Alter Sprüche – zukunft

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Leiser und lauter Wie der Vogel auf dem Baum, Der sich müd' am Tage sang, Nur noch zwitschert leis' im Traum, Daß es in der Nacht verklang: Also werden meine Lieder Leiser gegen meine Nacht; Und die lautern sing ich wieder, Wenn mein neuer Tag erwacht.

Rückert, Gedichte. Pantheon, Erstdruck 1843. Zweites Bruchstück. Selbstschau

Wohl machst du gerne jünger dich, Weil du dich schämst der Grausamkeit, Daß du und all dein reiches Ich Nur eine Frage kurzer Zeit,

Claar, Weltliche Legenden. Gedichte, 1899

Gleich einem Tiger, grausam, mörderisch, Das Alter droht! Gleich einer Feindesschar stürmt auf uns ein Der Krankheit Not!

Schroeder (Übers.), Mangoblüten. Eine Sammlung indischer Lieder und Sprüche in deutscher Nachbildung, 1892

Letzter Mensch, denke nicht nach über die lange Welt vor und nach dir; im Universum gibt's kein Alter – die Ewigkeit ist jung – sinke in die Welle, wenn sie kommt, sie versiegt, und nicht du!

Jean Paul, Die wunderbare Gesellschaft in der Neujahrsnacht, 1801

Der Wartesalon des Todes, das Alter.

Lüttwitz, Wo ist das Glück? Aphorismen, 1911

Der Alte Ich werde viel älter und Schwermuth und Plage Droht meiner schon sinkenden Hälfte der Tage: Kaum wallet noch weiter mein zögerndes Herz Bei winkenden Freuden, bei lockendem Scherz. Die schmeichelnde Falschheit der lachenden Erben Verheißt mir das Leben und wünschet mein Sterben: Ein fingernder Doctor besalbt mir den Leib: Bald lärmet der Pfarrer, bald predigt mein Weib. Die warnenden Kenner der Wetter und Winde, Die stündlichen Forscher: Wie ich mich befinde? Die thränenden Augen, die keichende Brust Entkräften den Liebreiz, verscheuchen die Lust. Nun soll mich doch einmal mein Leibarzt nicht stören. Verjüngende Freunde, hier trink ich mit Ehren! Weib, Pfarrer und Erben, nur nicht zu genau! Hier frag' ich nicht Pfarrer, nicht Erben, noch Frau. Im Beisein der Alten verstellt sich die Jugend: Sie trinkt nur bei Tropfen, sie durstet vor Tugend; Ich ehrlicher Alter verstelle mich auch, Bezeche den Jüngling und leere den Schlauch. Mein Auge wird heller: wer höret mich keichen? Ich suche der muthigen Jugend zu gleichen; Und will, auch im Alter, bei Freunden und Wein, Kein Tadler der Freuden, kein Sonderling sein.

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Auch wir werden alt werden [...] und Furchen und Falten werden sich in unser Gesicht graben und das Herz wird müde werden des frohen Glaubens seiner Jugend und müde der bunten Hoffnungen, mit denen es sich freute und über alle Enttäuschungen hinweglachte.

Flaischlen, Von Alltag und Sonne. Gedichte in Prosa, 1897. Rondos. Aus: Auch wir werden alt werden ...

… aller Uebel Unseligstes, verliehen uns die Ew'gen Das Alter, wo die Wünsche Noch glühend sind, die Hoffnung längst erloschen, Versiegt der Freuden Quell und stets sich häuft Das Weh, in das kein Tropfen Wonne träuft.

Leopardi, Gesänge (Canti), in: Gedichte und Prosaschriften, Berlin 1889, übersetzt von Paul Heyse. Erstdruck: Florenz 1831, erweiterte Fassung Neapel 1835. Aus: 33. Monduntergang; entst. 1834/37, posthum veröff. 1845

Der Gerührte Ich habe gern verlassen Den lauten Tod der Stadt, Der tausend Fratzen hat, Die gelbe Nacht der Gassen. Ich schreite in den weiten, Silbrigen Himmel ein; Die frommen Glieder gleiten Tief in das sanfte Sein. Ich bin im weißen Leuchten Von Wolke, Wiese, Wind. Bin Baum, bin Dorf, bin Kind ... Wie sich die Augen feuchten. – Bald wird am Silberende Der grüne Abend stehn ... Ich hebe selge Hände – Will ihm entgegengehn –

Lichtenstein, Gedichte und Geschichten, Bd. 1, hg. von Kurt Lubasch, München 1919. Die Gedichte des Kuno Kohn, entst. und Erstdruck 1913

Du aus den Händen der Natur, Zu ihrem Ruhm hervorgegangene Schöne! Jetzt singet, auf der arm gewordnen Flur, Nicht mehr die Lerche. Jetzt verlernt die Thöne Selbst deiner Schwester Nachtigall. Sie schweigt In ihrem melancholischen Gehäuse; Tief denkend sitzt sie da – so sitzet oft der Weise, Der Menschenfreund, wenn fremde Noth ihn beugt, Wenn drückend Elend kommt mit jung gewordnen Tagen, Wenn durch das Vaterland die lautgestöhnten Klagen Erschallen allgemein: Dann sitzet traurig er, Verstummt von Schmerz, und blickt umher, Ob aufgeklärtre Tage kommen – Du holdes Mädchen, von zwey Frommen, Im Lande Friedrichs auf die Welt gebracht; Unmuthig siehest du den Bäumen ihre Pracht, Den Blumen ihren Reiz benommen. Der Maulbeerbaum – er stehet blätterlos; Wie liegen unter ihm, die stolz getragne Locken Zerstreut, auf schwarzer Erde Schooß, Den blassen Leichen gleich! O! ihre Sterbeglocken, Die rauhen Winde stürmten um sie her. Wie ist die Reben-Wand von ihrem Schmuck so leer! Nichts grünet mehr in dem beliebten Raume, Wo du Lustwandeln giengst, wo Blumen sich gebückt, Vor deines weissen Kleides Saume, Wann sie dein Angesicht erblickt. So nimmt die Zeit, einst Güter der Natur Dir schönes Kind! Dein Herbst, dein Winter werden kommen Mit räuberischer Hand. Dann wird, wie von der Flur, Der Reiz von dieser Wange weggenommen. Sie lassen dir des Herzens Schönheit nur! Nur den Verstand heraufgereift, nur Züge Der Seele, die mit Tugend ausgeschmückt Nicht von der Zeit, vom Zufall nicht erdrückt, Bezeuget, daß in ihr der Gottheit Funke liege! Wann achtzehn Erndten noch vorüber gehn, Und Krankheit nicht in Dir Verwüstung angerichtet; Dann ist vielleicht noch dieses Antlitz schön, Das alle Kunst der Mahlerey zernichtet. Wann aber funfzig Sommer du gelebt; Alsdann haucht alle Reize von den Wangen Die starke Zeit, vor der die Gärten sind vergangen, Die prächtig in der Luft geschwebt. Dein äußrer Bau, so künstlich er gewebt, So fein die Nerven auch sind überzogen worden, Ist nichtig, muß vergehn; wie Blüten im April, Wenn nächtlich sie ein Frost kommt in der Knospe morden, Und wenn ins Leben sie die Sonne wecken will, Noch ungestalt und welk an Zweige kleben – Dir aber sollen noch die Jahre Reizung geben. Dein Geist, der innre Mensch, soll, wirst du älter seyn, Durch größre Schönheit den erfreun, Der dir bestimmt, und deiner werth befunden, Mit dir durchlebet goldne Stunden. Uns nicht bekannt, ist dieser Jüngling noch. Du horchst hoch auf, wirst roth, und willst ihn wissen? Der Himmel kennet ihn, und der wird doch Dich nicht unedle Lippen lassen küssen. Nein, fromm und treu, verständig, zärtlich, ernst Sey der, von dem du leicht mehr Tugenden noch lernst.

Karsch, Auserlesene Gedichte, 1763. An Mademoiselle W. Buchholz, auf ihren Geburtstag. Den 30ten des Wintermonaths 1761. Originaltext

Ein genesender Greis: es wird dir vergönnt, dich auf dem Wege aus der Welt noch einmal umzusehen.

Hebbel, Tagebücher. Nach der historisch-kritischen Ausgabe von R. M. Werner, 4 Bde., 1903-04. 1845

Die alte Zeit, da wir jung waren, ist nun jung, da wir alt sind; wir wollen in der jungen Zeit uns unsers Alters freuen.

Brentano, Ponce de Leon. Lustspiel in fünf Aufzügen, 1803. Erster Akt, zehnter Auftritt. Sarmiento

Zersticht das Alter dein Gesicht, Und flicht dir Asche in dein Haar, Dornen in deine Lippen – Jugendklar bleibt dein Auge. In deinen Augen springt heilig ein Quell, An dem die dunkle Nymphe singt; Heilig ein Quell, Drinnen Märchenmonde hell funkeln. Wer einen Blick mit dir getauscht, Trägt ihn berauscht von Aug zu Auge. Dein Augenlicht bricht, Wenn auf Erden das letzte Auge versiecht.

Dauthendey, M., Gedichte. Reliquien. Gedichte, 1897

Greise sinnen. Eine große graue Spinne. Netze schleiern, Fäden rinnen. Die jahrhundert grauen Wälder Tragen ernst den alten Himmel, Und verdorrte, alte Lippen Nippen an dem kalten Horte Längstverglühter alter Worte.

Dauthendey, M., Gedichte. Reliquien. Gedichte, 1897

Ein Alter sieht besser hinter sich als ein Junger vor sich.

Simrock (Hg.), Die deutschen Sprichwörter (= Die deutschen Volksbücher, Bd. 5), 1846

Viele Annehmlichkeiten bringen die Jahre, wenn sie kommen, viele davon nehmen sie mit sich, wenn sie gehen.

Horaz, Die Dichtkunst (Ars poetica = Epistula ad Pisones). 175-176. Übers. Internet Originaltext: Multa ferunt anni venientes commoda secum, multa recedentes adimunt

Das Schönste, was man erlebt, wenn man alt zu werden anfängt, ist, dass einem ein eigenes Gefühl für die Jugend aufgeht, für ihre Frische, ihren Eifer, ihre Hoffnung und ihre dunkle Zukunft. Und so empfindet man die Wiederaufstrebenden köstlich als eine aufziehende Ablösung der Scheidenden.

Pauly, Aphorismen, 1905

Nichts wird dort stehen bleiben, wo es jetzt ist, alles wird das Alter niederwerfen und mit sich fortreißen.

Seneca, Trostschrift an Marcia (De Consolatione ad Marciam). 26,6. Übers. Internet Originaltext: Nihil, quo stat loco, stabit; omnia sternet abducetque secum vetustas

Wenn Du unabwendbar Dein Alter kommen fühlst, wird Dir sein wie einem Schnellläufer, der unter lebhaftem Beifall dicht gedrängter Zuschauer den Siegeslauf begonnen hat und nun, dem Ziele nah, beim Umblick bemerkt, dass die meisten Sitze leer geworden oder von Fremden eingenommen sind, die kaum Anteil am Ausgange des Laufs und am Läufer nehmen.

Toeche-Mittler, Stimmungsgedanken über Raum und Zeit, 1907

Ich entstamme einem drahtigen und langlebigen Geschlecht. Einige meiner Vorfahren waren hundertjährige und einer von ihnen lebte 129 Jahre. Ich bin entschlossen, diese Bilanz fortzuführen, und schmeichele mir mit sehr verheißungsvollen Aussichten. Andererseits hat mir die Natur auch eine lebhafte Fantasie geschenkt ...

Electrical Review and Western Electrician, Nikola Tesla Receives Edison Medal, 1917. Übers. Internet

Wenn die Jugend ohne Feuer war, wird leicht das Alter ohne Wärme sein.

Dix, Aphorismen und Sinnsprüche, 1900