Alter Sprüche – klassisch

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Die echte Konversation Hält weder früh noch Abend Stich; In der Jugend sind wir monoton, Im Alter wiederholt man sich.

Goethe, J. W., Gedichte. Ausgabe letzter Hand. 1827, Zahme Xenien, Kap. 3

Ein vertrockneter Baum weigert sich nicht zu brennen.

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Das Alter, der Mondschein des Lebens, hat keine Gewitter der Leidenschaften; aber unter dem frühern Sonnenschein blitzen sie.

Jean Paul, Vorläufige Gedanken, entstanden 1816 (posthum veröffentlicht). VII. Leiden, Alter, Sterben, Tod, Trauer, Sohn

So wolle Gott Preußen erhalten, mannigfach und doch eins, wie das edle Metall, das aus vielen Metallen zusammengeschmolzen doch nur ein einziges und edles ist, keinem andern Rost unterworfen, als dem verschönernden der Jahrhunderte.

Friedrich Wilhelm IV., Reden. Am 10. September 1840. Gemeint ist die grüne Patina, die edle alte Bronzen überzieht und ihnen einen altertümlichen Reiz verleiht.

Tue dem Greise, was Du willst, daß man Dir tun solle, wenn einst Deiner Scheitel Haar versilbert sein wird! Pflege seiner und verlasse ihn nicht, wenn die wilde, leichtfertige Jugend ihn flieht!

Knigge, Über den Umgang mit Menschen, Erstdruck 1788, hier nach der 3. erweiterten Auflage von 1790. Zweiter Teil, 1. Kapitel, 6.

So viel ich Bücher auch gelesen, So reich einst meines Wissens Schacht, Das Alter hat mit seinem Besen, Vergeßlichkeit, Kehraus gemacht. So blieb von dem, was mein gewesen, Zuletzt nur, was ich selbst gedacht.

Sturm, Neue lyrische Gedichte, 1894. Kehraus

Erst im späten Alter erlangt der Mensch ganz eigentlich das horazische nil admirari, d. h. die unmittelbare, aufrichtige und feste Überzeugung von der Eitelkeit aller Dinge und der Hohlheit aller Herrlichkeiten der Welt: die Chimären sind verschwunden.

Schopenhauer, Parerga und Paralipomena, 2 Bde., zweite vermehrte Auflage 1862 (EA: 1851). Erster Band. Aphorismen zur Lebensweisheit. Kapitel 6: Vom Unterschiede der Lebensalter

Das Alter kann seine Nacktheit nur durch wahren Ruhm bedecken; Ruhm allein ersetzt die in einem langen Leben verbrauchten Gaben.

Vauvenargues, Nachgelassene Maximen, übersetzt von Fritz Schalk, in: Die französischen Moralisten, 1938

Letzter Mensch, denke nicht nach über die lange Welt vor und nach dir; im Universum gibt's kein Alter – die Ewigkeit ist jung – sinke in die Welle, wenn sie kommt, sie versiegt, und nicht du!

Jean Paul, Die wunderbare Gesellschaft in der Neujahrsnacht, 1801

So sieh doch einem Alten etwas nach!

Lessing, Nathan der Weise, 1779; uraufgeführt 1783. 4. Akt, 4. Auftritt, Saladin

Der Alte Ich werde viel älter und Schwermuth und Plage Droht meiner schon sinkenden Hälfte der Tage: Kaum wallet noch weiter mein zögerndes Herz Bei winkenden Freuden, bei lockendem Scherz. Die schmeichelnde Falschheit der lachenden Erben Verheißt mir das Leben und wünschet mein Sterben: Ein fingernder Doctor besalbt mir den Leib: Bald lärmet der Pfarrer, bald predigt mein Weib. Die warnenden Kenner der Wetter und Winde, Die stündlichen Forscher: Wie ich mich befinde? Die thränenden Augen, die keichende Brust Entkräften den Liebreiz, verscheuchen die Lust. Nun soll mich doch einmal mein Leibarzt nicht stören. Verjüngende Freunde, hier trink ich mit Ehren! Weib, Pfarrer und Erben, nur nicht zu genau! Hier frag' ich nicht Pfarrer, nicht Erben, noch Frau. Im Beisein der Alten verstellt sich die Jugend: Sie trinkt nur bei Tropfen, sie durstet vor Tugend; Ich ehrlicher Alter verstelle mich auch, Bezeche den Jüngling und leere den Schlauch. Mein Auge wird heller: wer höret mich keichen? Ich suche der muthigen Jugend zu gleichen; Und will, auch im Alter, bei Freunden und Wein, Kein Tadler der Freuden, kein Sonderling sein.

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Ende Wie matt dein Lieben! Dein Herz wie alt! Die Funken zerstieben, Der Herd wird kalt. In heißen Essen Geschmiedet Glück Nun rostzerfressen – Was blieb zurück? All dein Vollbringen Was hats vollbracht? StandeinGelingen In deiner Macht? Die Götter ließen Dich unverdient Manch Glück genießen – Hast dus gesühnt? Nun Sonnenwende. Der Sommer sank … Nicht klagen ums Ende – Das sei dein Dank.

de Nora, Gedichte. Hochsommer. Neue Gedichte, 1912

In der Antipathie gegen alte Frauen ist viel von der Barbarei früherer Zeitalter, von Zeitaltern, in denen auch die Krankheit als eine Schuld galt […].

Dohm, Werde, die Du bist, 1894

In der Antipathie gegen alte Frauen ist viel von der Barbarei früherer Zeitalter, von Zeitaltern, in denen auch die Krankheit als eine Schuld galt, und wo man die Alten, wenn sie nichts mehr leisteten, einfach ersäufte.

Dohm, Werde, die Du bist, 1894

Bin ich von außen gleichwohl noch recht jung, von innen bin ich hochbetagt.

Rosegger, Die Schriften des Waldschulmeisters, 1875. Erster Teil

Ein alter Mensch hat die ganze Natur zum Feinde.

Casanova, Die Erinnerungen des Giacomo Casanova (Histoire de ma vie, 1793-98), übersetzt von Heinrich Conrad, 6 Bde., 1911. 1. Band, 5. Kapitel

Im Alter, in jener Zeit der Erstarrung, wo man andere Vergnügungen weder zu bieten noch zu empfangen vermag, welch reiche Quelle ist dann die Lectüre und das Nachdenken!

La Mettrie, Der Mensch eine Maschine (L'homme [plus que] machine), 1748. Übersetzt von Adolf Ritter, Verlag Erich Koschny, Berlin 1875

Der Alte Der weisheitvolle Greis, der gegenwärtge Zeiten Hofmeisterlich belehrt, der Freund der Schwierigkeiten, Ist hämisch, mißvergnügt, der Erben Trost und Last, Und hoffet, scherzt und liebt so frostig, als er haßt: Nichts rührt sein schlaffes Herz, als kluge Münzgesetze, Des Reichthums Majestät, die Heiligkeit der Schätze, Die er mit List, mit Furcht, die ihn zum Sklaven macht, Erwuchert, sammlet, zählt, umarmt, versteckt, bewacht, Verehrt, verschont, beseufzt. Scharf, und wie Schiffer pflegen, Sieht er nach Luft und Wind, und wittert Sturm und Regen, Scheut so den kürzesten, als längsten Tag im Jahr, Den Frühling, wie den Herbst, lebt mäßig wie Cornar, Auch eh' ihm noch der Arzt die Hungercur empfiehlet: Bis ihn des Todes Geiz dem schönen Gelde stiehlet.

Hagedorn, F., Gedichte. Epigrammatische Gedichte. Originaltext

Du aus den Händen der Natur, Zu ihrem Ruhm hervorgegangene Schöne! Jetzt singet, auf der arm gewordnen Flur, Nicht mehr die Lerche. Jetzt verlernt die Thöne Selbst deiner Schwester Nachtigall. Sie schweigt In ihrem melancholischen Gehäuse; Tief denkend sitzt sie da – so sitzet oft der Weise, Der Menschenfreund, wenn fremde Noth ihn beugt, Wenn drückend Elend kommt mit jung gewordnen Tagen, Wenn durch das Vaterland die lautgestöhnten Klagen Erschallen allgemein: Dann sitzet traurig er, Verstummt von Schmerz, und blickt umher, Ob aufgeklärtre Tage kommen – Du holdes Mädchen, von zwey Frommen, Im Lande Friedrichs auf die Welt gebracht; Unmuthig siehest du den Bäumen ihre Pracht, Den Blumen ihren Reiz benommen. Der Maulbeerbaum – er stehet blätterlos; Wie liegen unter ihm, die stolz getragne Locken Zerstreut, auf schwarzer Erde Schooß, Den blassen Leichen gleich! O! ihre Sterbeglocken, Die rauhen Winde stürmten um sie her. Wie ist die Reben-Wand von ihrem Schmuck so leer! Nichts grünet mehr in dem beliebten Raume, Wo du Lustwandeln giengst, wo Blumen sich gebückt, Vor deines weissen Kleides Saume, Wann sie dein Angesicht erblickt. So nimmt die Zeit, einst Güter der Natur Dir schönes Kind! Dein Herbst, dein Winter werden kommen Mit räuberischer Hand. Dann wird, wie von der Flur, Der Reiz von dieser Wange weggenommen. Sie lassen dir des Herzens Schönheit nur! Nur den Verstand heraufgereift, nur Züge Der Seele, die mit Tugend ausgeschmückt Nicht von der Zeit, vom Zufall nicht erdrückt, Bezeuget, daß in ihr der Gottheit Funke liege! Wann achtzehn Erndten noch vorüber gehn, Und Krankheit nicht in Dir Verwüstung angerichtet; Dann ist vielleicht noch dieses Antlitz schön, Das alle Kunst der Mahlerey zernichtet. Wann aber funfzig Sommer du gelebt; Alsdann haucht alle Reize von den Wangen Die starke Zeit, vor der die Gärten sind vergangen, Die prächtig in der Luft geschwebt. Dein äußrer Bau, so künstlich er gewebt, So fein die Nerven auch sind überzogen worden, Ist nichtig, muß vergehn; wie Blüten im April, Wenn nächtlich sie ein Frost kommt in der Knospe morden, Und wenn ins Leben sie die Sonne wecken will, Noch ungestalt und welk an Zweige kleben – Dir aber sollen noch die Jahre Reizung geben. Dein Geist, der innre Mensch, soll, wirst du älter seyn, Durch größre Schönheit den erfreun, Der dir bestimmt, und deiner werth befunden, Mit dir durchlebet goldne Stunden. Uns nicht bekannt, ist dieser Jüngling noch. Du horchst hoch auf, wirst roth, und willst ihn wissen? Der Himmel kennet ihn, und der wird doch Dich nicht unedle Lippen lassen küssen. Nein, fromm und treu, verständig, zärtlich, ernst Sey der, von dem du leicht mehr Tugenden noch lernst.

Karsch, Auserlesene Gedichte, 1763. An Mademoiselle W. Buchholz, auf ihren Geburtstag. Den 30ten des Wintermonaths 1761. Originaltext

Des Menschen Alter, von innen gesehen, ist ewige Jugend.

Hofmannsthal, Buch der Freunde, 1922

Waren die Alten trübselig, warum sollen wir's sein.

Freytag, Die Ahnen, 6 Bde., 1872-80. Marcus König. Im Jahre 1519