Alter Sprüche – klassisch
374 Sprüche gefunden
Nicht veraltet ist der Alte! Manche Narbe, manche Falte Schrieb die Zeit in ihren Grillen, Wider des Bewohners Willen, Oft mit schwerer Hand An die äußre Wand. In dem Innern stört den Alten Nicht der Polygraphin Walten! Keine Reue soll ihm wehren, Froh den letzten Kelch zu leeren, Den die Liebe kränzt, Hoffnung ihm kredenzt!
Ich bin der Alte, sogar im Alter.
Erwirb dir in der Jugend ein Alter im Geist, und du wirst im Alter eine Jugend im Herzen tragen.
Wie die Jugend aus sich heraussingt, so singt das Alter in sich hinein.
Unseliger! Besonnenheit gab selbst die Zeit dir nicht, nur Torheit kam zu Jahren!
Wir begreifen die Ruinen nicht eher, als bis wir selbst Ruinen sind.
O meiner Jugend Sonnenschein, Du Himmel reinsten Blau's! Jung – lebt' ich in den Tag hinein, Alt – aus dem Tag hinaus.
Älter ward ich, doch klüger nicht, Reicher allein an Jahren.
Das Alter ist ein grausames Urteil über alle oberflächlichen Weltanschauungen.
Wenn ein gereifter Mann sich jugendlich benimmt, sagt man von ihm: Er ist noch ganz der Alte.
Vier Dinge, die das Leben verlängern Vier Dinge machen lang den Lebenspfad, Drum hör', o teure Seele, meinen Rat. Zuerst, das Ohr an holdem Klang ergetzen, Das Aug an mondgleich holder Schönheit letzen, Und drittens, Sicherheit für Gut und Leben; Das Alles wird dem Leben Dauer geben. Wem endlich, was er unternimmt, gelingt, Der sicher es zu hohem Alter bringt.
Die grauen Haare sind nicht immer der Schnee des Alters, sondern öfters auch der Reif der Jugend.
Wer lange lebt, hat viel erfahren, Nichts Neues kann für ihn auf dieser Welt geschehn.
In grauen Haaren steckt auch ein guter Hengst.
Im hohen Alter, in dem man wirklich das Recht hätte zu sagen: »Ich kann nicht mehr warten«, wie geduldig wird man da!
Die Jugend ist außerordentlich gut gegen mich, und ich erkenne es mit größter Dankbarkeit an. Manchmal komme ich mir aber doch vor wie der ur-uralte Papagei, den niemand mehr verstand, weil er eine tote Sprache sprach.
Die Wirklichkeit wenig bekannt ist. Der Frühling ist Winters arglistiger Trug, Im Wein steckt nicht Wahrheit noch Rebe, Das Weibergeschlecht ist auch heuttags zu klug, Daß Herz gegen Herze es gebe! Die Jungen sprechen: Verehrter Kollege, Ihr selber nur schwärmt: Ihr schmähet den Lenz, weil Ihr kalt seid, Den goldenen Wein, der Euch nimmer erwärmt, Die Frauen, für die Ihr zu alt seid! Wir beugen ergebenst uns mit Reverenz Vor solcher erhabener Tugend, Doch singen die Liebe, den Wein und den Lenz Wir fürder der fröhlichen Jugend. Ei, lasset's in rüstigern Tagen doch auch, Zu müh'n Euch um Nachwuchs an Jungen; Wenn er einmal abstirbt der löbliche Brauch, So haben wir bald ausgesungen! Der Alte: Ei, merktet ihr denn nicht am zwinkernden Aug', Daß ich euch nur schraubte, ihr Herren, Und anderes besser zu predigen taug' Als wie der Enthaltsamkeit Lehren?! Wenn ringsum die Lande im sonnigen Schein, Dann lasset in fächelnder Lauben Mich sitzen, den funkelnden Römer voll Wein, – Doch sei es ein Trank auch aus Trauben! – Und schafft mir ein Mädchen an Seite, das lacht Zum Kusse von bärtigem Munde, Und wenn mich das alles nicht jung wieder macht, Mögt ihr mich begraben zur Stunde!
Wenn die Erinnrung an die Jugend nicht wäre, so würde man das Alter nicht verspüren, nur, daß man das nicht mehr zu tun vermag, was man ehmals vermochte, macht die Krankheit aus. Denn der Alte ist gewiß ein eben so vollkommnes Geschöpf in seiner Art als der Jüngling.
Alter Geschlagen Hat mich das Alter und ich verstehe, Was ich sonst nur obenhin verstand, Wie es gemeint ist, wenn man redet Von müden Greisen. Müde vor allem sind mir die Beine Und nach wenig Morgenbewegung Freu ich mich auf das Mittagsschläfchen. Nicht gelüstet mich's, mitzueilen, Wenn, von Trompetenschmettern gelockt, Nach des festlichen Aufzugs Schauspiel Neugierselig die Menge strömt, Wenn sie am Felsberg atmend aufklimmt, Wo auf dem Gipfel die Rundsicht winkt. Und der Geist, wie steht es um ihn? Müd ist geworden, müd auch er, Müde der Täuschung. Eine nur, eine noch ist geblieben. Nimmer so lang ich noch Atem hole, Nimmer, nimmer schwinde sie mir, Die hohe Täuschung, der wahrheitsvolle, Heilige Wahn, daß Götter leben!
Die besten Waffen des Alters sind immer [...] die geistigen Güter und die Betätigungen der Tugenden.
Du, dieses Jahres Abend, Herbst Sei meines Lebensabends Bild! Wie langsam du den Hain entfärbst, Und deine Sonn' ist frühlingsmild: Es lacht das grünende Gefild Tief im Oktober ohne Frost, Und in der Traube schwillt der Most, Wie in der Brust Begeistrung schwillt.