Leben Sprüche

Sprüche über das Leben und seine Bedeutung

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Siehe, ich lebe. Woraus? Weder Kindheit noch Zukunft werden weniger …Überzähliges Dasein entspringt mir im Herzen.

Rilke, Die Gedichte. Nach der von Ernst Zinn besorgten Edition der sämtlichen Werke, Insel Verlag 1957. Duineser Elegien, 1912/1922

Die ewige Sanduhr des Daseins wird immer wieder umgedreht — und du mit ihr, Stäubchen vom Staube!

Nietzsche, Die fröhliche Wissenschaft (La gaya scienza), 1882 (ergänzt 1887)

Wie lange müsste eigentlich das Leben dauern, um nicht kurz zu scheinen? ... Einige Ewigkeiten?! ...

Wertheimer, Aphorismen. Gedanken und Meinungen, 1896

Mein Leben beginnt jeden Morgen neu und endet jeden Abend; Pläne und Absichten darüber hinaus habe ich keine; d. h., es kann natürlich zum Tagewerk gehören, vorauszudenken [...], aber eine ›Sorge‹ für den kommenden Tag darf es nie sein.

Stein, E., Briefe. 12. Februar 1928

Das Leben ist eine Skatpartie. Das Geschick allein hilft nicht. Aber selbst wenn die Minderbegabten oft die meisten Wenzel haben, können sie nur durch ihr Glück das Spiel auch noch nicht gewinnen.

Weber, Ohne Maulkorb. Gereimte Satiren, 1905

Die größte Geißel dieses modernen Lebens ist es, Dingen Bedeutung beimessen zu müssen, die in Wahrheit gar keine besitzen.

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Die Kürze unseres Erdenlebens ist eine Gewißheit, die weder unsere Freuden stören noch unseren Kummer lindern kann.

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Leichter Sinn Und wie wär' es nicht zu tragen Dieses Leben in der Welt? Täglich wechseln Lust und Plagen, Was betrübt und was gefällt. Schlägt die Zeit dir manche Wunde, Manche Freude bringt ihr Lauf; Abereinesel'ge Stunde Wiegt ein Jahr von Schmerzen auf. Wisse nur das Glück zu fassen, Wenn es lächelnd dir sich beut! In der Brust und auf den Gassen Such' es morgen, such' es heut. Doch bedrängt in deinem Kreise Dich ein flüchtig Missgeschick, Lächle leise, hoffe weise Auf den nächsten Augenblick. Nur kein müßig Schmerzbehagen! Nur kein weichlich Selbstverzeihn! Kommen Grillen, dich zu plagen, Wiege sie mit Liedern ein. Froh und ernst, doch immer heiter Leite dich die Poesie, Und die Welle trägt dich weiter, Und du weißt es selbst nicht wie.

Geibel, E., Gedichte. Jugendgedichte. Drittes Buch. Athen

Das Leben ist restlose Vereinigung des Unvereinbaren.

Hofmannsthal, Buch der Freunde, 1922

Man muss nicht nur die Bücher exzerpieren lernen, sondern das Leben selbst.

Eyth, Bilder ohne Rahmen. Aus den Papieren einer Unbekannten mitgetheilt – nicht von ihr selbst, 8. Auflage 1894 (EA: 1852) (anonym)

Das Leben ist ein Geschenk, das wir verdienen, indem wir es hingeben.

Tagore, Verirrte Vögel (Stray Birds), 1916; hier übersetzt von Helene Meyer-Franck. [56]

Wir fahren alle dahin wie Schatten; unser Leben ist wie ein Versailler Ministerposten, heute etwas und morgen ein Nichts.

Voltaire, Kleine philosophische Aufsätze. Allerlei Temperamentsergüsse

Genau besehen und gerecht beurteilt, ist in Wahrheit das Leben ebenso reich, wenn nicht reicher, an Freude als an Leid. Es ist nur die Pupille unseres Auges oft für das Dunkle empfindlicher als für das Helle.

Keppler, Mehr Freude, 1909

Die Wolke sprach zu mir: "Ich vergehe"; die Nacht sprach: "Ich tauche ein in den feurigen Morgen." Der Schmerz sprach: "Ich verharre in tiefem Schweigen als seine Fußspur." – "Ich sterbe hinein in die Vollendung", sprach mein Leben zu mir. Die Erde sprach: "Mein Licht küßt deine Gedanken jeden Augenblick." – "Die Tage vergehen", sprach die Liebe, "aber ich warte auf dich." Der Tod sprach: "Ich fahre das Boot deines Lebens über das Meer."

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15. Schiffahrt des Lebens Wir irren auf der See der Welt, Weil eine Fluth die andre schwellt, Kein Vorgebürg' erscheint zur rechten noch zur lincken; Wir sein der Wellen Gauckelspiel, Süd', Ost, Nord, West gilt uns gleich viel, Weil wir den Haven nur erreichen, wenn wir sincken.

Wernicke, C., Gedichte und Epigramme. Überschrifften in zehn Büchern. Erstdruck Amsterdam, 1697. Der Uberschriffte vierdtes Buch. Originaltext

Meine Zeit ist vorbei, ist begraben im Schnee, ist verwelkt und verdorrt, ist verschwunden und fort, wohin und wohin ich auch seh.

Löns, H., Gedichte. Aus: Aus und vorbei, in: ›Der kleine Rosengarten‹, 1911

Es hat keiner ein Schloss vor seinem Leben.

Düringsfeld/Reinsberg-Düringsfeld (Hg.), Sprichwörter der germanischen und romanischen Sprachen, 2 Bde., 1872-75

Man stelle sich eine Anzahl Menschen vor, in Ketten geschlagen, die alle zum Tode verurteilt sind, von denen alle Tage einige vor den Augen der anderen erdrosselt werden: die übrigbleiben, erkennen ihre eigene Lage in der ihrer Schicksalsgenossen, sie betrachten einander mit Schmerz und ohne Hoffnung, wartend, bis die Reihe an ihnen ist. Das ist ein Gleichnis vom Zustand der Menschen.

Pascal, Gedanken über die Religion und einige andere Gegenstände (Pensées sur la religion et sur quelques autres sujets), Erstdruck 1669/70 (posthum)

Leben heißt, das Leben fühlen, heißt starke Eindrücke empfangen.

Stendhal, Über die Liebe (De l'Amour), 1822

Das Leben ist ein Paradies, und alle sind wir im Paradiese, wir wollen es nur nicht wahrhaben; wenn wir es aber wahrhaben wollten, so würden wir morgen im Paradiese sein.

Dostojewski, Die Brüder Karamasow, 1878-80

Ich lieb ein pulsierendes Leben Ich lieb ein pulsierendes Leben, das prickelt und schwellet und quillt, ein ewiges Senken und Heben, ein Sehnen, das niemals sich stillt. Ein stetiges Wogen und Wagen auf schwanker, gefährlicher Bahn, von den Wellen des Glückes getragen im leichten, gebrechlichen Kahn .... Und senkt einst die Göttin die Waage, zerreißt sie, was mild sie gewebt, – ich schließe die Augen und sage: Ich habe geliebt und gelebt!

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