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Man spricht viel von der Erfahrung des Alters. Das Alter nimmt uns die Torheit und Fehler der Jugend, aber es gibt uns nichts.

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Mancher wird auch für seine Wahrheiten und Siege zu alt; ein zahnloser Mund hat nicht mehr das Recht zu jeder Wahrheit.

Nietzsche, Also sprach Zarathustra. Ein Buch für Alle und Keinen, 1883-1885 (1. vollständige Ausgabe aller Teile 1892). Erster Teil. Die Reden Zarathustras, 1883. Vom freien Tode

Jugend hat viel Herrlichkeit, Alter Seufzen viel und Leid.

Eschenbach, Parzival, 1200-1210

Warum denk' ich: die tiefsten Schmerzensstriche auf unserer Stirn, die Runzeln des Lebens sind nur kleine Linien aus dem ungeheuern Bauriß, den der Weltgeist zieht, unbekümmert, welche Stirnen und Freuden seine Glückslinie schmerzhaft durchschneide?

Jean Paul, Titan, 4 Bde., 1800-1803. Vierter Band. 29. Jobelperiode. 114. Zykel

Wohl dem, dem nicht körperliche Schwäche, nicht Entsagung, sondern Erfahrungsreichtum, Weisheit die Anzeichen des Alters bringen!

Toeche-Mittler, Stimmungsgedanken über Raum und Zeit, 1907

Bleich steht das Feld und reif das Korn, das gelbe, Ganz so wie einst, und doch nicht ganz dasselbe, Ganz so wie einst, Tal, Feld, des Weges Borden, Und doch und doch: Wie viel so fremd geworden! Wie schön der Wald! O, wie bekannt mich schauen Die Wiesen an, die Fluren und die Auen! Und doch und doch! Wie ganz mit andern Mienen, Als hätt' ich nichts zu suchen mehr bei ihnen!

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Die Alten bestimmten die Moral, da sie ihre Triebe zu beherrschen gelernt haben, als sie schwach geworden waren; die Jungen erlauben sich ihr Ausleben und missachten das, was den Alten immer teuer war – die feste Form, die Hierarchie und den Schutz des Erreichten an Besitz, Bildung, gesellschaftlicher Stellung.

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Es wird viel von neuer Zärtlichkeit und einem vertieften Verständnis der eigenen Leiblichkeit gesprochen. Der Leib bleibt bei der Deutung der Personalität jedoch mehr und mehr unberücksichtigt. Nur die drei Prozent, die das menschliche Gehirn vom Körpergewicht ausmacht, zählen noch für die Bestimmung des Menschen. Der Mensch wird als tot angesehen, wenn die Hirnfunktionen aufhören, auch wenn das Herz noch schlägt. Damit haben wir die Wirklichkeit des Leibes auf den Schädelinnenraum reduziert. In den Grenzfragen des Anfangs und des Endes des Lebens findet man immer mehr die Neigung, die Würde und Freiheit der Person allein in den intellektuellen Funktionen begründet zu sehen.

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Wer nicht alt werden will, muß früh sterben.

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Es gibt ein Alter, in dem man Sorgen hat, versäumte Sünden nachzuholen.

Wertheimer, Aphorismen. Gedanken und Meinungen, 1896

Alter ist nur geehrt unter der Bedingung, dass es sich selbst verteidigt, seine Rechte behält, sich niemandem unterordnet und bis zum letzten Atemzug die eigene Domäne beherrscht.

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Die schnellste Art, alt zu werden, ist, neue Ideen urteilslos von der Hand zu weisen.

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Die zeigen Ekel der verblühten Rose, Die vor der Knospe knieten.

Shakespeare, Antonius und Cleopatra, Erstdruck 1623

Es ist nichts Tröstlicheres in älteren Jahren, als aufkeimende Talente zu sehen, die eine weite Lebensstrecke auszufüllen versprechen.

Goethe, J. W., Briefe. An Abraham Mendelssohn-Bartholdy, 5. Dezemer 1821

Mit zunehmendem Alter wird man nicht klug, man weiß nur genauer, daß es die anderen auch nicht sind.

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Jetzt glaubt man mehr an Jung- als Altmeister.

Förster (Hg.), Denkwürdigkeiten aus dem Leben von Jean Paul Friedrich Richter. Zur Feier seines hundertjährigen Geburtstages, 4 Bde., 1863. Gedanken 1799

Die Blumen der Freude im Herbst des Alters geruchlos; des Frühlings in der Jugend vielleicht giftig, die der Mitte recht.

Jean Paul, Vorläufige Gedanken, entstanden 1816 (posthum veröffentlicht). VII. Leiden, Alter, Sterben, Tod, Trauer, Sohn

Die grauen Haare und die Runzeln geben dir also keinen hinlänglichen Grund zu glauben, es habe irgend einer lange gelebt: nicht lange gelebt hat er, er ist nur lange dagewesen.

Seneca, Von der Kürze des Lebens (De Brevitate Vitae), um 49 n. Chr. 7. Kapitel. Übers. Otto Apelt (1923) Originaltext: Non est itaque quod quemquam propter canos aut rugas putes diu vixisse: non ille diu vixit, sed diu fuit

Alt zu werden unter jugendlichen Völkern, scheint mir eine Lust, doch alt zu werden, da wo alles alt ist, scheint mir schlimmer, denn alles.

Hölderlin, Hyperion oder der Eremit in Griechenland, 2 Bde., 1797-99. Zweiter Band. Zweites Buch. Hyperion an Bellarmin

Das ist des Alters Los auf Erden, daß alle Rechte zu Pflichten werden.

Heyse, Spruchbüchlein, 1885

Neues will der Edle schaffen und eine neue Tugend. Altes will der Gute, und daß Altes erhalten bleibe.

Nietzsche, Also sprach Zarathustra. Ein Buch für Alle und Keinen, 1883-1885 (1. vollständige Ausgabe aller Teile 1892). Erster Teil. Die Reden Zarathustras, 1883. Vom Baum am Berge