Alter Sprüche

Sprüche über Alter

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Einem bejahrten Manne verdachte man, daß er sich noch um junge Frauenzimmer bemühte. "Es ist das einzige Mittel", versetzte er, "sich zu verjüngen, und das will doch jedermann."

Goethe, Maximen und Reflexionen. Aphorismen und Aufzeichnungen. Nach den Handschriften des Goethe- und Schiller-Archivs hg. von Max Hecker, 1907. Aus den Wahlverwandtschaften, 1809. Aus Ottiliens Tagebuche

Alte Leute halten sich meist gebeugt, und während die Jungen nach oben schauen, richten die Alten den Blick auf die Erde, die sie bald aufnehmen und bergen wird.

Jowkow, Die Hirschkuh

Das Erlebte weiß jeder zu schätzen, am meisten der Denkende und Nachsinnende im Alter; er fühlt mit Zuversicht und Behaglichkeit, daß ihm das niemand rauben kann.

Goethe, Maximen und Reflexionen. Aphorismen und Aufzeichnungen. Nach den Handschriften des Goethe- und Schiller-Archivs hg. von Max Hecker, 1907. Aus den Heften Zur Morphologie, 1. Bandes 4. Heft, 1822

Lebhaftigkeit, die mit dem Alter sich steigert, grenzt an Narrheit.

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Ach, wie prahlt ihr alte Herrn Mit der Fülle eurer Tugend, Und vertauscht sie so gern Mit den Sünden eurer Jugend.

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Aber kein Übel gibt es, das langes Leben nicht mit sich brächte.

Petrarca, F., Briefe. An Stefano Colonna den Alten in Rom

Greise hängen mit zärtlichen Gefühlen an den Erinnerungen ihrer Jugend.

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Erzählen gehört zum Charakter des Greises.

Schopenhauer, Die Welt als Wille und Vorstellung, 1819 (mehrfach ergänzt, seit 1844 in zwei Bänden). Erster Band. Drittes Buch. Die Welt als Vorstellung zweite Betrachtung: Die Vorstellung, unabhängig vom Satze vom Grunde: die Platonische Idee: das Objekt der Kunst

Es ist bei ihm, wie bei einem geschlachteten Opfertier, wenn alles fertig ist: Nichts mehr übrig als Bauch und Zunge.

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Des Lebens Freuden sind vergänglich. Das Hühnerauge bleibt empfänglich, wie dies sich äußert, ist bekannt, krumm wird das Bein und krumm die Hand. Die Augenlider schließen sich, das linke ganz absonderlich. Dagegen öffnet sich der Mund, als wollt er flöten, spitz und rund. Zwar hilft so eine Angstgebärde nicht viel zur Linderung der Beschwerde. Doch ist sie nötig jederzeit zu des Beschauers Heiterkeit.

Busch, Bildergeschichten. Balduin Bählamm, der verhinderte Dichter, 1883

Je älter man wird, desto kleiner erscheinen die menschlichen Dinge samt und sonders: das Leben, welches in der Jugend als fest und stabil vor uns stand, zeigt sich uns jetzt als die rasche Flucht ephemerer Erscheinungen: die Nichtigkeit des Ganzen tritt hervor.

Schopenhauer, Parerga und Paralipomena, 2 Bde., zweite vermehrte Auflage 1862 (EA: 1851). Erster Band. Aphorismen zur Lebensweisheit. Kapitel 6: Vom Unterschiede der Lebensalter

Wer über sein Tages- und Lebenswerk nachdenkt, wenn er am Ende und müde ist, kommt gewöhnlich zu einer melancholischen Betrachtung: Das liegt aber nicht am Tage und am Leben, sondern an der Müdigkeit.

Nietzsche, Morgenröte. Gedanken über die moralischen Vorurteile, 1881

Amor verleiht so spät zärtliche Liebe nicht mehr.

Properz, Elegien (Elegiae)

Auch ein ernstes gottesfürchtig Leben nicht vor Alter schützet, Mit Entrüstung seh' ich, wie schon Graues Haar im Pelz mir sitzet. Ja die Zeit tilgt unbarmherzig, Was der einz'le keck geschaffen – Gegen diesen scharfgezahnten Feind gebricht es uns an Waffen. Und wir fallen ihm zum Opfer, Unbewundert und vergessen; – O ich möchte wütend an der Turmuhr beide Zeiger fressen!

Scheffel, Der Trompeter von Säckingen, 1854

Wer im Müßiggang verzehrt, was er selbst nicht erworben hat, verübt geradezu einen Diebstahl, und ein Rentner, den der Staat für sein untätiges Leben in Form von Zinsen bezahlt, ist in meinen Augen kaum von einem Straßenräuber verschieden, der auf Kosten der Reisenden lebt.

Rousseau, Emil oder über die Erziehung (Émile ou de l'éducation), 1762

Wenn man auch noch so alt wird, so fühlt man doch im Innern sich ganz und gar als denselben, der man war, als man jung, ja, als man noch ein Kind war. Dieses, was unverändert stets ganz dasselbe bleibt und nicht mitaltert, ist eben der Kern unseres Wesens, welcher nicht in der Zeit liegt.

Schopenhauer, Die Welt als Wille und Vorstellung, 1819 (mehrfach ergänzt, seit 1844 in zwei Bänden). Zweiter Band. Ergänzungen zum zweiten Buch. Kapitel 19. Vom Primat des Willens im Selbstbewusstsein

Der Grundunterschied zwischen Jugend und Alter bleibt immer, dass jene das Leben im Prospekt hat, dieses den Tod; dass also jene eine kurze Vergangenheit und lange Zukunft besitzt; dieses umgekehrt.

Schopenhauer, Parerga und Paralipomena, 2 Bde., zweite vermehrte Auflage 1862 (EA: 1851). Erster Band. Aphorismen zur Lebensweisheit. Kapitel 6: Vom Unterschiede der Lebensalter

Der bejahrte Murrkopf, welcher fest glaubt, daß in seiner Jugend die Welt viel ordentlicher und die Menschen besser gewesen wären, ist ein Phantast in Ansehung der Erinnerung.

Kant, Versuch über die Krankheiten des Kopfes, 1764

Im Alter Wie wird nun alles so stille wieder! So war mir's oft in der Kinderzeit, Die Bäche gehen rauschend nieder Durch die dämmernde Einsamkeit, Kaum noch hört man einen Hirten singen, Aus allen Dörfern, Schluchten weit Die Abendglocken herüberklingen, Versunken nun mit Lust und Leid Die Täler, die noch einmal blitzen, Nur hinter dem stillen Walde weit Noch Abendröte an den Bergesspitzen, Wie Morgenrot der Ewigkeit.

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Die Betagten sind nicht die Weisesten, und die Alten verstehen nicht, was das Rechte ist.

Altes Testament. Das Buch Hiob (Ijob) (#Hiob 32,9)

Lied des Alten Bald vergilbt das grüne Gras, Rothe Rosen werden blaß, Und dein Flöten und Schalmei'n, Hirte du, Hirte, wird vergessen sein. Ueber Nacht die Blüthe fällt, Uebers Jahr dein braunes Zelt; Nachtigallenlied verhallt, Und dein Haar, Und dein Haar erbleicht wie bald! Deine Früchte höhlt der Wurm, Deine Linde bricht der Sturm, Deine Liebe freit der Tod: Doch er läßt, Doch er läßt dir deine Noth!

Wilbrandt, A., Gedichte, 1874. Originaltext