Alter Sprüche – zukunft

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Das mittlere Alter ist die Zeit, in der ein Mann glaubt, daß er sich in einer oder zwei Wochen wieder so gut wie früher fühlen wird.

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Es kleidet nicht jeden Menschen das Alter und nicht jede Landschaft der Schnee.

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Mir bleibt genug! Es bleibt Idee und Liebe!

Goethe, J. W., Gedichte. West-östlicher Divan, 1814 - 1819. Buch der Betrachtungen

Die Greisin Weiße Freundinnen mitten im Heute lachen und horchen und planen für morgen; abseits erwägen gelassene Leute langsam ihre besonderen Sorgen, das Warum und das Wann und das Wie, und man hört sie sagen: Ich glaube –; aber in ihrer Spitzenhaube ist sie sicher, als wüßte sie, daß sie sich irren, diese und alle. Und das Kinn, im Niederfalle, lehnt sich an die weiße Koralle, die den Schal zur Stirne stimmt. Einmal aber, bei einem Gelache, holt sie aus springenden Lidern zwei wache Blicke und zeigt diese harte Sache, wie man aus einem geheimen Fache schöne ererbte Steine nimmt.

Rilke, Die Gedichte. Nach der von Ernst Zinn besorgten Edition der sämtlichen Werke, Insel Verlag 1957. Neue Gedichte. Der neuen Gedichte anderer Teil, 1908

Zu spät Was soll dem Hoffnungslosen Der Zauber im Gemüt? Ach! meines Lebens Rosen Sind alle schon verblüht. Mir wend' nicht zu dein bleiches, Dein holdes Angesicht, Das Glück ist ein zu reiches, Von dem dein Anblick spricht. Mir war's als süße Treue Dein feuchtes Aug' verhieß, Ich säh' des Gottes Reue, Der mich ins Elend stieß.

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Rückblick Und so sind sie hingeschwunden, Jahre, voll von Leid und Glück, Tief im Innersten empfunden – Lächelnd schau ich jetzt zurück. Jugendgärung ist vorüber, Fühle Ruhe, fühle Kraft; Doch die Unruh' war mir lieber, Die nur einzig zeugt und schafft!

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Nicht veraltet ist der Alte! Manche Narbe, manche Falte Schrieb die Zeit in ihren Grillen, Wider des Bewohners Willen, Oft mit schwerer Hand An die äußre Wand. In dem Innern stört den Alten Nicht der Polygraphin Walten! Keine Reue soll ihm wehren, Froh den letzten Kelch zu leeren, Den die Liebe kränzt, Hoffnung ihm kredenzt!

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Juni Ich lebe nun mein Leben in Gedanken, Lebendiger als in der Tat es war, Gehoben seh ich Hemmungen und Schranken, Hinweggeräumt Verlockung und Gefahr: Daß doch so gut es ging, Gott muß ich's danken, Nicht besser konnt' es gehn, viel schlimmer gar.

Rückert, Poetisches Tagebuch, 1850-1866 (aus seinem Nachlasse), 1888

Der Jugend gehört die Welt. Im mittleren Alter hat man nur noch Verpflichtungen. Im Alter landet man in der Abstellkammer des Lebens.

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Das Mädchen hofft, die Frau freut sich und die Greisin erinnert sich.

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Unseliger! Besonnenheit gab selbst die Zeit dir nicht, nur Torheit kam zu Jahren!

Sophokles, Ödipus auf Kolonos, posthum aufgeführt um 401 v. Chr

Häßlich grinst das Alter und Verderben, der Jugend Lebensdurst und das Gesicht der Erben.

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O meiner Jugend Sonnenschein, Du Himmel reinsten Blau's! Jung – lebt' ich in den Tag hinein, Alt – aus dem Tag hinaus.

Heyse, Spruchbüchlein, 1885

Der Gedanke, alt zu werden, ist umzusetzen in die Worte: "Da wurden ihre Augen aufgetan!"

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Aus einem Altenheim kann man entweder ein Wartezimmer des Todes oder einen Ruheraum des Lebens machen, das hängt vom Bauherrn ab.

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Später Dank und späte Freuden gleichen der Wintersonne: sie wärmen wenig und wecken müde Kräfte.

Toeche-Mittler, Stimmungsgedanken über Raum und Zeit, 1907

Es weinet die Jugend, es weinet das Alter; aber dort tauet der Morgen, hier nur der Abend!

Jean Paul, Herbst-Blumine oder gesammelte Werkchen aus Zeitschriften, 3 Bde., 1810-20. Erstes Bändchen. II. Meine Miszellen. 3. Polymeter. Aus: Die doppelten Thränen

Das Wort: "Sie werden alt!" wird nur als Prophezeiung gern gehört.

Fliegende Blätter, humoristische deutsche Wochenschrift, 1845-1944

Die alten Wohlbekannten alle weg; die damals Jungen, darunter ich, jetzt alt und auch rücksichtslos so genannt, wie's denn auch wahr ist. Dahinter der junge Nachschub, bereit, seine Vordermänner bei passender Gelegenheit in schwarze Kisten zu verpacken und in's Suterräng zu bringen. Es geht schnell, wenn man so umschaut. Man betrachtet mit Wehmuth das spielende Kindervolk, mit staunender Genugthuung sehr Alte, die es ausnahmsweise so lang ausgehalten, ohne schwach zu werden.

Busch, W., Briefe. An Friedrich August von Kaulbach

Länder und Seen durchschwommen Brünstig allen Fernen. Wittre nun in den Nächten Nach Ländern über Sternen. Als ich ein Kind war, Glänzte so weit mein Teich, Hinter jedem Wipfel Grünte ein Zukunftsreich. Stützt zu Berg mich, Söhne, Dicht in meine Nähe, Daß ich noch einmal Die kleine Erde sehe.

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Die Jugend gleicht einem ergötzlichen Traum, das Alter einer beschwerlichen Nachtwache.

Fonseca, Maximen, Gedanken und Betrachtungen, in: Das Ausland. Ein Tageblatt, Kunde des geistigen und sittlichen Lebens der Völker: Brasilianische Literatur, Nr. 215 vom 3. August 1839