Alter Sprüche – abschied

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Das gehört zu den Leiden des Alters: man verliert seine Freunde.

Schopenhauer, A., Briefe. An Ernst Otto Lindner. 3. November 1858

Körperliche Lust nimmt mit der Zeit ab. Schmerzen nehmen zu.

Stendhal, Über die Liebe (De l'Amour), 1822

Die Alten Da haben sie ihr Lebtag sich gequält, Von früh bis spät geschuftet und geschunden. Und, wie der Eingekerkerte die Stunden Die Jahre ihres Arbeitsjochs gezählt. Nun klingt die Glocke endlich: Frieden! Frieden! Und Feierabend! Ihres Käfigs Tor Ist endlich offen und sie stehn davor, Nun ist auch ihnen einmal Ruh' beschieden! Erlösung! Ruh'! Wie sie das langsam schlürfen, Wie sie das kosten werden bis zum Grund, Dies selig süße Nichtmehrsorgendürfen! Nicht mehr sich plagen müssen wie ein Hund! Dies große Glück! … Und ihre Hände schlingen Sich ineinander, und die Augen sprühn … – Da läutet in der Luft ein Sensenklingen – – – Da mäht der Tod sie an der Schwelle hin! Ach, ihres Glückes einzig karge Spende Nach all der Arbeit, Mühe, Sorg und Not War nur, – daß sie, verschlungen Herz und Hände, Gemeinsam gehen durften in den Tod.

de Nora, Gedichte. Hochsommer. Neue Gedichte, 1912

Mit immer größerer Sehnsucht blickt man den Jahren nach, die uns verlassen; durch Erinnerungen winkt man sie zurück – vergebens ... das Pendel hat nur verneinende Bewegungen.

Wertheimer, Aphorismen. Gedanken und Meinungen, 1896

Im Alter Ich bin so müd, so herbstesschwer und möcht am liebsten scheiden gehn. Die Blätter fallen rings umher; wie lange, Herr, soll ich noch stehn? Ich bin nur ein bescheiden Gras, doch eine Ähre trag auch ich, und ob die Sonne mich vergaß, ich wuchs in Dankbarkeit für dich. Ich bin so müd, so herbstesschwer, und möcht am liebsten scheiden gehn, doch brauche ich der Reife mehr, so laß mich, Herr, noch länger stehn. Ich will, wenn sich der Schnitter naht und sammelt Menschengarben ein, nicht unreif zu der Weitersaat für dich und deinen Himmel sein.

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Des Weibes Blätterfall Du frägst, mein Freund, wie sich wohl künden »Das Altern« mag in Seel' und Leib, Was leiden mag und was empfinden, – Beginnt's zu altern erst – das Weib? Noch eh' im Spiegel es gewahr wird, Daß seine Jugend ihm entweicht, Noch eh' es ihm im Herzen klar wird, Daß sich das Alter zu ihm schleicht, Sagt's ihm des Mannes Blick, ich glaube Der nach ihm nimmer gierig langt, Weil – wie die Gais am jungen Laube – Des Mannes Blick an Jugend hangt! Noch ist das Weib von Reiz umstrahlet, Von Kraft und Fülle die Gestalt Wie sich am ersten Herbsttag malet Im Sonnenstrahl der Eichenwald; Doch wie in grüner Blätter Prangen Sich da und dort ein welkes zeigt, Zum Zeichen, daß der Lenz vergangen, Und daß zum Herbst der Sommer neigt: So kündigt sich der Jugend Weichen Beim Weib in leiser Spur schon an! Ein Haar will da und dort erbleichen – Und aus der Reihe fehlt ein Zahn, – Und wenn auch Furchen nicht gegraben Der Jahre Pflug in Stirn und Kinn: Die zarten Farben, die drauf haben Den Lenz gemalt, sie – schwinden hin. ... Doch, was im Lied' ich nicht kann sagen, Weil keinen Reim es dafür giebt: Das Leid ist's, das ein Herz ertragen Muß, das zum letztenmal dann – liebt!

Grünwald-Zerkovitz, Das Gretchen von heute, 1890

Tue dem Greise, was Du willst, daß man Dir tun solle, wenn einst Deiner Scheitel Haar versilbert sein wird! Pflege seiner und verlasse ihn nicht, wenn die wilde, leichtfertige Jugend ihn flieht!

Knigge, Über den Umgang mit Menschen, Erstdruck 1788, hier nach der 3. erweiterten Auflage von 1790. Zweiter Teil, 1. Kapitel, 6.

Ich denke, wie als Knabe, Wenn ich mit andern Knaben Ihr lärmend Spiel ein Weilchen So mitgespielt, auf einmal Zurücktrat überdrüssig, Und sagte: Ich spiele nicht mehr mit. So, wenn ich, alter Knabe Die jungen alten Knaben Mit solchem Lärm und Eifer Ihr Spiel fortspielen seh', Tret' ich zurück mit Lächeln Und sage: Ich spiele nicht mehr mit.

Rückert, Poetisches Tagebuch, 1850-1866 (aus seinem Nachlasse), 1888

Ende Wie matt dein Lieben! Dein Herz wie alt! Die Funken zerstieben, Der Herd wird kalt. In heißen Essen Geschmiedet Glück Nun rostzerfressen – Was blieb zurück? All dein Vollbringen Was hats vollbracht? StandeinGelingen In deiner Macht? Die Götter ließen Dich unverdient Manch Glück genießen – Hast dus gesühnt? Nun Sonnenwende. Der Sommer sank … Nicht klagen ums Ende – Das sei dein Dank.

de Nora, Gedichte. Hochsommer. Neue Gedichte, 1912

Die Frau des Alternden Es ist nicht mehr, wie in den ersten Jahren, Da sie einander liebten, überreich – Ein Frühherbstschimmer, wie der Reif so bleich, Ruht heute schon auf seinen müden Haaren, Doch sie blieb unversehrt und mädchengleich. Und immer noch, wenn sie auf Wiesen gehen, Und sie sich eng an seine Schulter lehnt, Weiß er, daß sie nichts anderes ersehnt, Als dies: mit ihm auf ihren jungen Zehen Durchs Land zu schreiten, das sich blühend dehnt. Da ist sie noch ganz sein – auch in den Nächten, Wenn schwerer Duft von dunkeln Beeten weht. Und seiner Inbrunst, die schon fast Gebet, Begegnet sie im Golde loser Flechten Und gibt ihm reicher, als er selbst erfleht. Doch wenn des Abends einmal Geigen klingen, Und ihr geschmeidig schlanke Tänzer nahn, Da sieht sie ihn so fremd und fragend an, Und plötzlich ist sie voll von fernen Dingen, Wie einem andern Zauber aufgetan. Und wenn sie dann aus schmiegsamen Armen Zu ihm zurückkehrt, der so sehr allein, Hat sie ein Lächeln, heimlich, kühl und fein, Und Blicke voll verschwiegenem Erbarmen Und Worte wie Verzichten und Verzeihn.

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Der Gerührte Ich habe gern verlassen Den lauten Tod der Stadt, Der tausend Fratzen hat, Die gelbe Nacht der Gassen. Ich schreite in den weiten, Silbrigen Himmel ein; Die frommen Glieder gleiten Tief in das sanfte Sein. Ich bin im weißen Leuchten Von Wolke, Wiese, Wind. Bin Baum, bin Dorf, bin Kind ... Wie sich die Augen feuchten. – Bald wird am Silberende Der grüne Abend stehn ... Ich hebe selge Hände – Will ihm entgegengehn –

Lichtenstein, Gedichte und Geschichten, Bd. 1, hg. von Kurt Lubasch, München 1919. Die Gedichte des Kuno Kohn, entst. und Erstdruck 1913

Aus der Beeringsstraße Die Lieder, die mir unter Schmerz und Lust Aus jugendlichem Busen sich befreit, Nachklangen wohl, ich bin es mir bewußt, In Derer Herzen, denen sie geweiht; Sei still, mein Herz, und trage den Verlust, Sie klangen, sie verhallten in der Zeit; Mein Lieben und mein Leben sind verhallt Mit meinen Liedern, um mich ist es kalt. Das Leben hat, der Tod hat mich beraubt, Es fallen Freunde, sterben von mir ab, Es senkt sich tief und tiefer schon mein Haupt, Ich setze träumend weiter meinen Stab, Und wanke, müder, als wohl mancher glaubt, Entgegen meinem Ziele, meinem Grab. Es gibt des Kornes wenig, viel der Spreu: Ich pflückte Blumen, sammelte nur Heu. Das tat ich sonst, das tu ich annoch heute, Ich pflücke Blumen und ich sammle Heu; Botanisieren nennen das die Leute, Und anders es zu nennen trag ich Scheu; So schweift das Menschenkind nach trockner Beute Das Leben und die Welt hindurch, die Reu Ereilet ihn, und, wie er rückwärts schaut, Der Abend sinkt, das Haar ist schon ergraut. So, Bruder, schaudert's mich auf irrer Bahn, Wann düstre Nebel ruhn auf trübem Meer; Beeiste Felsen ruf ich liebend an, Die kalten Massen widerhallen leer; Ich bin in Sprach und Leben ja der Mann, Der jede Sylbe wäget falsch und schwer; Ich kehre heim, so wie ich ausgegangen, Ein Kind, vom greisen Alter schon umfangen. Wann erst der Palme luft'ge Krone wieder In tiefer Bläue schlankgetragen ruht, Aus heitrer Höh die mächt'ge Sonne nieder Zur wonn'gen Erde schaut in reiner Glut, Dann schmiegen sich durchwärmt die starren Glieder Und minder schwer zum Herzen fließt das Blut, Dann möchten auch die düstern Träume weichen Und ich die Hand dir sonder Klage reichen.

Chamisso, Gedichte. Im Sommer 1816

Im Alter "übrigbleiben", wie es die tiefsinnige deutsche Sprache nennt, das ist das Schwerste!

Waldersee, Späne aus stiller Werkstatt. Aphorismen, 1908

Wer am Leben ermüdet, legt eine Forderung nach der anderen beiseite, wie einer, der abreisen will, alles Überflüssige wegwirft.

Ossenbach, Jenseits der Einsamkeit, 1927

Altern − das heißt, sich nicht mehr erneuern.

Keiter, Lebenssprüche und Zeitbetrachtungen, 1910

Die Lebensfrohen haben es eilig, die Welkenden abzustoßen und was krank scheint fallen zu lassen wie lässige Hände eine welke Blume.

Steinmüller, Die Rhapsodien vom verlorenen Königreich, o.J. (um 1920)