Erziehung Sprüche – kinder

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Nur aber mit dem Erziehen säen wir auf einen reinen weichen Boden entweder Gift- oder Honigkelche; und wie die Götter zu den ersten Menschen, so steigen wir (physisch und geistig den Kindern Riesen) zu den Kleinen herab und ziehen sie groß oder – klein.

Jean Paul, Levana oder Erziehlehre, 2. Auflage 1811 (EA: 1807). Erstes Bruchstück. Erstes Kapitel. § 1

Es ärgert mich, wenn ich sehe, welche Mühe man sich gibt, um unter diesem rauhen Himmel Ananas, Pisang und andere exotische Pflanzen zu ziehen und wie geringe Sorgfalt man auf das menschliche Geschlecht verwendet.

Meyer (Hg.), Friedrich's des Großen pädagogische Schriften und Äußerungen, 1885

Nicht ohne Plage wird der Mensch erzogen.

Menander, Sentenzen in Monostichen (lat. Monosticha, gr. Monostichoi)

O Himmel, man kommt leichter zu seiner Erzeugung als zu seiner Erziehung.

Büchner, Leonce und Lena, 1836

Bis die absichtliche Erziehung beginnen kann, hat die Natur oder die absichtslose Erziehung dem Kinde schon das Hauptgepräge aufgedrückt, und die absichtliche Erziehung kann nur schattiren und radiren.

Curtmann, Die Schule und das Leben, eine gekrönte Preisschrift, 1847. Originaltext

Der Mensch bedarf der Erziehung. Nicht, als ob er ohne Erziehung nicht gedeihen könnte; sondern weil man es nicht dem Zufall überlassen bleiben soll, ob er gedeihen werde.

Herbart, Allgemeine Praktische Philosophie, 1808. 2. Buch. Die Idee und der Mensch. 8. Kapitel. Der einzelne Mensch, als Gegenstand der Pflicht

Die Erziehung soll frühzeitig die Kritik wenn nicht aller, doch der meisten Wünsche des Herzens sofort an die Verantwortung durch den Verstand verweisen.

Gutzkow, Vom Baum der Erkenntnis. Denksprüche, 1868

Das eben ist der große Irrtum der meisten, die da erziehen und bilden, daß sie im Vertrauen auf ihre pädagogische Weisheit und die Untrüglichkeit ihrer psychologischen Einsichten, der Meinung sind, alles lasse sich anbilden und anerziehen.

Enk, Über Bildung und Selbstbildung, 1842

Habt keine Freude am Ge- und Verbieten, sondern am kindlichen Freihandeln. Zu häufiges Befehlen ist mehr auf die elterlichen Vorteile als auf die kindlichen bedacht.

Jean Paul, Levana oder Erziehlehre, 2. Auflage 1811 (EA: 1807). Sechstes Kapitel. Gebieten, Verbieten. § 64

Man kennt und versteht die Kinderwelt durchaus nicht; je weiter man die falschen Ideen, welche man von derselben hegt, verfolgt, desto weiter verirrt man sich. Die Weisesten behandeln mit Vorliebe das den Menschen Wissenswürdigste, ohne dabei auf die Lern- und Begriffsfähigkeit der Kinder Rücksicht zu nehmen.

Rousseau, Emil oder über die Erziehung (Émile ou de l'éducation), 1762. Vorrede

Wenn ich auch keine gelehrte Erziehung genossen habe, so ersetzt mir die Schule eines bewegten Lebens dasjenige, was sich nicht nachholen läßt.

Keller, G., Autobiographie von 1847

Auch gehört sich für die Kinder eine kurzweilige Beschäftigung, wie denn auch die Kinderklapper des Archytas für eine gelungene Erfindung zu gelten hat. Sie ist für die Kleinen vorgesehen, damit sie, mit ihr beschäftigt, nicht so leicht Sachen im Hause zerbrechen; denn das Kind kann nicht still sitzen.

Aristoteles, Politik. 1340b (VIII, 6.) Übersetzt von Eugen Rolfes (1912)

Wende mir nicht ein, das Erziehungsgeschäft wäre so mühsam. Wo ist denn ein gemeinnütziges Geschäft, das nicht mühsam wäre? … Aber glaube mir, das Erziehungsgeschäft ist nicht so mühsam, als du denkst. Erzieher, die die Erziehung nicht verstanden, haben es in einen üblen Ruf gebracht.

Salzmann, Ameisenbüchlein, oder Anweisung zu einer vernünftigen Erziehung der Erzieher, 1806

Man kann überall, wo Menschen geboren werden, aus ihnen das machen, was ich vorschlage.

Rousseau, Emil oder über die Erziehung (Émile ou de l'éducation), 1762. Vorrede

Überhaupt nie stelle sich der Vater mit einem Karenz- und Pönitenz-Gesicht oder leidtragendem Anstand vor das Kind, als sei in einem Leben so viel zu verlieren, das man doch selber verliert.

Jean Paul, Levana oder Erziehlehre, 2. Auflage 1811 (EA: 1807). Drittes Bändchen. Sechstes Bruchstück. Sittliche Bildung des Knaben. Erstes Kapitel § 106

Von der Mehrzahl der Leute, die wir mit der Erziehung unserer Kinder betrauen, wissen wir bestimmt, dass sie selbst nicht erzogen worden sind. Und dabei sind wir ganz überzeugt davon, dass sie das nicht geben können, was sie selbst nicht empfangen haben und was man auf anderem Wege nicht erwerben kann.

Leopardi, Gedanken (Pensieri), 1845

Jeder Mensch verläßt mit modernen Nerven den Mutterleib. Diese modernen Nerven in unmoderne zu verwandeln, nennt man Erziehung.

Frankfurter Zeitung, 1856-1943. Quelle: Möbel und Menschen, in: Frankfurter Zeitung, 25. August 1929

Allein obgleich der Geist der Erziehung – überall das Ganze meinend – nichts ist als das Bestreben, den Idealmenschen, der in jedem Kinde umhüllt liegt, frei zu machen durch einen Freigewordenen.

Jean Paul, Levana oder Erziehlehre, 2. Auflage 1811 (EA: 1807). Vorrede zur ersten Auflage

Das Kind hasst den, der ihm alles gibt, was es will.

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Jede Erziehung ist Selbsterziehung, und wir sind eigentlich als Lehrer und Erzieher nur die Umgebung des sich selbst erziehenden Kindes.

Steiner, Die pädagogische Praxis vom Gesichtspunkte geisteswissenschaftlicher Menschenerkenntnis. Acht Vorträge, Dornach, 15. bis 22. April 1923. Sechster Vortrag, 20. April 1923

Unglück mit Kindern beginnt meistens schon eine Generation vorher.

Baer-Oberdorf, Wetterleuchten. Aphorismen, 1909