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26202 Sprüche gefunden

Das Leben ist kein Geschäft, das Dasein ist eine geistige Gegebenheit.

Nötzel (Hg.), Östliche Weisheit, gesammelt und übersetzt von Karl Nötzel, 1954 (EA: 1946)

Es gibt in der Existenz des Menschen entgegengesetzte Perioden, welche man die Glückszeit und die Unglückszeit des Lebens nennen könnte.

Casanova, Erinnerungen aus galanter Zeit, Wilhelm Borngräber Verlag Neues Leben, Berlin 1912

Aufatmen läßt uns das Lebendige nie. Ja, jene höchsten Momente unserer Existenz, in denen eine ungeheure Freude, ein leidenschaftliches Glück, ein tiefstes Ungestüm unserer Seele uns in aller Nähe zugleich die wundervolle Spiegelung der Ferne, im Gröbsten ewige Gestalt umfangen läßt, sind doch nicht mehr als karge Durchblicke in die wahre Welt statt der wirklichen, die geahnte und still gewußte, statt der handgreiflichen, die klare statt der verworrnen.

Borchardt, Reden. Rede über Hofmannsthal, öffentlich gehalten am 8. September 1902 zu Göttingen. Instaurando Restaurat. Originaltext

Es gibt Lebensumstände, wo es einem beständig ist, als hätte man zu dünne Kleider an, als fahre einem der Wind über die Haut, als friere man. […] Und Häuser gibt es, wo es ist, als wäre da nie ein warmer Ofen, in denen die rechte, trauliche Behaglichkeit nie gesehen wird, keine fröhliche Freundlichkeit aufblüht weder Sommer noch Winter.

Gotthelf, Wie Anne Bäbi Jowäger haushaltet und wie es ihm mit dem Doktern geht, 2 Bde., 1843/44

Freunde! Es gibt glücklichere Zonen Als das Land, worin wir leidlich wohnen, Wie der weitgereiste Wandrer spricht. Aber hatNaturuns viel entzogen, War dieKunstuns freundlich doch gewogen, Unser Herz erwarmt anihremLicht. Will der Lorbeer hier sich nicht gewöhnen, Wird die Myrte unsers Winters Raub, Grünet doch, die Schläfe zu bekrönen, Uns der Rebe muntres Laub.

Schiller, F., Gedichte. Aus: An die Freunde, 1802

Das Leben bedeutet eine fast lückenlose Reihe gemeinsamer Entdeckungen.

Hauptmann, Das gesammelte Werk [Ausgabe letzter Hand zum 80. Geburtstag des Dichters, 15. November 1942], Berlin 1943

So unbedeutend das einzelne Leben auch ist, so erfährt es doch in jedem Augenblick die Rückwirkung der allgemeinen Angelegenheiten.

Ranke, Zur eigenen Lebensgeschichte, hg. von Alfred Dove, 1890. 3. Dictat vom December 1875

Der rechte Gebrauch des Lebens Wer hemmt den Flug der Stunden? Sie rauschen hin Wie Pfeile Gottes! Jeder Sekundenschlag Reißt uns dem Sterbebette näher, Näher dem eisernen Todesschlafe! Dir blüht kein Frühling, wenn du gestorben bist; Dir weht kein Schatten, tönet kein Becherklang; Dir lacht kein süßes Mädchenlächeln, Strömet kein Scherz von des Freundes Lippe! Noch rauscht der schwarze Flügel des Todes nicht! Drum hasch die Freuden, eh sie der Sturm verweht, Die Gott, wie Sonnenschein und Regen, Aus der vergeudenden Urne schüttet! Ein froher Abend, welchen der heitre Scherz Der Freundschaft flügelt, oder das Deckelglas; Ein Kuß auf deines Mädchens Wangen, Oder auf ihren gehobnen Busen; Ein Gang im Grünen, wann du, o Nachtigall, Dein süßes Maylied durch die Gesträuche tönst, Wägt jeden Kranz des Nachruhms nieder, Den sich der Held und der Weise wanden! Der Kuß, den mir die blühende Tochter giebt, Ist süßer, als die Küße der Enkelin, Die sie dem kalten Hügel opfert, Wo ich den eisernen Schlummer schlafe.

Hölty, L., Gedichte. Entstanden 1775

Lang ist gang in gleicher spur: Was ihr denkt und lernt und schafft... Doch des götter-rings verhaft Dauert Einen sommer nur!

George, S., Gedichte. Erstdruck 1951 (posthum). Originaltext

Mag denn Laune, Zufall, Vollenden helfen, was die größte Weisheit Doch nie allein zu Stande bringt. Das Leben Ist ein Gemisch von Freiheit und von Zwang.

Bauernfeld, Der Selbstquäler, 1837. 3. Akt, 1. Szene, Malrepos

Mächtig, selbst wenn eure Sehnen ruhten, Reißt das Leben euch in seine Fluten, Euch die Zeit in ihren Wirbeltanz.

Schiller, F., Gedichte. Aus: Das Ideal und das Leben, 1795 (unter dem Titel »Das Reich der Schatten«, später auch unter dem Titel »Das Reich der Formen«)

Das Leben ist eine Komödie; wer darin nicht mitspielt, dem wird mitgespielt.

Fliegende Blätter, humoristische deutsche Wochenschrift, 1845-1944

Es kommt wohl für jeden eine Stunde, wo er mit Verwunderung vor sich selbst fragt: Wie lebt man nur! Und man lebt doch!

Nietzsche, F., Nachgelassene Fragmente. Wissenschaft und Weisheit im Kampfe, Sommer 1875

Wir leben zugleich in einer doppelten Atmosphäre, in einer sinnlichen und in einer übersinnlichen.

Herwegh, Gedichte und kritische Aufsätze aus den Jahren 1839 und 1840, 1845. Literatur und Volk

Giebst alles du, doch nicht dein Leben, So wisse, du hast nichts gegeben.

Ibsen, Brand. Ein dramatisches Gedicht, 1865. Brand. Originaltext

Daß außer ihren Gegenständen aus einer fernen Vergangenheit auch noch eine Gegenwart um ihn herum vorhanden sei, kam ihm nur äußerst schattenhaft zur Empfindung; für sein Gefühl waren Marmor und Bronze nicht tote Mineralien, vielmehr das einzig wirklich Lebendige, den Zweck und Wert des Menschenlebens zum Ausdruck Bringende.

Jensen, Gradiva. Ein pompejanisches Phantasiestück, 1903

Wir tauchten aus dem Strom, der jenseit fließt, und wo wir eines waren willenlos, und wandeln nun für eine kurze Weile in argen Fesseln unter Raum und Stunden, wir gehen Wege, welche weit getrennt sind, und nur mit Blicken, welche trösten sollen, von fern uns findend – eine kurze Weile, bis daß wir wieder zu dem Strome tauchen und wieder eines sind und willenlos.

Mauthner (Hg.), Nachgelassene Schriften von Walter Calé, hg. von Fritz Mauthner, Berlin 1910

Das Glück noch einmal zu beginnen, wenn dies überhaupt möglich sei.

Zola, Nana, 1880, dt. Erstausgabe 1881

Alles bewegt sich – man könnte sagen, wallende Horizonte.

Zweig, Emile Verhaeren, 1910. Zitiert u. übers. v. Stefan Zweig

Leben ist Lebens Lohn, Gefühl sein ewiger Kampfpreis.

Herder, J. G., Gedichte. Aus: Der Strom des Lebens

Mein Leben liegt im Abendschein Mein Leben liegt im Abendschein, Es sinkt die Sonne tiefer nieder, Und nicht mehr lang, so geh' auch ich Dahin, wo keines kehret wieder. Im Nebel liegt der Kindheit Glück, Der Jungfrau Sehnen ward begraben, Des Weibes heiße Wünsche hab' Zum Teil ich auch dahin getragen. Ein Stern nur, er hält still noch Wacht Mit seinem hellen Zauber-Scheine, Der Stern der Lieb' in seiner Pracht, Ihn hielt ich fest im Herzensschreine. Barmherzigkeit gab ich dazu, Und Nächstenliebe ließ ich walten. So wahrte ich des Herzens Ruh', Und hab' auch frohen Sinn behalten. Und wenn es heißt, jetzt ist es aus, Heut mußt du noch von dannen gehen, So werd' ich sagen: wie du willst, Dein Wille, Herr, er mag geschehen. Nur wahre mir mein Liebstes treu, Ich leg' an deine Brust es nieder; Und wenn dann seine Stunde schlägt, So sehen wir ja doch uns wieder. So senk' dich tiefer Abend nun, Ich hab' mein Teil an Freud und Schmerzen, Ich geh' getrost ans letzte Ziel, Die Liebe wahrend treu im Herzen.

Hyrtl, Gedichte, Wien 1875