Erziehung Sprüche

Sprüche über Erziehung

631 Sprüche in dieser Kategorie

Überhaupt nie stelle sich der Vater mit einem Karenz- und Pönitenz-Gesicht oder leidtragendem Anstand vor das Kind, als sei in einem Leben so viel zu verlieren, das man doch selber verliert.

Jean Paul, Levana oder Erziehlehre, 2. Auflage 1811 (EA: 1807). Drittes Bändchen. Sechstes Bruchstück. Sittliche Bildung des Knaben. Erstes Kapitel § 106

Von der Mehrzahl der Leute, die wir mit der Erziehung unserer Kinder betrauen, wissen wir bestimmt, dass sie selbst nicht erzogen worden sind. Und dabei sind wir ganz überzeugt davon, dass sie das nicht geben können, was sie selbst nicht empfangen haben und was man auf anderem Wege nicht erwerben kann.

Leopardi, Gedanken (Pensieri), 1845

Jeder Mensch verläßt mit modernen Nerven den Mutterleib. Diese modernen Nerven in unmoderne zu verwandeln, nennt man Erziehung.

Frankfurter Zeitung, 1856-1943. Quelle: Möbel und Menschen, in: Frankfurter Zeitung, 25. August 1929

Allein obgleich der Geist der Erziehung – überall das Ganze meinend – nichts ist als das Bestreben, den Idealmenschen, der in jedem Kinde umhüllt liegt, frei zu machen durch einen Freigewordenen.

Jean Paul, Levana oder Erziehlehre, 2. Auflage 1811 (EA: 1807). Vorrede zur ersten Auflage

Das Kind hasst den, der ihm alles gibt, was es will.

Internet

Jede Erziehung ist Selbsterziehung, und wir sind eigentlich als Lehrer und Erzieher nur die Umgebung des sich selbst erziehenden Kindes.

Steiner, Die pädagogische Praxis vom Gesichtspunkte geisteswissenschaftlicher Menschenerkenntnis. Acht Vorträge, Dornach, 15. bis 22. April 1923. Sechster Vortrag, 20. April 1923

Unglück mit Kindern beginnt meistens schon eine Generation vorher.

Baer-Oberdorf, Wetterleuchten. Aphorismen, 1909

Bilde frühzeitig einen Schutzwall um die Seele deines Kindes; ein anderer kann den Umfang desselben bestimmen, du selber aber mußt die Schranken setzen.

Rousseau, Emil oder über die Erziehung (Émile ou de l'éducation), 1762

Man kritisiert mit dem absprechenden Ton eines Meisters; um Vorschläge zu machen, muß man jedoch einen anderen anschlagen, an welchem die philosophische Erhabenheit weniger Gefallen findet.

Rousseau, Emil oder über die Erziehung (Émile ou de l'éducation), 1762

Das Gefühl der Lust, darf man sagen, ist mit der Natur des Menschen aufs innigste verwachsen; deshalb regiert man ja auch die Jugend beim Werke der Erziehung durch das Mittel von Lust und Schmerz.

Aristoteles, Nikomachische Ethik, 350 v. Chr. Hier nach der Übers. v. Adolf Lasson, Jena 1909

Ein Kind von der allgemeinen Erziehung auszuschließen heißt, seine innere Entwicklung und sein geistiges Leben zu köpfen.

Keller, Der grüne Heinrich, erste Fassung 1854-55; zweite, endgültige Fassung 1879-80

Heilsame Strenge erreicht mehr als der leere Schein der Milde.

Cicero, Briefe. An M. Brutus. Übers. Internet Originaltext: Salutaris severitas vincit inanem speciem clementiae.

Wer die Kinder verzärtelt, setzt sie ins leichte Schiff.

Simrock (Hg.), Die deutschen Sprichwörter (= Die deutschen Volksbücher, Bd. 5), 1846

Gerade die Menschen, die andre durch Verwöhnung zu Egoisten erzogen, wollen die Folgen ihres Tuns am wenigsten ertragen und sind oft ihrer Opfer schärfste Richter.

Waldersee, Späne aus stiller Werkstatt. Aphorismen, 1908

Einseitigkeit ist der größte Fehler unserer Erziehung.

Karl von Österreich-Teschen, Aphorismen, 1893

Die Erziehung hat an der Stelle einzusetzen, wo die unberechtigte Eigenheit und die berechtigte Eigenart einander berühren.

Dix, Aphorismen und Sinnsprüche, 1900

Die streng erzogenen Menschen werden die Könnenden, die Wissenden, die Schaffenden.

Keiter, Lebenssprüche und Zeitbetrachtungen, 1910

Die Wohnungsnot ist groß − gute Kinderstuben findet man fast überhaupt nicht mehr.

Engel, Herr Adam und Frau Eva. Neue Folge, 1924

Öfter, als man glaubt, werden die Eltern durch die Kinder erzogen.

Kalischer, Aphorismen, 1907

Wer nicht gekämpft hat, kann nicht erziehen.

Kalischer, Aphorismen, 1907

Warum wird aus Musterknaben und -schülern selten etwas Bedeutendes? Die Erziehung hat ihre Eigenart getötet.

Bosshart, Bausteine zu Leben und Zeit, posthum hg. von Elsa Bosshart-Forrer, 1929