Alter Sprüche – zukunft

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Wie das Licht schwindet mit der Abnahme des Öls, so das Schicksal mit der Abnahme des menschlichen Tuns.

Böhtlingk (Hg.), Indische Sprüche. Sanskrit und Deutsch, 3 Bde., 1863-65

Der Dichter sagt: "Was du in deiner Jugend begehrst, hast du im Alter in Fülle!" Meinte Goethe damit die süßen Schauer deiner ersten idealen Wünsche? Deine träumerischen Hoffnungen auf den Sieg und das Recht der wahren Menschengröße? Mit nichten! – Er meinte, das Alter bringt dir solche Erfüllungen, die dich nicht mehr beglücken. Unter den hochgetürmten Aschehügeln des Alters glimmt und glüht es von weitaus andern Dingen, die du dir, wenn du den Wert, den sie künftig für dich haben sollten, geahnt hättest, in der Jugend viel lieber gewünscht haben würdest.

Gutzkow, Vom Baum der Erkenntnis. Denksprüche, 1868

Alte Leute sehen am Besten in die Ferne.

Simrock (Hg.), Die deutschen Sprichwörter (= Die deutschen Volksbücher, Bd. 5), 1846

Jahresringe Baum, wachse und sei guter Dinge! Und macht dir der Frost mal Beschwerden, Ein Glück, daß die Jahresringe Zum Panzer des Markes werden!

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Laßt (ihr Götter) mich nicht ein alter Polterer werden, der aus Neid die jüngeren Geister ankläfft, oder ein matter Jammermensch, der über die gute alte Zeit beständig flennt.

Heine, H., Gedichte. Buch der Lieder, 1827

Der Mensch ist nie in die alten Tage, ich war in die alten Tag', wie ich zwanzig Jahr' alt war, denn diese Tage sind jetzt schon so alt, daß ich seitdem eine Unzahl neuer gebraucht hab' zum Verleben. Die jetzigen sind meine jungen Tag', der heutige ist mein jüngster, und die noch nachkommen werden, sind gar jung, weil sie zu den noch ungebornen gehören.

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Es ist des Alters schöne Weise, die noch übrigen Tage des Lebens in schön geordneter Folge, einen heller, klarer, ungetrübter als den andern, zu erwarten, in gleichem Maße wie das Inwendige geordneter wird, die Leidenschaften gezähmt, das Tun Frucht eines vernünftigen, freien Willens geworden, das Gemüt sich mit Gott und den Menschen versöhnt hat und nun in stiller, schöner Ruhe die Erfüllung der Verheißungen Gottes erwartet, den schönen Gottesfrieden, der über allen Verstand geht.

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Die Abenddämmerung ist Morgenrot für die andere Erdenhälfte. Mensch, der du dem Ende entgegenwandelst, gedenke dessen immerdar!

Leixner, Aus meinem Zettelkasten. Sprüche aus dem Leben für das Leben, 1896

Unwandelbar O fürchte nicht, wenn dir das Alter Vom Haupte Blüt' um Blüte bricht, Daß dann ein Blick, ein trüber, kalter, Fall' auf dein bleiches Angesicht. Wohl blässer wird der äuß're Schimmer, Doch heller wird der inn're Schein; Drum lieber nur und tiefer immer Schau' ich ins Auge dir hinein. Da seh' ich all' die Liebesfülle, Die reicher ward von Jahr zu Jahr; Es dringet durch des Alters Hülle Der Seele Schönheit hell und klar. Da seh' ich nicht die müden Wangen, Der Jahre Furchen seh' ich nicht – Es ist mir strahlend aufgegangen Dein inn'res Engelsangesicht.

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Und steigen auch in der Jahre Lauf, Wenn der Tag des Lebens vollbracht ist, Erinnerungen gleich Sternen auf: Sie zeigen nur, daß es Nacht ist.

Bodenstedt, Tausend und ein Tag im Orient, 2 Bde., 1850

Frühling im Alter Singen die Vöglein im grünen Wald, Klingen die Bächlein bergunter, Lockt es den Alten mit Lustgewalt, Klopfet das Herz ihm so munter: Denket der Wonnen verschiedener Lenze, Denket der Kränze und denket der Tänze, Fallen auch Tränen herunter. Singet und klinget! Das Heute ist mein. Heut' will ich singen und klingen Lustig mit spielenden Kindern feldein, Fröhlich mit fröhlichen Dingen, Will mir bekränzen die Locken, die greisen: Bald muß ich hinnen und wandern und reisen, Wo mir die Vögel nicht singen.

Arndt, E. M., Gedichte. 1841

Der morsche Stamm des Alters ergrünt noch einmal umrankt von dem Efeu der Erinnerung.

Sirius, Tausend und Ein Gedanken, 1899

Die Jugend ist vergessen Aus geteilten Interessen; Das Alter ist vergessen Aus Mangel an Interessen.

Goethe, J. W., Gedichte. Ausgabe letzter Hand, 1827. Zahme Xenien 5

Wenn wir alt sein werden, wenn der Ruhe Dämmerung leis in immergleichem Atemzuge uns im Herzen haucht, wenn das Auge matt und milde blickt, kältre Farben sieht und flockigen Umriß, wenn der Hände Drücke, altersfaltenweich, immer abschiednehmender, zag sich fühlen, wenn das Hirn, von Erkenntnis starr, immer kälter wird, und der Hoffnung warmer Taubenflügelschlag nicht mehr linde Glücksgedankenwellen schlägt, wenn an Rosen-Statt Herbstzeitlose blaßt ... Sonne, Sonne! Du auch wirst mir dann verbleichen, die ich kindlich und anbetend liebe. Eine Wärme nur, eine Liebe nur, nur einen Glauben dann werd ich mir wahren: dich du traumvergangene Heilige.

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Wenn ich dereinst ganz alt und schwach, Und 's ist mal ein milder Sommertag, So hink' ich wohl aus dem kleinen Haus Bis unter den Lindenbaum hinaus. Da setz' ich mich denn im Sonnenschein Einsam und still auf die Bank von Stein, Denk' an vergangene Zeiten zurücke Und schreibe mit meiner alten Krücke Und mit der alten zitternden HandBerthaSo vor mir in den Sand.

Busch, W., Gedichte. Kritik des Herzens, 1874

Manch einer meint in seiner Verblendung, es [das Greisenalter] sei eine Klippe; es ist ein Hafenplatz, über den man sich freuen muss.

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"Die Zeit heilt alle Wunden", ist Dein Wahn? O Freund, fang' doch zu überlegen an, Und Du gelangst zu ganz and'rer Kunde. Hat – neben Vielem, was dem Menschen droht – Hat je die Zeit geheilt des Alters Noth, Und ist das Alter nicht die schlimmste Wunde?

Fliegende Blätter, humoristische deutsche Wochenschrift, 1845-1944

Ich hatte mir das Alter immer reizend und viel reizender als die früheren Lebensepochen gedacht, und nun, da ich dahin gelangt bin, finde ich meine Erwartungen fast übertroffen.

Humboldt, W., Briefe an eine Freundin (gemeint ist Charlotte Diede), 2 Bde., 1847. 9. Juli 1824

Die besten Jahre kommen, wenn die guten fort sind.

Fliegende Blätter, humoristische deutsche Wochenschrift, 1845-1944

Das Alter ist eine eigene Macht, die sich nach ihren besonderen Gesetzen und Bedingungen entfaltet. Es ist die Zeit einer im vorausgegangenen Leben noch nicht so dagewesenen Ruhe und Befriedigung.

Grimm, Rede über das Alter, 1860

Auf der großen Zeituhr steht ein einziges Wort »Jetzt«. Auf der Straße »Nachundnach« erreicht man das Haus »Niemals«.

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