Arbeit Sprüche

Sprüche über Arbeit und Beruf

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Fabrikstraße Tags Nichts als Mauern. Ohne Gras und Glas zieht die Straße den gescheckten Gurt der Fassaden. Keine Bahnspur surrt. Immer glänzt das Pflaster wassernaß. Streift ein Mensch dich, trifft sein Blick dich kalt bis ins Mark; die harten Schritte haun Feuer aus dem turmhoch steilen Zaun, noch sein kurzes Atmen wolkt geballt. Keine Zuchthauszelle klemmt so in Eis das Denken wie dies Gehn zwischen Mauern, die nur sich besehn. Trägst du Purpur oder Büßerhemd –: immer drückt mit riesigem Gewicht Gottes Bannfluch:uhrenlose Schicht.

Zech, in: Menschheitsdämmerung. Symphonie jüngster Dichtung, hg. von Kurt Pinthus, Berlin 1920

Die Arbeit schützt uns vor drei Hauptübeln, vorLangerweile,LasterundMangel.

Voltaire, Candide oder der Optimismus (Candide ou l'optimisme), dt. auch: 'Candide oder die beste aller Welten' oder 'Kandid oder die beste Welt', 1759 (unter dem Pseudonym Docteur Ralph). Originaltext der Übersetzung

Das beständige Streben dessen, was wir Gesellschaft nennen, bestand darin, durch Betrug oder Beredung, durch Schrecken oder Zwang, den produktiven Arbeiter zu bewegen, die Arbeit zu verrichten für den möglichst kleinen Teil des Produkts seiner eignen Arbeit.

Thompson, Untersuchung über die Grundsätze der Verteilung des Reichtums zur besonderen Beförderung menschlichen Glücks (An Inquiry into the Principles of the Distribution of Wealth, most conducive to Human Happiness), 1824. So von Karl Marx in "Das Kapital" zitiert

Sobald die Produktionskraft der menschlichen Arbeit sich bis auf diesen Höhegrad entwickelt hat, verschwindet jeder Vorwand für den Bestand einer herrschenden Klasse.

Engels, Zur Wohnungsfrage, Erstdruck 1872/73, hier in der autorisierten Separatausgabe von 1887. 1. Wie Proudhon die Wohnungsfrage löst

Man muß die Arbeit lieben: ohne diese Liebe läßt sich nichts anfangen.

Gogol, Die toten Seelen oder Tschitschikows Abenteuer, 1842 (1. Teil) bzw. 1855 (2. Teil, Fragment), übersetzt von Alexander Eliasberg 1921. Originaltext der Übersetzung

Ein jeder muß doch von seinem Handwercke leben, es sey so klein, als es immer wolle.

Gottsched, Die Pietisterey im Fischbein-Rocke, 1736 (anonym). Originaltext

Die Arbeit war nicht immer eine Ware. Die Arbeit war nicht immer Lohnarbeit, d.h. freie Arbeit. Der Sklave verkauft seine Arbeit nicht an den Sklavenbesitzer [...]. Er selbst ist eine Ware, aber die Arbeit ist nicht seine Ware. [...] Der freie Arbeiter dagegen verkauft sich selbst, und zwar stückweis. Er versteigert 8, 10, 12, 15 Stunden seines Lebens, einen Tag wie den andern, an den Meistbietenden, an den Besitzer der Rohstoffe, der Arbeitsinstrumente und Lebensmittel, d.h. an den Kapitalisten.

Marx, Lohnarbeit und Kapital, Erstdruck als Folge von Leitartikeln in: Neue Rheinische Zeitung, Köln, Nr. 264-269, 5.-11.4.1849

Der Mensch passt durch sein Vermögen, Abänderungen zu häufen, lebende Wesen seinen Bedürfnissen an, – man kann sagen, er macht die Wolle des einen Schafs gut zu Teppichen, die des andern gut zu Tuch u.s.w.

Darwin, Über die Entstehung der Arten (On the origin of species by means of natural selection, or the preservation of favoured races in the struggle for life), 1859. Auszug eines Briefes an Prof. Asa Gray vom 5. September 1857. Originaltext

Der Mensch erhält seine Nahrung nicht, damit er seine Nahrung erhalte, sondern auf daß er arbeite.

Emerson, Die Natur (Nature), 1836, aus dem Englischen von Adolph Holtermann, Hannover 1868. Kapitel II. Bequemlichkeit

Alles quält sich, um ein elendes Leben elend zu perpetuieren.

Nietzsche, Fünf Vorreden zu fünf ungeschriebenen Büchern, 1872. Der griechische Staat. Originaltext

Damit aber die Arbeit einen Anspruch auf ehrende Titel habe, wäre es doch vor allem nötig, daß das Dasein selbst, zu dem sie doch nur ein qualvolles Mittel ist, etwas mehr Würde und Wert habe, als dies ernstmeinenden Philosophien und Religionen bisher erschienen ist.

Nietzsche, Fünf Vorreden zu fünf ungeschriebenen Büchern, 1872. Der griechische Staat. Originaltext

Die Arbeit ist eine Schmach, weil das Dasein keinen Wert an sich hat: wenn aber eben dieses Dasein im verführenden Schmuck künstlerischer Illusionen erglänzt und jetzt wirklich einen Wert an sich zu haben scheint, so gilt auch dann noch jener Satz, daß die Arbeit eine Schmach sei – und zwar im Gefühle der Unmöglichkeit, daß der um das nackte Fortleben kämpfende Mensch Künstler sein könne.

Nietzsche, Fünf Vorreden zu fünf ungeschriebenen Büchern, 1872. Der griechische Staat. Originaltext

Achtzehnter März Achtzehnhundert vierzig und acht, Als im Lenze das Eis gekracht, Tage des Februar, Tage des Märzen, Waren es nicht Proletarierherzen, Die voll Hoffnung zuerst erwacht Achtzehnhundert vierzig und acht? Achtzehnhundert vierzig und acht, Als du dich lange genug bedacht, Mutter Germania, glücklich verpreußte, Waren es nicht Proletarierfäuste, Die sich ans Werk der Befreiung gemacht Achtzehnhundert vierzig und acht? Achtzehnhundert vierzig und acht, Als du geruht von der nächtlichen Schlacht, Waren es nicht Proletarierleichen, Die du, Berlin, vor den zitternden, bleichen Barhaupt grüßenden Cäsar gebracht Achtzehnhundert vierzig und acht? Achtzehnhundert siebzig und drei, Reich der Reichen, da stehst du, juchhei! Aber wir Armen, verkauft und verrathen, Denken der Proletarierthaten – Noch sind nicht alle Märze vorbei, Achtzehnhundert siebzig und drei.

Herwegh, G., Gedichte. 1873

Bundeslied für den Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein Bet’ und arbeit’! ruft die Welt, Bete kurz! denn Zeit ist Geld. An die Thüre pocht die Noth – Bete kurz! denn Zeit ist Brot. Und du ackerst und du säst, Und du nietest und du nähst, Und du hämmerst und du spinnst – Sag, o Volk, was du gewinnst! Wirkst am Webstuhl Tag und Nacht, Schürfst im Erz- und Kohlenschacht, Füllt des Ueberflusses Horn, Füllst es hoch mit Wein und Korn. Doch wo istdeinMahl bereit? Doch wo istdeinFeierkleid? Doch wo istdeinwarmer Herd? Doch wo istdeinscharfes Schwert! Alles ist dein Werk! o sprich, Alles, aber Nichts für dich! Und von Allem nur allein, Die du schmiedst, die Kette, dein? Kette, die den Leib umstrickt, Die dem Geist die Flügel knickt, Die am Fuß des Kindes schon Klirrt – o Volk, das ist dein Lohn. Was ihr hebt an’s Sonnenlicht, Schätze sind es für den Wicht; Was ihr webt, es ist der Fluch Für euch selbst – ins bunte Tuch. Was ihr baut, kein schützend Dach Hat’s für euch und kein Gemach; Was ihr kleidet und beschuht, Tritt auf euch voll Uebermuth. Menschenbienen, die Natur, Gab sie euch den Honig nur? Seht die Drohnen um euch her! Habt ihr keinen Stachel mehr? Mann der Arbeit, aufgewacht! Und erkenne deine Macht! Alle Räder stehen still, Wenn dein starker Arm es will. Deiner Dränger Schaar erblaßt, Wenn du, müde deiner Last, In die Ecke lehnst den Pflug, Wenn du rufst: Es ist genug! Brecht das Doppeljoch entzwei! Brecht die Noth der Sklaverei! Brecht die Sklaverei der Noth! Brot ist Freiheit, Freiheit Brot!

Herwegh, G., Gedichte. 1863

Mahnung Stille! Freund! Es lernt sich alles. Wer die Scham verlernt hat, ist Jeglichen Verbrechens fähig. Längst begehrt mein Herz: zu sehen Wie im Kampf der Feige kühn wird Und wie aus dem kältesten Grauen Jäh die Grausamkeit erwacht. Preist nicht den Gewinn der Arbeit! Ja: der Durst begehrt nach Säure! Wohl! Bedenk: Das Herz verlangt nicht Obst: es will gestohlene Früchte. Meide Worte, die uns rühren: Sie verführen, und im Herzen, Das Verführung schon gekostet Und verspürt hat, wacht die Tücke. Schweigt von Gott! Schweigt von der Plage! Glaubens Reden stört die Andacht, Stört die stille Scham des Mannes. Schweigt von Tugend und von Sünde. Darum still! Und müßt ihr reden, Sprecht in leichten lockern Worten, Die den Tänzer nicht beschweren, Nicht des Weines Licht verdunkeln.

Krzyzanowski, Unser täglich Gift. Gedichte, 1919

Nicken des Kopfes rudert nicht das Boot.

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Wer produktiv sein will, muss eine metaphysische Diät halten. Zuweilen fordert die von ihm, dass er sich den Magen verderbe.

Kuh, Von Goethe abwärts, 1922

Wer essen will, der soll auch arbeiten; ob aber der verdiente Lohn der Arbeit sicher und ohne Sorgen sein oder ob er außer der einfachen Arbeit noch ein Ergebnis der Sorge, des Geschickes und dadurch zum Gewinst werden soll, welches von beiden das Vernünftige und von höherer Absicht dem Menschen Bestimmte sei, das zu entscheiden wage ich nicht, vielleicht wird es die Zukunft tun.

Keller, Der grüne Heinrich, erste Fassung 1854-55; zweite, endgültige Fassung 1879-80

Ledig aller Pflicht Hört der Pursch die Vesper schlagen, Meister muss sich immer plagen.

Schiller, F., Gedichte. Aus: Das Lied von der Glocke, 1799

Wer rettet mich vor der Maschine, vor dem Betrieb?

Wassermann, Christian Wahnschaffe, 1919

Was ist man dem Arbeiter schuldig, wenn er nicht mehr arbeiten kann, oder nichts mehr für ihn zu arbeiten sein wird? Was dem Menschen, wenn er nicht mehr zu brauchen ist?

Schiller, Der Geisterseher. Aus den Papieren des Grafen von O**, 1787-1789