Alter Sprüche

Sprüche über Alter

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Die grauen Haare sind nicht immer der Schnee des Alters, sondern öfters auch der Reif der Jugend.

Fliegende Blätter, humoristische deutsche Wochenschrift, 1845-1944

Wer lange lebt, hat viel erfahren, Nichts Neues kann für ihn auf dieser Welt geschehn.

Goethe, Faust. Der Tragödie zweiter Teil, 1832. 2. Akt, Laboratorium, Mephistopheles zu Wagner

In grauen Haaren steckt auch ein guter Hengst.

Simrock (Hg.), Die deutschen Sprichwörter (= Die deutschen Volksbücher, Bd. 5), 1846

Im hohen Alter, in dem man wirklich das Recht hätte zu sagen: »Ich kann nicht mehr warten«, wie geduldig wird man da!

Ebner-Eschenbach, Aus einem zeitlosen Tagebuch, 1916

Die Jugend ist außerordentlich gut gegen mich, und ich erkenne es mit größter Dankbarkeit an. Manchmal komme ich mir aber doch vor wie der ur-uralte Papagei, den niemand mehr verstand, weil er eine tote Sprache sprach.

Ebner-Eschenbach, Aus einem zeitlosen Tagebuch, 1916

Die Wirklichkeit wenig bekannt ist. Der Frühling ist Winters arglistiger Trug, Im Wein steckt nicht Wahrheit noch Rebe, Das Weibergeschlecht ist auch heuttags zu klug, Daß Herz gegen Herze es gebe! Die Jungen sprechen: Verehrter Kollege, Ihr selber nur schwärmt: Ihr schmähet den Lenz, weil Ihr kalt seid, Den goldenen Wein, der Euch nimmer erwärmt, Die Frauen, für die Ihr zu alt seid! Wir beugen ergebenst uns mit Reverenz Vor solcher erhabener Tugend, Doch singen die Liebe, den Wein und den Lenz Wir fürder der fröhlichen Jugend. Ei, lasset's in rüstigern Tagen doch auch, Zu müh'n Euch um Nachwuchs an Jungen; Wenn er einmal abstirbt der löbliche Brauch, So haben wir bald ausgesungen! Der Alte: Ei, merktet ihr denn nicht am zwinkernden Aug', Daß ich euch nur schraubte, ihr Herren, Und anderes besser zu predigen taug' Als wie der Enthaltsamkeit Lehren?! Wenn ringsum die Lande im sonnigen Schein, Dann lasset in fächelnder Lauben Mich sitzen, den funkelnden Römer voll Wein, – Doch sei es ein Trank auch aus Trauben! – Und schafft mir ein Mädchen an Seite, das lacht Zum Kusse von bärtigem Munde, Und wenn mich das alles nicht jung wieder macht, Mögt ihr mich begraben zur Stunde!

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Die Jugend gleicht einem ergötzlichen Traum, das Alter einer beschwerlichen Nachtwache.

Fonseca, Maximen, Gedanken und Betrachtungen, in: Das Ausland. Ein Tageblatt, Kunde des geistigen und sittlichen Lebens der Völker: Brasilianische Literatur, Nr. 215 vom 3. August 1839

Die Jugend spricht vom Alter wie von einem Unglück, das sie nie treffen kann.

Wertheimer, Aphorismen. Gedanken und Meinungen, 1896

Wenn die Erinnrung an die Jugend nicht wäre, so würde man das Alter nicht verspüren, nur, daß man das nicht mehr zu tun vermag, was man ehmals vermochte, macht die Krankheit aus. Denn der Alte ist gewiß ein eben so vollkommnes Geschöpf in seiner Art als der Jüngling.

Lichtenberg, Sudelbuch L, 1796-1799. [L 535]

Alt werden und einsam werden scheint dasselbe, und ganz zuletzt ist man wieder nur mit sich zusammen und macht andre durch unsern Tod einsamer.

Nietzsche, F., Briefe. An Franziska Nietzsche, 21. September 1873

Alter Geschlagen Hat mich das Alter und ich verstehe, Was ich sonst nur obenhin verstand, Wie es gemeint ist, wenn man redet Von müden Greisen. Müde vor allem sind mir die Beine Und nach wenig Morgenbewegung Freu ich mich auf das Mittagsschläfchen. Nicht gelüstet mich's, mitzueilen, Wenn, von Trompetenschmettern gelockt, Nach des festlichen Aufzugs Schauspiel Neugierselig die Menge strömt, Wenn sie am Felsberg atmend aufklimmt, Wo auf dem Gipfel die Rundsicht winkt. Und der Geist, wie steht es um ihn? Müd ist geworden, müd auch er, Müde der Täuschung. Eine nur, eine noch ist geblieben. Nimmer so lang ich noch Atem hole, Nimmer, nimmer schwinde sie mir, Die hohe Täuschung, der wahrheitsvolle, Heilige Wahn, daß Götter leben!

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Selbsttäuschung "Bist geworden älter, Bist geworden kälter!" Sag' ich oft zu mir; "Laß es dich nicht grämen, Nicht den Mut dir lähmen, Kannst ja nicht dafür! Jeder Tag verglühet, Jeder Lenz verblühet, Jede Stimme bricht, Jede flücht'ge Stunde Schlägt uns eine Wunde: Wir nur merken's nicht. Erst wenn tausend bluten, Will es uns gemuten, Daß die Kraft doch litt; Stein und Erz verwittert, Eich' und Zeder splittert, Und wir altern mit." – Das fühl' ich mit Schmerzen Oft so klar im Herzen, Bin so ernst, so still, Daß ich einen Schleier Über meine Leier Scheidend breiten will. – Und doch – wenn ich wieder Hoch von Alpen nieder Ausblick' in die Welt; Wenn ich in das Blaue Schwindelnd aufwärts schaue, Das der Mond erhellt; Wenn aus heil'gen Hallen Orgelklänge schallen, Wenn der Wildbach braust; Wenn die Wolkenfalten Blaue Blitze spalten; Wenn der Hochwald saust; Wenn ich, froher Dinge, Freundesbrust umschlinge, Mensch mit Menschen bin; Wenn's in muntren Kreisen Schallt von kräft'gen Weisen, Dann erwacht mein Sinn. Dann wohl fühl' ich's schlagen Wie in frühern Tagen, Manches meldet sich; Und das Aug' wird heller, Und der Puls wird schneller, und ich fühle mich. Und mir sagt's ein Sehnen: "Laß solch eitles Wähnen; Bist nicht, was du scheinst! Du wardst noch nicht älter, Du wardst noch nicht kälter, Bist noch jung wie einst!"

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Der Greis glaubt, alles zittere, die ganze Natur schleiche auf Krücken.

Wertheimer, Aphorismen. Gedanken und Meinungen, 1896

Ja, je gewisser das Ende ist, desto reizvoller die Minute und desto dringender die Mahnung: Nutze den Tag.

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Sag dich nicht los von der Unterweisung der Alten, denn auch sie haben von ihren Vätern gelernt.

Altes Testament. Das Buch Jesus Sirach (#Sir 8,11)

Die besten Waffen des Alters sind immer [...] die geistigen Güter und die Betätigungen der Tugenden.

Cicero, Cato der Ältere über das Greisenalter (Cato maior de senectute), 44 v. Chr. Übersetzt von Raphael Kühner 1864. Originaltext: Aptissima omnino sunt [...] arma senectutis artes exercitationesque virtutum.

Da ich noch ein Kind war, hört ich stets: der Jugend Führer sei das Alter; beiden sei, nur wenn sie als Verbundne wandeln, Glück beschert.

Goethe, Palaeophron und Neoterpe. Ein Festspiel zur Feier des 24. Oktober 1800, 1800

Du, dieses Jahres Abend, Herbst Sei meines Lebensabends Bild! Wie langsam du den Hain entfärbst, Und deine Sonn' ist frühlingsmild: Es lacht das grünende Gefild Tief im Oktober ohne Frost, Und in der Traube schwillt der Most, Wie in der Brust Begeistrung schwillt.

Rückert, Gedichte. Haus und Jahr. Herbst

Ich beklage einen verliebten Greis, die Leidenschaften der Jugend richten einen verbrauchten und welken Körper furchtbar her.

Vauvenargues, Nachgelassene Maximen, übersetzt von Fritz Schalk, in: Die französischen Moralisten, 1938

Jung sein wollen und nicht mehr können!

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Ich bin ein angehender Greis, der Hoffnung hat, ehrwürdig zu werden. Also nichts zu fürchten.

Nestroy, Lady und Schneider. Posse mit Gesang in zwei Akten, 1849. 2. Akt, 5. Szene, Fuchs