Alter Sprüche – klassisch

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Das Alter kehrt sich nicht an Potentaten, Und Runzeln sind verdammte Demokraten.

Byron, Don Juan, 1819-24

Zu glücklich und zu heiter Wär' unser Los auf Erden, Wenn unsre Jugendzeit, wo doch noch Wonnen, Wenn auch aus Leidensbronnen, Erglühn, andauerte durchs ganze Leben. Zu mild wär' der Beschluß auch Der Götter, der zum Tod verdammt das Leben, Wenn nicht auch noch des Lebens letzte Hälfte Zuvor uns düstrer machte Das Schicksal, als den Tod, vor dem wir beben. Als würdige Erfindung Unsterblich weiser Geister Und letztes Übel gaben uns die Götter Das Alter, wo die Sehnsucht Noch währet, doch vernichtet ist die Hoffnung, Versiegt der Born der Lust, das Maß der Leiden Erfüllt bis an den Rand, erschöpft die Freuden.

Leopardi, Gesänge (Canti), in: Gedichte und Prosaschriften, Berlin 1889, übersetzt von Paul Heyse. Erstdruck: Florenz 1831, erweiterte Fassung Neapel 1835

Groß war einstmals die Ehrfurcht vor dem grauen Haupte, und in ihrem Werte stand die Runzel des Alters.

Ovid, Fasti (Römische Feste), entstanden zwischen 2 bis 8 n. Chr

Wer seiner Werke Ende kann Anschau'n, das ist ein weiser Mann. Wer immer auf das Ende gern Hinsieht, dem bleibt die Reue fern. Das Ende krönet, nicht der Streit; Gut Ende guten Namen verleiht. Das Ende treibt die Sünde zurück, Schaut man es an mit stätem Blick. Ein gutes Ende macht Alles gut, Gut Ende nimmer übel thut. Der Bootsmann an dem Ende steht Und lenkt das Schiff, daß es wohl geht. Wer stets will auf das Ende sinnen, Der wird wohl selten Leid gewinnen.

Lindemann (Hg.), Blumenstrauß von geistlichen Gedichten des deutschen Mittelalters, 1874

Bedenkt: der Teufel, der ist alt, So werdet alt, ihn zu verstehen!

Goethe, Faust. Der Tragödie zweiter Teil, 1832. 2. Akt, Hochgewölbtes enges gotisches Zimmer, Mephistopheles

Es muss einer schon in vielen Stücken abgestorben sein, bis er sich alt fühlt. Der gesunde Geist kommt sich immer jung vor.

Bosshart, Bausteine zu Leben und Zeit, posthum hg. von Elsa Bosshart-Forrer, 1929

Ich neide nichts, ich laß es gehn Und kann mich immer manchem gleich erhalten; Zahnreihen aber, junge, neidlos anzusehn, Das ist die größte Prüfung mein, des Alten.

Goethe, J. W., Gedichte. Ausgabe letzter Hand, 1827. Zahme Xenien 4, Erstdruck 1827

Das Alter nimmt dir nichts, was es dir nicht erstattet.

Rückert, Gedichte. Die Weisheit des Brahmanen, 1836-1839

Als würdige Erfindung Unsterblich weiser Geister Und letztes Übel gaben uns die Götter Das Alter, wo die Sehnsucht Noch währet, doch vernichtet ist die Hoffnung.

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Ich erinnere mich bey dieser Gelegenheit eines Vorwurfs den ich von Lavatern … hören mußte, er sagte: »Du thust auch als wenn wir dreyhundert Jahre alt werden wollten.« Und doch ist, besonders in wissenschaftlichen Dingen, kaum anders zu handeln; wenn man sich nicht alle Jahre zurücknehmen will, so darf man nur mit sich selbst reden.

Goethe, J. W., Briefe. An Sulpiz Boisserée, 18. Juni 1819. Originaltext

Das Alter Nach der 11ten Ode Anakreons Euch, lose Mädchen, hör ich sagen: – Du bist ja alt, Anakreon. Sieh her! du kannst den Spiegel fragen, Sieh, deine Haare schwinden schon; Und von den trocknen Wangen Ist Blüt und Reiz entflohn. – Wahrhaftig! ob die Wangen Noch mit dem Lenze prangen, Wie, oder ob den Wangen Der kurze Lenz vergangen, Das weiß ich nicht; doch was ich weiß, Will ich euch sagen: daß ein Greis, Sein bißchen Zeit noch zu genießen, Ein doppelt Recht hat, euch zu küssen.

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Wofür ist man alt geworden, als daß man Zeugnis davon ablegt, was sich einem bewährt hat im Gefolge der Jahre.

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Die Ehrfurcht vor dem Alter erstreckt sich nicht auf gebratene Hühner.

Fliegende Blätter, humoristische deutsche Wochenschrift, 1845-1944

Ein alter Mann ist stets ein König Lear! – Was Hand in Hand mitwirkte, stritt, Ist längst vorbeigegangen, Was mit und an dir liebte, litt, Hat sich woanders angehangen; Die Jugend ist um ihretwillen hier, Es wäre törig zu verlangen: Komm, ältele du mit mir.

Goethe, J. W., Gedichte. Ausgabe letzter Hand, 1827. Zahme Xenien 1

Nur wer sein Herz der Liebe zugeschlossen, Und Jugend nicht mehr zu verstehen strebt, Der altert, der ist tot dieweil er lebt.

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Wie mürrisch doch das Alter stets die Menschen macht und ihren Blick verdüstert!

Euripides, Der rasende Herakles (auch: Der Wahnsinn des Herakles), zwischen 422 und 414 v. Chr.

Willst du dich in deinen alten Tagen vor Leid bewahren, so gib, wenn es irgend in deiner Kraft liegt, jede Unternehmung auf, deren Erfolg außer von dir noch von Andern oder von einer besondern Gunst des Schicksals abhängt. Auch ohne diesen äußern Grund sollten wir uns viel öfter, als wir tun, ein Geständnis über das machen, was unsere Kraft noch in ihrer vollen Gewalt hat und was nicht.

Gutzkow, Vom Baum der Erkenntnis. Denksprüche, 1868

Denn der Alten Kühlsinnigkeit Stillt der Jungen Kühnsinnigkeit; Und der Alten lange Erfahrung, Die dient den Jungen zur Bewahrung.

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Die Haare des Greises tragen Zeichen des Alters, die Zähne des Greises tragen Zeichen des Alters; aber der Wunsch nach Leben, der Wunsch nach Glück schwindet auch bei dem Greise nicht.

Hertz (Hg.), Worte der Weisen aus allen Völkern und Zeiten, 1886. Vasishta XXX, 9

Denk' an deine Jugendsonne, wenn dich's in der Seele friert; träum von Jugendglück und Wonne, wenn es Herbst im Herzen wird. Strömt der Sonne Strahlenquelle auch nur einen Augenblick: – bleibt ihr Glanz in Herz und Seele doch noch lange Zeit zurück! Träumst du auch nur für Sekunden von dem Glück, das längst dahin: – ist dir gleich der Traum entschwunden, lang' glüht dir sein Bild im Sinn. Schmückst mit Blumen neu die Liebe, suchst des Freundes treue Brust gleich, als ob sie ewig bliebe, quillt des Geistes Götterlust. Denk' an deine Jugendsonne, und du fühlst dich neu entzückt; und du singst in Glück und Wonne Lieder, die dich einst beglückt.

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Der Greis ist ehrwürdig, so lange er kein Jüngling sein will.

Fliegende Blätter, humoristische deutsche Wochenschrift, 1845-1944