Alter Sprüche – klassisch

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Was aber ist im Alter beglückender als das, was in der Jugend am angenehmsten war?

Plinius der Jüngere, Briefe (Epistulae). Buch II, Brief 3: C. Plinius Nepoti Suo S. Übers. Internet Originaltext: Nam quid in senectute felicius, quam quod dulcissimum est in iuventa

Zersticht das Alter dein Gesicht, Und flicht dir Asche in dein Haar, Dornen in deine Lippen – Jugendklar bleibt dein Auge. In deinen Augen springt heilig ein Quell, An dem die dunkle Nymphe singt; Heilig ein Quell, Drinnen Märchenmonde hell funkeln. Wer einen Blick mit dir getauscht, Trägt ihn berauscht von Aug zu Auge. Dein Augenlicht bricht, Wenn auf Erden das letzte Auge versiecht.

Dauthendey, M., Gedichte. Reliquien. Gedichte, 1897

Vor nichts aber muss sich das Alter mehr hüten, als sich Müßiggang und Trägheit zu überlassen; ein üppiges Leben aber – schändlich für jedes Alter – ist gerade für das Alter besonders abstoßend.

Cicero, Von den Pflichten (De officiis), 44 v. Chr. Übers. Internet Originaltext: Nihil autem magis cavendum est senectuti quam ne languori se desidiaeque dedat; luxuria vero cum omni aetati turpis, tum senectuti foedissima est

Übung und Mäßigung aber können auch im Alter etwas von der früheren Stärke bewahren.

Cicero, Cato der Ältere über das Greisenalter (Cato maior de senectute), 44 v. Chr. Übers. Internet Originaltext: Potest igitur exercitatio et temperantia etiam in senectute conservare aliquid pristini roboris

Es ist nicht nur kein Vorwurf, sondern vielmehr der höchste Ruhm des Alters, dass es Vergnügungen nicht mit großer Anstrengung erstrebt.

Cicero, Cato der Ältere über das Greisenalter (Cato maior de senectute), 44 v. Chr. Übers. Internet Originaltext: Non modo vituperatio nulla, sed etiam summa laus senectutis est, quod ea voluptates nullas magno opere desiderat

Nicht einmal Schönheit und Kraft können dich glücklich machen: Nichts davon übersteht das Alter.

Seneca, Briefe an Lucilius (Epistulae morales ad Lucilium), 62 n. Chr. 31. Brief. Übers. Internet Originaltext: Ne forma quidem et vires beatum te facere possunt: nihil horum patitur vetustatem

Die Alte Frau Täglich sitzt sie in Erinnerungen, Ihre Hände auf den Knien verschlungen. Eingesponnen in ihr Traumgewebe, Schaukelnd auf versunkner Zeiten Schwebe. Ihre Quellen haben sich geschlossen, Sind ins Innere zurückgeflossen; Auf dem dunklen Seelenspiegel jagen Sich die Schatten von gelebten Tagen. Immer weht es aus dem Unsichtbaren: Ist sie nicht die Gleiche wie vor Jahren? In dem unterirdischen Verstecke Sprengt ihr frühes Selbst die leichte Decke, Drängt mit ungebrochnen Schmerzgewalten Sich im Bild der Seele zu gestalten. Scheu verschlossne Sehnsuchtstriebe springen, Zitternd, sich aufs neue darzubringen. In dem Sternenglanz der Allmacht spiegelt Sich ihr Sein vollendet und entsiegelt.

Lachmann, H., Gesammelte Gedichte, Potsdam 1919

Wenn dir am Ende des Greisenalters noch Reichtümer übrig sind, sorge dafür, dass du als freigiebigiger, nicht als sparsamer Freund lebst.

Pseudo-Cato, Disticha Catonis. 3.9. Übers. Internet Originaltext: Cum tibi divitiae superent in fine senectae, munificus facito vivas, non parcus amicus

Mit den Alten soll man ratschlagen und mit den Jungen fechten.

Simrock (Hg.), Die deutschen Sprichwörter (= Die deutschen Volksbücher, Bd. 5), 1846

Ergrautes Haar macht die Gemüter mild.

Horaz, Gedichte (Carmina). 3, 14, 25. Übers. Internet Originaltext: Lenit albescens animos capillus

Alles trägt das Alter mit sich fort, auch das Gedächtnis.

Vergil, Eklogen (Eclogae, auch: Bucolica oder Idyllen), ca. 42-39 v. Chr. 9,51. Übers. Internet Originaltext: Omnia fert aetas, animum quoque

In der Kindheit staunt man; im Jünglingsalter ahnt man; als Mann glaubt man, zu wissen; als Greis weiß man, dass man nichts weiß – und wird wieder zum Staunenden.

Peters, Aphorismen, 1931

Tragödie: Man altert auch, wenn man nie jung gewesen ist.

Engel, Herr Adam und Frau Eva. Dritte Folge, 1928

Diejenigen, die Alter als Tugend ansehen, sind alt geworden und machen eine Tugend aus der Notwendigkeit.

Matthewman, Rips and Raps, 1903. Übers. Internet

Werden wir älter, so gehören wir einigen Lebenden und vielen Toten.

Bosshart, Bausteine zu Leben und Zeit, posthum hg. von Elsa Bosshart-Forrer, 1929

Eine Dame sollst du nur nach ihrem Alter fragen, wenn du entweder sehr liebenswürdig oder sehr grob sein willst.

Sirius, Tausend und Ein Gedanken, 1899

Alt ist jedermann von dem Tage an, da er sich nicht mehr bemüht, seine Fehler abzulegen.

Baer-Oberdorf, Wetterleuchten. Aphorismen, 1909