Leben Sprüche

Sprüche über das Leben und seine Bedeutung

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Oft schläft, wie edles Samenkorn, Das Herz der Sterblichen in toter Schale, Bis ihre Zeit gekommen ist [...].

Hölderlin, Der Tod des Empedokles, entstanden 1797-1800, unvollendetes Drama, posthum veröffentlicht in drei Fassungen 1846. 2. Akt, 4. Auftritt, Empedokles (Erste Fassung)

Was ist der Tod gegen ein Leben ohne Mut zum Leben?

Bjørnson, Über die Kraft I (Over Ævne I), 1883

Die Winterwasser rauschen, dem Bache muß ich lauschen, der unterm Brückstein quillt; so rauscht das junge Leben und will das Schicksal heben und gurgelt so und schwillt; die Quadern bleiben liegen, das Wasser muß sich schmiegen, und schäumt's auch noch so wild.

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Ohne Dornenhecken rechts und links würden wir nicht auf dem Weg zum Himmel bleiben.

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Nach bestimmten Gesetzen treten wir ins Leben ein, die Tage sind gezählt, die uns zum Anblicke des Lichts reif machen, aber für die Lebensdauer ist kein Gesetz. Der schwächste Lebensfaden zieht sich in unerwartete Länge, und den stärksten zerschneidet gewaltsam die Schere einer Parze, die sich in Widersprüchen zu gefallen scheint.

Goethe, Wilhelm Meisters Lehrjahre, 1795/6. 8. Buch, 8. Kapitel

An den Scheidewegen des Lebens ist die erste kleine Pflicht, die sich zeigt, gewöhnlich ein Wegweiser.

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An meinem Leben liegt mir gar nichts. Was hat man von die fünfzig bis sechzig Jahre langen Luftschnapperei? Da hat sich die Natur ausgezeichnet! Ohne Luft kann man nicht leben, und von der Luft kann man aber auch nicht leben. Kannst du uns Luft geben umsonst, gib uns die Nahrung auch zu diesem Preis! Zu was die Plag und das G'frett? 's Leben ist sein Lebtag nicht wert, daß man sich so 's Leben abifrißt, um sich's 's Leben zu erhalten.

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Es wäre besser gewesen, es wie alle Welt zu machen, das Leben weder zu ernst noch allzu lächerlich zu nehmen.

Flaubert, November (Novembre), 1842; deutsch von E. W. Fischer, Leipzig 1916

Was dem Leben eines Menschen erst Wert gibt, ist ein besonnenes Urteil und eine stetige Arbeitskraft.

Freytag, Soll und Haben, 1855

Das Leben korrigiert unsere Ideale später wie Schüleraufgaben und füllt die durchgestrichenen Stellen aus, welche sich zuletzt – durch unsere Erfahrung – als die rechte Logik bestätigen.

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Der Schenken Lärm, des Dammes glatter Schlamm, Auf schwarzer Straße blattlos Stamm nach Stamm – Der Omnibus, Orkan aus Eisen, schrillt Heran, von den vier Rädern schief umquirlt, Schmeißt Schmutz und dreht die Augen grün und rot, Arbeiter waten schlüpfrig durch den Kot Und rauchen Polizisten ins Gesicht, Es tropft und trieft und Dach und Asphalt bricht Von Wassern, die der Ausguß rückwärts stieß – Mein Weg! Am Ende liegt das Paradies.

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Man badet zweimal nicht im selben Bach, erwacht nicht zweimal zu demselben Leben.

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Man soll nicht mehr lernen, als man unbedingt gegen das Leben braucht.

Kraus, Pro domo et mundo, 1912. III. Von Journalisten, Ästheten, Politikern, Psychologen, Dummköpfen und Gelehrten

Eine der Ursachen unseres Ungemachs ist die, dass wir uns in unserer Lebensweise nach dem Beispiel anderer richten und uns nicht durch die Vernunft leiten lassen, sondern der Gewohnheit als Führerin folgen.

Seneca, Briefe an Lucilius (Epistulae morales ad Lucilium), 62 n. Chr. 123. Brief. Übersetzt von Otto Apelt (1924)

Ein Album ist der Menschen inn'res Leben, Das aufbewahrt in Gottes Händen bleibt, Ein leeres Blatt wird Jeglichem gegeben, Und Jeder ist nur, was er darauf schreibt.

Feuchtersleben, Gedichte aus dem Nachlass (in: Sämmtliche Werke in sieben Bänden, 2. Band), 1851

Das Leben – es ist die Erinnerung an den vorüberfliegenden Tag, den wir zu Gast zugebracht haben.

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Es gibt keinerlei Lebensbedingungen, an die sich der Mensch nicht gewöhnen könnte, namentlich wenn er sieht, daß seine ganze Umgebung das gleiche Leben führt.

Tolstoi, Anna Karenina (Анна Каренина), 1873-78

Das Leben ist für die meisten ein Geschäft.

Hebbel, Tagebücher. Nach der historisch-kritischen Ausgabe von R. M. Werner, 4 Bde., 1903-04. 1840

Nicht auf dem Boden deiner Erde wandelst du, armer Mensch, sondern auf einem Dach deines Hauses, das durch viel Überschwemmungen erst zu dem werden konnte, was es dir jetzt ist.

Herder, Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit, 4 Bde., 1784-91. Erster Teil. Zweites Buch. I. Unser Erdball ist eine große Werkstätte zur Organisation sehr verschiedenartiger Wesen

Auf die ewige Lebendigkeit aber kommt es an: Was ist am „ewigen Leben“ und überhaupt am Leben gelegen!

Nietzsche, Menschliches, Allzumenschliches. Ein Buch für freie Geister, 2. erweiterte Auflage 1886 (EA: 1878). Zweiter Band. Erste Abteilung. Vermischte Meinungen und Sprüche

Das Leben ist das einzige Mittel, um der Vergangenheit, den Erinnerungen, uns selber zu entfliehen. Nicht als ob wir ihnen treulos werden wollten, sie bleiben uns und wir bleiben ihnen. Aber das Leben stiftet seinen Frieden dazwischen.

Rodenberg, Die neue Sündflut, 4 Bde., 1865