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Ich habe meine Blüten und meine Frucht dahingegeben, nun bin ich nur noch ein hohler Stamm, aber wer sich in meinem Schatten niederläßt und auf mich hört, wird weiser werden.

Joubert, Gedanken und Maximen, in: Die französischen Moralisten: Neue Folge. Galiani, Fürst von Ligne, Joubert, Dieterich Verlag 1940. Der Verfasser über sich selbst

Wenn ich nicht Alexander wäre, so würde ich Diogenes sein.

Plutarch, Moralia (Moralische Schriften und Abhandlungen). Vom Glück oder von der Tapferkeit Alexanders. Übersetzt von Joh. Friedr. Sal. Kaltwasser

Arz'neigleich sind die Weisen, Leben spendend, Die Toren sind wie Gift, Verderben sendend. Durch Arznei gewinnt man Schmerzerlösung, Wie aber findet man durch Gift Genesung?

Attar, Pendnameh (Das Buch des guten Rates). Übersetzt von Ferdinand Nesselmann, 1871. Aus: Fünf Dinge, die das Ansehn mehren

In der Tat ist Gott allein vollkommen weise, das heißt mit dem vollkommenen Wissen aller Dinge begabt; aber man kann auch die Menschen als mehr oder minder weise bezeichnen, je nachdem sie von den wichtigsten Dingen mehr oder weniger Wahrheiten erkennen.

Descartes, Die Prinzipien der Philosophie (Principia philosophiae), 1644. Vorrede zur französischen Ausgabe

Die Weisen zu verlachen, das ist das Vorrecht der Toren.

La Bruyère, Die Charaktere oder Die Sitten im Zeitalter Ludwigs XIV. (Les Caractères de Théophraste, traduits du grec, avec les caractères ou les mœurs de ce siècle), 1688

Weisheit Wißt ihr, wer größer noch ist, als die Staatenbeherrscher? – der Weise. Stirbt ein König, so ist schon der Erbthronfolger im Anzug; Stirbt ein Weiser, so ist schwer Seinesgleichen zu finden.

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Die Weisen sagen selten, dies ist nicht möglich; häufiger sagen sie: ich weiß nicht.

Rousseau, Briefe vom Berge (Lettres ecrites de la montagne), 1764. Dritter Brief

Du willst mich Weisheit lehren Und warst selbst nie ein Tor? Lass ab, mich zu bekehren! Nicht findet, wer nichts verlor.

Sirius, Tausend und Ein Gedanken, 1899

Das widerfährt allein dem Weisen, dass er nichts wider Willen tut.

Cicero, Paradoxa Stoicorum (Paradoxe der Stoiker), 46 v. Chr

Weisheit reitet oft auf Eseln und kommt zu spät.

Wander (Hg.), Deutsches Sprichwörter-Lexikon, 5 Bde., 1867-80

Es ist ein schlechter Weiser, der von den Toren nicht verlacht wird.

Fliegende Blätter, humoristische deutsche Wochenschrift, 1845-1944

Den besten Beweis von Weisheit liefert eine ständig gute Geistesstimmung.

Tolstoi, Für alle Tage. Ein Lebensbuch. Erste vollständig autorisierte Übersetzung, hg. von Dr. E. H. Schmitt und Dr. A. Skarva, 2 Bde., Dresden 1906/07

"Wise" ist ein Schimpfwort im Englischen, "he is a wise one" heißt so viel als er ist ein einfältiger Pinsel.

Lichtenberg, Sudelbuch E, 1775-1776. [E 183]

Darin liegt meiner Meinung nach die höchste Anerkennung, die man der Weisheit spenden kann: dass sie unabhängig ist und sich in der Beurteilung dessen, worin das gute und schlechte Leben besteht, von äußerlichen Dingen nicht beeinflussen lässt.

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Der Weise geht auf seinem Wege fort die menschliche Vernunft aufzuklären, und zuckt nur denn die Achseln, wenn andre Narren von dieser Aufklärung als einem letzten Zwecke, als einer Ewigkeit reden.

Herder, Journal meiner Reise im Jahr 1769, entstanden 1769/70; Erstdruck in: E. G. v. Herder, Herders Lebensbild, 1846

Man gehört noch zum Pöbel, so lange man immer auf andere die Schuld schiebt; man ist auf der Bahn der Weisheit, wenn man immer nur sich selber verantwortlich macht; aber der Weise findet niemanden schuldig, weder sich noch andere.

Epiktet, Handbüchlein der Moral (Encheiridion), von Arrian angefertigter Auszug aus den Lehrgesprächen Epiktets, um 125 n. Chr. [5]. Übersetzt von Friedrich Nietzsche

Der Weise sucht nur eins und zwar das höchste Gut. Ein Narr nach vielerlei und Kleinem streben tut.

Silesius, Cherubinischer Wandersmann, 1675

Wenn einer weise ist, sind zwei glücklich.

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Wer mit Muße studiert, weiß, daß er alt wird, fühlt es aber nicht; er ist immer gleichmäßig für seine Studien tauglich.

Joubert, Gedanken und Maximen, in: Die französischen Moralisten: Neue Folge. Galiani, Fürst von Ligne, Joubert, Dieterich Verlag 1940. Über Lebensalter, Leben und Tod

Es ist das Verderben unserer Tage, daß wir, losgelöst vom Göttlichen, alles aus unserer Kraft und Weisheit heraus gestalten, alles uns selbst und nichts der ewigen Gnade verdanken wollen. Es gibt keine neue Weisheit, und der ist der Weiseste, der dies weiß und danach handelt.

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Im ganzen entsteht alles Irren aus der Zerspaltung unseres Wesens, unserer Vermögen. In keinem Momente soll der Mensch ganz Wille, ganz Intelligenz usw., immer soll er ganz Mensch sein. Hier liegt die Differenz aller Philosopheme. Die echte Weisheit ist ein allseitiger Zustand.

Feuchtersleben, Aphorismen (in: Beiträge zur Literatur, Kunst- und Lebens-Theorie), 1837