Alter Sprüche – abschied
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Es ist bei ihm, wie bei einem geschlachteten Opfertier, wenn alles fertig ist: Nichts mehr übrig als Bauch und Zunge.
Das Alter trennt uns nach und nach von empfänglichen Menschen, selten kehrt ein Klang und Ton, den man aussendet, lebhaft und ergötzlich zurück.
Mit Schmerzen durfst du auf die Welt; Du weißt nichts mehr davon – Mit Schmerzen mußt du aus der Welt: Du merkst es leider schon!
Es ist eine traurige Stärke des Alters, dass es auf alles verzichten kann.
Man gewinnt keine Freunde mehr im Alter; dann ist jeder Verlust unersetzlich.
Die besten Jahre kommen, wenn die guten fort sind.
Es ist kein Pferd so gut, es wird zuletzt eine Mähre.
Einem Greis Das Haar schneeweiß, Die Wangen so hohl, Bald, bald Lebwohl; Und noch die Stirne so heiß? Dein Schifflein stoßt Schon ins Meer, zum Land Streckst du die Hand Noch, überhangend, um Trost; Um Trost und Genuß, Um Hab und Halt, Und bist schon so alt: »O daß man sterben muß!« Zieh ein die Hand! Den Bück hinaus Ins Meer! nach Haus! Denk an den ewigen Strand! Nicht scheide so schwer; Wenn du rückverlangst Und überhangst, So sinkst du hinab ins Meer.
Eure Rätsel, dichtversponnene Büsche, Bald nun sind sie wieder gelöst, wenn spottend Pfeift der Wind durch die leergeschüttelten Zweige! Wenig seid ihr selbst: doch flochtet ihr flüsternd Ein Geheimnis magisch dämmernder Schatten Um die Triebe schwärmender Sommerpärchen! Satt sind nun die Hungrigen, die ihr hegtet Euer Werk ist getan – und rauh in die Gosse Fegt den dürren Rest das knochige Kehrweib.
Ein alter Mann ist stets ein König Lear! – Was Hand in Hand mitwirkte, stritt, Ist längst vorbeigegangen, Was mit und an dir liebte, litt, Hat sich woanders angehangen; Die Jugend ist um ihretwillen hier, Es wäre törig zu verlangen: Komm, ältele du mit mir.
Wir werden alt, sobald wir aufhören zu lieben und zu vertrauen.
Gut alt werden heißt: Ich habe gelernt zu verlieren.
Mir bleibt genug! Es bleibt Idee und Liebe!
Wie traurig ist das Weinen des Greises! – Nächtlicher Regen, der nicht auf Sonne und klaren Himmel hofft.
Wie schön die Blätter älter werden. Voller Licht und Farbe sind ihre letzten Tage.
Wie viele Schultern ohne Kraft haben sich schwere Lasten aufbürden wollen.
Mancher wird umso bissiger, je mehr ihm die Zähne ausgehen.
Das wäre gut… Ich liebe den Herbst! Meinen eigenen jedoch sehe ich mit gemischten Gefühlen so selbstverständlich davon gehen, so sanft wie die fallenden Blätter und zuvor noch ein paar Stürme erleben, das wäre gut.
Alt werden und einsam werden scheint dasselbe, und ganz zuletzt ist man wieder nur mit sich zusammen und macht andre durch unsern Tod einsamer.
Was ich nunmehr sein werde, das wird nichts als ein halbes Wesen sein, das werde nicht mehr ich sein. Ich schlüpfe mir täglich durch die Finger und entwische mir selbst.
"Was hast du Alter, daß du tanzt?" "Mich lassen die Dämonen nicht los."