Alter Sprüche

Sprüche über Alter

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Im vorgerückten Alter ist die Moral meist gut. Was zu wünschen übrigläßt, ist die Unmoral.

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Wie das Licht schwindet mit der Abnahme des Öls, so das Schicksal mit der Abnahme des menschlichen Tuns.

Böhtlingk (Hg.), Indische Sprüche. Sanskrit und Deutsch, 3 Bde., 1863-65

Herbstgefühl O wär' es bloß der Wange Pracht, Die mit den Jahren flieht! Doch das ist's, was mich traurig macht, Daß auch das Herz verblüht; Daß, wie der Jugend Ruf verhallt, Und wie der Blick sich trübt, Die Brust, die einst so heiß gewallt, Vergißt, wie sie geliebt. Ob von der Lippe dann auch kühn Sich Witz und Scherz ergießt, 's ist nur ein heuchlerisches Grün, Das über Gräbern sprießt. Die Nacht kommt, mit der Nacht der Schmerz Der eitle Flimmer bricht; Nach Tränen sehnt sich unser Herz Und findet Tränen nicht. Wir sind so arm, wir sind so müd, Warum, wir wissen's kaum; Wir fühlen nur, das Herz verblüht, Und alles Glück ist Traum.

Geibel, E., Gedichte. Jugendgedichte. Zweites Buch. Berlin

Alt wird man wohl, wer aber klug?

Goethe, Faust. Der Tragödie zweiter Teil, 1832. 2. Akt, Am obern Peneios. Mephistoteles zu Lamien

Nicht leisten können, was andere leisten – du musst dich bescheiden. Nicht mehr leisten können, was du selbst einmal geleistet hast – zum Verzweifeln.

Ebner-Eschenbach, Aphorismen. Parabeln, Märchen und Gedichte (= Gesammelte Schriften, 1. Band), 1893

Erzeige den Alten viel Ehre und wenn du mit ihnen im Gespräch bist, so führe keine närrischen Reden, das heißt, sprich nicht alles aus, was dir in den Kopf kommt.

Diez (Übers.), Buch des Kabus oder Lehren des persischen Königs Kjekjawus für seinen Sohn Ghilan Schach, 1811. 9. Kapitel: Über den Zustand des Alters und der Jugend

Der Alte verliert eins der größten Menschenrechte: er wird nicht mehr von seinesgleichen beurteilt.

Goethe, Maximen und Reflexionen. Aphorismen und Aufzeichnungen. Nach den Handschriften des Goethe- und Schiller-Archivs hg. von Max Hecker, 1907. Aus Kunst und Altertum, 5. Bandes 3. Heft, 1826

Bei dem Leben wird, wie bei dem Montblanc, nicht das Hinauf-, sondern das Heruntersteigen am schwersten, zumal weil man statt des Gipfels Abgründe sieht​.

Jean Paul, Der Komet oder Nikolaus Marggraf. Eine komische Geschichte, 1820-22 (blieb wegen schwerer Schicksalsschläge nur Fragment). II. Enklave

Alles, was geworden ist, vergeht, und was wächst, altert.

Sallust, Über den Krieg gegen Jugurtha (De bello Iugurthino). 2. Kapitel

Sie welken schnell, die Blumen unsers Lebens, Und wir – wir welken ihnen langsam nach!

Mahlmann, Gedichte. Aus: Sehnsucht

Der Dichter sagt: "Was du in deiner Jugend begehrst, hast du im Alter in Fülle!" Meinte Goethe damit die süßen Schauer deiner ersten idealen Wünsche? Deine träumerischen Hoffnungen auf den Sieg und das Recht der wahren Menschengröße? Mit nichten! – Er meinte, das Alter bringt dir solche Erfüllungen, die dich nicht mehr beglücken. Unter den hochgetürmten Aschehügeln des Alters glimmt und glüht es von weitaus andern Dingen, die du dir, wenn du den Wert, den sie künftig für dich haben sollten, geahnt hättest, in der Jugend viel lieber gewünscht haben würdest.

Gutzkow, Vom Baum der Erkenntnis. Denksprüche, 1868

Alter kommt leise, macht den einen dumm, den andern weise.

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Alt wirst du – wer wirds nicht? - doch wer nimmt, wie du, mit Jahren an Wert und Tugenden zu?

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Verzweifelt, entblättert, zertreten sogar, Von rohen Schicksalsfüßen – Mein Freund, das ist auf Erden das Los Von allem Schönen und Süßen.

Heine, Deutschland. Ein Wintermärchen, 1844

Dreien allein, den Musen, dem Eros und Dionysos, hattest du, fröhlicher Greis, all dein Leben geweiht.

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Wir sagen ›das Leben nehmen‹, während nur Jahre genommen werden.

Jean Paul, Bemerkungen, August 1782

Was einen, wenn man jung ist, als eine Mücke umschwirrte, das wird im Alter zu einer Hornisse.

Raabe, W., Tagebücher und Notizen. 1895-1903

Nicht bloß um graue Locken schwebt die Glorie der innern Befreiung von Eigensucht; die Milde mögt ihr da wohl öfter finden, aber oft nicht mehr jenen lebendigen Feuereifer für die Menschheit.

Auerbach, Sämtliche Schwarzwälder Dorfgeschichten, entstanden 1842-80 (diverse Einzeldrucke), 10 Bde., 1884. Dritter Band. 1. Sträflinge. Ein Sonntagmorgen

Nur die andern merken, wenn wir altern. – Wir meinen immer die gleichen zu sein.

Vogel, Im Zwielicht. Aphorismen, 1946

Alte Leute sehen am Besten in die Ferne.

Simrock (Hg.), Die deutschen Sprichwörter (= Die deutschen Volksbücher, Bd. 5), 1846

Im Alter nimmt nicht die Fülle der Ideen ab, nur die Lust, sie auszusprechen.

Gutzkow, Vom Baum der Erkenntnis. Denksprüche, 1868