Krieg Sprüche – zeit

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So ist der Krieg: am Morgen hoch oben, am Abend tief unten!

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Am zweiten August 1914 Es stehen zwei Wetterwände Über dem Tal, Es fallen die Feuerbrände Strahl um Strahl. Sie fallen in reifender Ähren Wogendes Gold Sie sengen und verzehren Im Höllensold. Auf stehen die Völkerheere – Fiel nicht ein Schuß? 's treibt einer auf dunkler Fähre Über den roten Fluß.

Bosshart, J., Gedichte

Wo Krieg ist, wird der Brotacker dürr und der Gottesacker feist.

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Deß Krieges Buchstaben Kummer, der das Marck verzehret, Raub, der Hab und Gut verheret, Jammer, der den Sinn verkehret, Elend, das den Leib beschweret, Grausamkeit, die unrecht fehret: Sind die Frucht, die Krieg gewehret.

Logau, Sämmtliche Sinngedichte, 1872 (EA: 1654). Originaltext

Das Verhältnis der Dinge und nicht das der Menschen zueinander ruft den Krieg hervor…

Rousseau, Vom Gesellschaftsvertrag oder Prinzipien des Staatsrechtes (Du Contrat social ou Principes du droit politique), entstanden 1754-58, Erstdruck 1762

Der Krieg ist das Besäufnis des Todes.

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Oben ziehen still die Kraniche, Unten zanken sich laut die Wölfe. Der Krieg läßt mich nicht schlafen. Wer hat die Kraft und ordnet Himmel und Erde?

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Wie töricht sind Nationen, die ihre Größe im Ruhm der Waffen suchen. Eine jede besaß solchen einmal und verlor ihn wieder.

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Sie hassten und töteten, und die Menschen priesen sie. Aber Gott fühlt die Schmach und eilt, ihr Andenken unter dem grünen Grase zu verbergen.

Tagore, Verirrte Vögel (Stray Birds), 1916; hier übersetzt von Helene Meyer-Franck. [186]

Du Gott des Krieges, laß die Erde! Dein Schritt, mit Blut bemerkt, ist fürchterlich, ist schwer, Verändre doch die schreckliche Gebärde, Und schüttle länger nicht den Speer.

Karsch, Gedichte, 1792 (posthum). Aus: Ein Gebet an den Mars, 1762

Nun sieht man zu gleicher Zeit fünf bis sechs kriegführende Mächte, bald drei gegen drei, bald zwei gegen vier, bald eine gegen fünf, die sich alle gleichermaßen verabscheuen und sich abwechselnd verbünden oder befehden; aber alle einig in dem einen Punkt, so viel als möglich Unheil zu stiften.

Voltaire, Kleine philosophische Aufsätze. Wider den Krieg

Der ird'schen Güter bestes ist der Frieden; Nichts Schlimm'res gibt es, als den Krieg hienieden.

Scheich Hîlalî, König und Derwisch, um 1500

Krieg und Liederlichkeit! die bleiben immer in der Mode.

Shakespeare, Troilus und Cressida (Troilus and Cressida), Erstdruck 1610. V, 2, Thersite

Es wird die Zeit kommen, wo die Völker den Unsinn des Krieges einsehen werden.

Tolstoi, Für alle Tage. Ein Lebensbuch. Erste vollständig autorisierte Übersetzung, hg. von Dr. E. H. Schmitt und Dr. A. Skarva, 2 Bde., Dresden 1906/07

Unter friedlichen Umständen fällt der kriegerische Mensch über sich selber her.

Nietzsche, Jenseits von Gut und Böse, 1886. Viertes Hauptstück. Sprüche und Zwischenspiele

Ist es denn so reizend, sich mit Trümmern In die Weltgeschichte einzubau'n?

Tiedge, C. A., Gedichte. Kleinere Dichtungen. Aus: Elegie auf dem Schlachtfelde bei Kunersdorf, 1803

Aller welt rat, macht, trotz und streit Ist lauter tand und eitelkeit, Macht doch mord, armut, herzeleid. Got helf und tröst in ewigkeit!

Rollenhagen, Froschmäuseler, 1595. Originaltext

Krieg dem Kriege Sie lagen vier Jahre im Schützengraben. Zeit, große Zeit! Sie froren und waren verlaust und haben daheim eine Frau und zwei kleine Knaben, weit, weit –! Und keiner, der ihnen die Wahrheit sagt. Und keiner, der aufzubegehren wagt. Monat um Monat, Jahr um Jahr ... Und wenn mal einer auf Urlaub war, sah er zu Haus die dicken Bäuche. Und es fraßen dort um sich wie eine Seuche der Tanz, die Gier, das Schiebergeschäft. Und die Horde alldeutscher Skribenten kläfft: »Krieg! Krieg! Großer Sieg! Sieg in Albanien und Sieg in Flandern!« Und es starben die andern, die andern, die andern ... Sie sahen die Kameraden fallen. Das war das Schicksal bei fast allen: Verwundung, Qual wie ein Tier, und Tod. Ein kleiner Fleck, schmutzigrot – und man trug sie fort und scharrte sie ein. Wer wird wohl der nächste sein? Und ein Schrei von Millionen stieg auf zu den Sternen. Werden die Menschen es niemals lernen? Gibt es ein Ding, um das es sich lohnt? Wer ist das, der da oben thront, von oben bis unten bespickt mit Orden, und nur immer befiehlt: Morden! Morden! – Blut und zermalmte Knochen und Dreck ... Und dann hieß es plötzlich, das Schiff sei leck. Der Kapitän hat den Abschied genommen und ist etwas plötzlich von dannen geschwommen. Ratlos stehen die Feldgrauen da. Für wen das alles? Pro patria? Brüder! Brüder! Schließt die Reihn! Brüder! das darf nicht wieder sein! Geben sie uns den Vernichtungsfrieden, ist das gleiche Los beschieden unsern Söhnen und euern Enkeln. Sollen die wieder blutrot besprenkeln die Ackergräben, das grüne Gras? Brüder! Pfeift den Burschen was! Es darf und soll so nicht weitergehn. Wir haben alle, alle gesehn, wohin ein solcher Wahnsinn führt – Das Feuer brannte, das sie geschürt. Löscht es aus! Die Imperialisten, die da drüben bei jenen nisten, schenken uns wieder Nationalisten. Und nach abermals zwanzig Jahren kommen neue Kanonen gefahren. – Das wäre kein Friede. Das wäre Wahn. Der alte Tanz auf dem alten Vulkan. Du sollst nicht töten! hat einer gesagt. Und die Menschheit hörts, und die Menschheit klagt. Will das niemals anders werden? Krieg dem Kriege! Und Friede auf Erden.

Tucholsky, Werke 1907-1935. In: Ulk, 13.06.1919, Nr. 24 (Theobald Tiger)

Im Schlaf um Mitternacht Von manchem Gesicht in Seelennot, Von dem ersten Blick aus den Augen tödlich Getroffener, Diesem ersten unbeschreiblichen Blick! – Von den Toten, die mit ausgebreiteten Armen auf dem Rücken liegen, Träume ich, träume ich Im Schlaf um Mitternacht. Von Wäldern, Feldern und Bergen, Von sturmzerrissenen Wolken, Vom Mond, der märchenhell schimmerte, Wo wir die Schanzen und die Schanzkörbe aufwarfen In schweigender Arbeit, Träume ich, träume, träume ... Lange sind sie dahin, Gesichter und Schanzen und Felder, Wo ich im Schlachtgetümmel Mit gelassener Ruhe zu den Verwundeten trat, Und weg von den Toten. Vorwärts eilte ich damals – doch jetzt erscheinen sie wieder zur Nachtzeit, Wenn ich träume, träume, träume ...

Whitman, Grashalme (Leaves of Grass), 1855, endgültige Ausgabe letzter Hand 1891/92, übersetzt von Wilhelm Schölermann 1904

Wildgänse rauschen durch die Nacht Mit schrillem Schrei nach Norden – Unstäte Fahrt! Habt acht, habt acht! Die Welt ist voller Morden. Fahrt durch die nachtdurchwogte Welt, Graureisige Geschwader! Fahlhelle zuckt, und Schlachtruf gellt, Weit wallt und wogt der Hader. Rausch' zu, fahr' zu, du graues Heer! Rauscht zu, fahrt zu nach Norden! Fahrt ihr nach Süden übers Meer – Was ist aus uns geworden! Wir sind wie ihr ein graues Heer Und fahr'n in Kaisers Namen, Und fahr'n wir ohne Wiederkehr, Rauscht uns im Herbst ein Amen!

Flex, Der Wanderer zwischen beiden Welten. Autobiographie. Ein Kriegserlebnis, 1916

Die höchste Weisheit der Schöpfung ist vielleicht, daß alles in der Natur seine Feinde hat; dies regt das Leben auf! Sterben ist nur ein scheinbares Aufhören und kömmt beim Ganzen wenig in Betrachtung. Alles, was atmet, und wenn es auch Nestor wird, ist ohnedies in einer kurzen Reihe von Tagen nicht mehr dasselbe.

Heinse, Ardinghello und die glückseligen Inseln, 1787. Originaltext