die gleiche Weise: Ging das Gestern, kommt das heute Und am Ende auch das Morgen, Doch in alle drei als Beute Theilen gierig sich die Sorgen. Sonnengluthen, Abendschatten Können nicht von selber enden, Aber dir, den Lebenssatten, Ist's vergönnt, sein Loos zu wenden. Nicht umsonst sei dir gegeben, Was Natur den andern schuldig: Drum so ende du dein Leben, Oder trag es still geduldig!

Holz, Gedichte. Buch der Zeit, Erstdruck 1886. Der Text hier folgt der zweiten, erweiterten Ausgabe 1892. Originaltext. Tagebuchblätter

Das Leben ist ein Berg; solange man hinaufsteigt, sieht man den Gipfel und fühlt sich glücklich. Ist man aber oben, dann erblickt man mit einem Mal den Abgrund und das Ende, nämlich den Tod. Bergauf geht es langsam, doch bergab schnell.

Maupassant, Der schöne Georg: Bel-Ami, 1885

Es ist doch etwas Schönes, Herrliches, Erhabenes um das Leben!

Hoffmann, Lebensansichten des Katers Murr, 2 Bde., 1820/22

Stimmungen Machtlos, ein Grashalm, blick ich manchmal gen oben Zu den Höhen der Menschheit und suche vergebens Klarheit in dem ewigen Brausen und Toben Und den unbegreiflichen Kämpfen des Lebens. Neben mir raschelt der Tod, der lauernd und kalt Unter vermoderten Blättern grinst. – – Meiner Wünsche flehendes Lied verhallt Im Nebelgespinst. Manchmal steh ich, ein Eichbaum, über der Erden, Blicke hinab auf die tausenden Ärmlichkeiten, Folge lächelnd dem endlosen Schwinden und Werden Und der winzigen Menschheit kleinlichem Streiten. Und dann ist mir, als ob ein kraftvoller Tau Morgenkühl meine Adern durchdringt. – – Meine Hoffnung steigt froh ins Wolkenblau, Wo die Lerche singt.

Ringelnatz, J., Gedichte. 1910

Die Kürze "Warum bist du so kurz? liebst du, wie vormals, denn Nun nicht mehr den Gesang? fandst du, als Jüngling, doch In den Tagen der Hoffnung, Wenn du sangest, das Ende nie?" Wie mein Glück, ist mein Lied. – Willst du im Abendrot Froh dich baden? Hinweg ist’s, und die Erd’ ist kalt, Und der Vogel der Nacht schwirrt Unbequem vor das Auge dir.

Hölderlin, F., Gedichte. 1799

Schnadahüpfl Ja de sell, de i möcht, Waar ma heut no ganz g'recht, Aba dös sell is a Frag, Ob i 's moring, ja moring no mag. Muaßt a 's fleißi oschaug'n, Kunnt da leicht was net taug'n, Kunnt di leicht was schiniern – – – Drum muaß ma 's Diandl, ja 's Diandl probiern. Ja a so muaß ma lebn! An jed'n Deckel aufhebn, A jede Schüssel neigspecht, Ja wann ma 's allabest-allabest möcht.

Thoma, L., Gedichte. Gesammelte Werke in sechs Bänden. Band 6, München 1968

An der Forderung, daß das Große ewig sein soll, entzündet sich der furchtbare Kampf der Kultur; denn alles andere, was noch lebt, ruft nein!

Nietzsche, Fünf Vorreden zu fünf ungeschriebenen Büchern, 1872. Über das Pathos der Wahrheit. Originaltext

Das Leben ist etwas Flüssiges. Es ist also kein Wunder, daß sich die Menschen täglich, stündlich, ja augenblicklich verändern. Wenn wir jemanden im höchsten Grad seiner Liebe für uns in Marmor verwandeln könnten! Aber wer wollt es aushalten? Drum laßt's gehn, wie es geht, und schickt euch so gut drein, als ihr könnt.

Heinse, Aus Briefen, Werken, Tagebüchern, hg. von Richard Benz, Stuttgart 1958. IV. Das Spiel des Wesens. Originaltext

Der Eine giebt; der Andere nimmt. Der Eine stirbt; der Andere wird geboren. Wenn die Menschen doch wüßten, daß jeder Geburtstag auch zugleich ein Tag des Sterbens ist!

May, Im Reiche des silbernen Löwen, 4 Bde., 1898-1903. 3. Band, 5. Kapitel, Tifl

Zum Geburtstag Vor achtunddreißig Jahr kam ich ins Elend ein, Gott Lob für Atem, Herz und Gnad' und Vaterpflege! Doch werd' ich recht beschämt, wenn ich es recht erwäge, Schon achtunddreißig Jahr und noch nicht heilig sein. Herr, laß den kleinen Rest der Augenblicke dir Allein ganz unverrückt gewidmet werden; Ich müsse leben dir, sonst nimm mich von der Erden Und laß mich droben tun, was ich nicht kann allhier! Soll Regen, Wind und Sturm in dieser Wüstenei Den abgenützen Rock noch eine Weile schleißen, Wollst du den Geist zu dir ins himmlisch' Wesen reißen, Daß nur, was irdisch heißt, von mir auf Erden sei!

Tersteegen, Geistliches Blumengärtlein, 1729

Es ist unsere Sache, unser Leben zu gestalten.

Ramuz, Adam und Eva (Adam et Eve), 1932, dt. von Werner Johannes Guggenheim, Steinberg Verlag Zürich, 1943

Wir aber, die wir das Leben verteidigen wollen, wir müssen uns sammeln, wir müssen eine Masse bilden, eine aufrührerische Irredenta der Weltfreundschaft gegen die Weltverödung.

Werfel, Zwischen Oben und Unten. Essays, 1946 (posthum). Realismus und Innerlichkeit

Es giebt nichts Einfacheres, aber auch nichts Friedlicheres, als unser Leben.

Motte Fouqué, Resignation. Roman, 1829. Emma an den Geistlichen. Originale Rechtschreibung

Das Leben ist so kurz, und das Gute wirkt so langsam.

Goethe, Die Aufgeregten. Politisches Drama in fünf Akten. Fragment, entstanden 1793, Erstdruck 1817. Vierter Aufzug, siebter Auftritt. Gräfin

Die Philosophen sollen sich klarmachen, dass es nicht auf das Leben an sich ankommt, sondern darauf, dass es gut und glücklich oder besser gesagt, nicht gar zu schlecht und unglücklich verläuft.

Leopardi, Gedanken aus dem Zibaldone (Pensieri di varia filosofia e di bella letteratura (ab 1817)), 1845 (posthum), übersetzt von Ludwig Wolde 1943

Das Lebendige ist zwar in Elemente zerlegt, aber man kann es aus diesen nicht wieder zusammenstellen und beleben.

Goethe, J. W., Theoretische Schriften. Zur Morphologie, 1817. Die Absicht eingeleitet

Dämmerungen Wir leben in den zweien Dämmerungen, Die vor den Tag und vor die Nacht gewebt sind, Und unsre Gnaden sind daraus entsprungen Wie Sterne, die aus unserer Hand geschwebt sind. Auf Erden, die aus unsren Händen schweben, Füllt sich der Nil, der von uns nur gedacht ist. Die Mumienländer wird er dennoch grün beweben Bis an den Memnon, der auf unserer Morgenwacht ist.

Loerke, O., Gedichte. Erstmals ersch. in Fischers "Neuer Rundschau", Februar 1910

Der Pilgrim Noch in meines Lebens Lenze War ich, und ich wandert aus, Und der Jugend frohe Tänze Ließ ich in des Vaters Haus. All mein Erbteil, meine Habe Warf ich fröhlich glaubend hin, Und am leichten Pilgerstabe Zog ich fort mit Kindersinn. Denn mich trieb ein mächtig Hoffen Und ein dunkles Glaubenswort, »Wandle«, riefs, »der Weg ist offen, Immer nach dem Aufgang fort. Bis zu einer goldnen Pforten Du gelangst, da gehst du ein, Denn das Irdische wird dorten Himmlisch unvergänglich sein.« Abend wards und wurde Morgen, Nimmer, nimmer stand ich still, Aber immer bliebs verborgen, Was ich suche, was ich will. Berge lagen mir im Wege, Ströme hemmten meinen Fuß, Über Schlünde baut ich Stege, Brücken durch den wilden Fluß. Und zu eines Stroms Gestaden Kam ich, der nach Morgen floß, Froh vertrauend seinem Faden, Werf ich mich in seinen Schoß. Hin zu einem großen Meere Trieb mich seiner Wellen Spiel, Vor mir liegts in weiter Leere, Näher bin ich nicht dem Ziel. Ach, kein Steg will dahin führen, Ach, der Himmel über mir Will die Erde nie berühren, Und das Dort ist niemals Hier.

Schiller, F., Gedichte. Hier: Erstdruck 1803

Lebensstimmung O wer so recht die süße Kunst begriffe, Allein der schönen Gegenwart zu leben, Bei sanftem Windeshauch auf hohem Schiffe Ein südlich Meer mit Wonne zu durchschweben, Im Traubengarten überm Felsenriffe Beglückter Tage hold Gespinst zu weben, Als hätte nie das Herz in andern Stunden Des Lebens Schmerz und Bitterkeit empfunden! Wer das vermöchte! Wer bei jedem Gruße, Bei jedem Blick der Liebe könnte säumen! Wer es verstünde, stets in sel'ger Muße Sein Lied zu singen unter Blütenbäumen! Ihm würde gern mit leichtem Götterfuße Die Muse nahn in goldnen Dichterträumen, Und eh' er noch um solchen Preis gerungen, Wär' ihm die Stirn vom Lorbeer schon umschlungen. Ich hab' es oft versucht, und oft erglänzte Die Stunde mir, doch war's ein eitles Prangen; Denn wenn ich kaum das Haupt mit Blumen kränzte, Erwachten alte Schuld und altes Bangen; Am Becher, den der Freundschaft Hand kredenzte, Schien eine heiße Träne mir zu hangen, Und wenn ich froh die Saiten angeschlagen, Verhallten sie in sehnsuchtsvollen Klagen. Mir ist die Lust ein Schifflein, das zersplittert, Sobald's aus stiller Bucht hinausgeschwunden, Ein tönern Bild, das über Nacht verwittert, Wie schön es auch mit Rosen war umwunden, Ein Flötenhall, der in der Luft verzittert, Wenn er getönt zwei selige Sekunden, Im Lebenskelch der flücht'ge Kranz des Schaumes, Ein Duft, ein Hauch, der Schatten eines Traumes. Drum richtet nicht zu strenge die Gedichte, Wenn sie euch oftmals nahn im schwarzen Kleide; Nicht alle sind genährt vom frohen Lichte, Nein, viele tränkt' ein Herz mit seinem Leide; Und das bedenkt, dem Menschenangesichte Ist auch die Trän' ein köstliches Geschmeide, Und manchen Schatz, den ihr in Freudenstunden Vergeblich suchtet, hat der Schmerz gefunden.

Geibel, E., Gedichte. Jugendgedichte, zwischen 1834 und 1843 entstanden

Hoffnung und Furcht ist die Lebenskraft, die unser Herz in Bewegung erhält und in jedem Moment der Leidenschaft sollten wir schon auf diese Abwechslung rechnen.

Tieck, Geschichte des Herrn William Lovell. An Rosa, 1795/96 (anonym), hier in der Fassung von 1828. Mortimer an Eduard Burton