Glück Sprüche – zeit

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Nachtigall Wenn ich zur Nacht aus dem Wirtshaus hinke, Wo ich Geld und Verstand vertrinke, Wie meine Mutter und teure Magen Mir des öftern belieben zu sagen: Dann hör ich wohl auch, wie Tausende schon, Der Nachtigall lüsternen Klageton: Das zittert so hell aus lauterer Kehle Und dringt so hinein in die Menschenseele. Da steh ich auf altem Paradeplatze, hängenden Schweifes schleicht eine Katze - Und ich denk an mein weibliches Ideal, Das aus hundert Weibern zusammen ich stahl – Und denk an die Esel vergangener Zeit, An des Glückes notorische Schlüpfrigkeit Und mir ist, als könnt ich da unten auf Erden Noch einmal riesig glücklich werden.

Scharf, Gesammelte Lyrik und Prosa. Mit einer Auswahl aus dem Briefwechsel und einer Rezension von Eduard v. Keyserling, hg. von Walter Hettche, Aisthesis Archiv 16, Aisthesis Verlag 2011. Wiedergabe mit freundlicher Erlaubnis des Aisthesis Verlags. Lieder eines Menschen (1892)

Im Glücke geht ein wunderliches Walten! Viel besser magst du's finden als behalten; Es wanket, eh man irgend es besorgt. Den es betrüben will, es gern bei Zeit bedenket, Und nimmt bei Zeitren gern zurück, was es geschenket; Den blendet's, der zu viel von ihm geborgt. Es hat schwache Stütze Das gläserne Glücke; Spiegelt sich's den Augen und scheint wunders nütze: Gerade dann bricht's leicht in kleine Stücke.

Gottfried von Straßburg, Tristan, um 1210 (Fragment)

Wie lang kann eine Nacht oft sein und doch auch wieder kurz. Stunden können wie Tage sein… Das Glück währt immer zu kurz.

Vogel, Im Zwielicht. Aphorismen, 1946

Glück und Mond haben keinen Bestand.

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Es ist das Glück ein flüchtig Ding Und war's zu allen Tagen; Und jagtest du um der Erde Ring, Du möchtest es nicht erjagen. Leg' dich lieber ins Gras voll Duft Und singe deine Lieder; Plötzlich vielleicht aus blauer Luft Fällt es auf dich hernieder. Aber dann pack' es und halt es fest Und plaudre nicht viel dazwischen; Wenn du zu lang es warten läßt, Möcht' es dir wieder entwischen.

Geibel, E., Gedichte. Jugendgedichte. Erstes Buch. Lieder als Intermezzo, 34.

Sie besitzen und Sie verlieren, das heißt einen Augenblick Glück mit einer Ewigkeit Sehnsucht erkaufen.

Laclos, Gefährliche Liebschaften (Les Liaisons dangereuses), 1782

Die Zeit enteilt im raschen Flug, Dem alten Jahre folgt das neue; Bleibt uns bewahrt der Freunde Treue, So rufen froh wir: Glücks genug!

Wagner, Tage und Worte. Gesammelte Reisesprüche für die Wanderung durch das Leben, 1903

Frohgemut nimm was die Sekunde schenkt und – weg mit dem Ernste!

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Das Glück gibt um zu nehmen Das Glück gibt um zu nehmen; Und wolltest du dich grämen, Wenn es gegebnes nimmt, Wie es war vorbestimmt? Mußt dich entweder schämen, Unsichres anzunehmen, Oder nicht sein ergrimmt, Wenn was zuschwamm entschwimmt.

Rückert, Gedichte. Kindertotenlieder, entstanden 1833-1834

Säume nicht, das Glück zu küssen, Denn es eilt in stetem Lauf, Es beschenket uns mit Nüssen, Doch – es knackt sie uns nicht auf!

Fliegende Blätter, humoristische deutsche Wochenschrift, 1845-1944

Glück und Glas, wie schimmern sie nicht, die zerbrechlichen, beide! Nütze sie beide. Nur, Freund, baue kein gläsernes Haus.

Bouterwek, Neue Vesta. Kleine Schriften zur Philosophie des Lebens und zur Beförderung der häuslichen Humanität, hg. von Fr. Bouterwek, 11 Bde., 1803-1810

Hier ist das Glück vergänglich wie der Tag, Dort ist es ewig wie die Liebe Gottes.

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Wenn, was wir klüglich und weislich erdacht, Das Glück uns tückisch zu Schanden gemacht; So ist das hart zu untergehn. Aber tausend Mal härter ist es zu sehn, Wenn was das Glück uns legte zur Hand Tölpisch zerschlug unser Unverstand.

Schopenhauer, A., Nachlass. Brieftasche (1822/23)

Reifes Glück Meine Blütenjahre sind ungenutzt dahingeflossen; denn das Glück hielt seine Pforten neidisch vor mir zugeschlossen. Lachend schaut es durch den Spalt, nun des Sommers Rosen starben – und von seinem Erntefelde beut es mir die reifen Garben.

Müller-Jahnke, Gedichte, Gesamtausgabe, hg. von Oskar Jahnke 1910

Der Moderne Nun hab' ich mein grämliches Winterweh Sechs Monde mystisch gehütet Und hab' auf manchem ästhetischen Tee Pessimistische Eier gebrütet. Mein Büchlein, das meinen Gram umschloß, Kam in die besten Familien; Mein Büchlein, das meinen Kummer ergoß Auf stilisierte Lilien. Die schlanken Mondänen durchforschten's mit Fleiß, Und heimlich lasen's die Zofen; Und alle tranken literweis Mein Herzblut aus meinen Strophen. Sie lobten an meiner Seele Not Die Feuer, die zuckend verflammten, Und sprachen von meinem nahen Tod Mit der Ruhe des Standesbeamten… Doch heut' ist draußen der Frühling erwacht, Schon duftet's nach hellen Syringen – Mein Herz spürt die Sonne und klopft und lacht Und hört die Knospen springen. Mein Herz zerreißt seinen Trauerflor, Meine Jugend wird wieder munter, Sie haut der Sorge eins hinter das Ohr Und schmeißt sie die Treppe hinunter. Vom junggrünen Teppich der Wiese her Klingen Schalmeien und Tänze… So werf' ich hinter der Fliehenden her Die raschelnden Lorbeerkränze. Und blinzelt zur Nacht mir ein lustiger Stern, Ich folg' ihm augenblicklich – O Gott, wie bin ich unmodern! O Gott, wie bin ich glücklich!

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Doch wer einst glücklich war und nun ins Elend stürzt, kommt nie zur Ruh', wenn er des frühen Glückes gedenkt.

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Wir wollen einander nicht aufs ewige Leben vertrösten. Hier noch müssen wir glücklich sein.

Goethe, J. W., Briefe. An Auguste Gräfin zu Stolberg, 16. September 1775

Halt nicht zu fest, was du gewannst, Und schlag's dir aus dem Sinn, Denn eh' du's recht beweinen kannst, Bist du schon selbst dahin!

Hebbel, Tagebücher. Nach der historisch-kritischen Ausgabe von R. M. Werner, 4 Bde., 1903-04. 1861

Schuldner oder Gläubiger Manch ungehobelt Holz wird zum Merkur gemacht, Weil mancher theure Mann, aus aller Höfling' Acht, Sich sonst bei keinem Maß, als seinem Schatten mißt. Viel hebt das Glück empor, viel' hält es auch zurück; Doch wer die Welt recht kennt, der findet, daß das Glück Mehr Schulden ausstehn hat, als es selbst schuldig ist.

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Glück und Unglück O, daß der Freude lichter Born, Einmal getrübt, so leicht versiegt, Und unser Glück und unsre Lust Spurlos wie Schaum im Wind verfliegt! Indes von jedem Unglück doch Ein Stachel tief im Herzen bleibt Und unauslöschbar seine Schrift Der Schmerz in Stirn und Wangen schreibt!

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Langsames Glück. Langsam-kommendes Glück pflegt auch am längsten zu weilen; Schnelle Vortrefflichkeit stehet am ehesten still. Vögel, entschlüpfend dem Ei, sind was sie sollen von Anfang; Langsam wächset der Mensch, aber zum Herrscher der Welt.

Herder, Blumen aus morgenländischen Dichtern gesammlet (in: Zerstreute Blätter, 4. Sammlung), 1792. Drittes Buch