Leben Sprüche – klassisch
177 Sprüche gefunden
Es gibt und gab niemals einen Zustand, der nicht seine Pflichten und sein Ideal gehabt hätte.
Aus deinem Auge wisch die Trän Sei stolz und laß die Klage; Wie dir wird's manchem noch ergehn Bis an das End' der Tage. Noch manch ein Rätsel ungelöst Ragt in die Welt von heute, Doch ist dein sterblich Teil verwest, So kommen andre Leute. Die Falten um die Stirne dein Laß sie nur heiter ranken; Das sind die Narben, die darein Geschlagen die Gedanken. Und wird dir auch kein Lorbeerreis Als Schmuck darum geflochten: Auch der sei stolz, der sonder Preis Des Denkens Kampf gefochten.
Immer in einer Sphäre und dennoch immer neu zu bleiben, ist nur das Vorrecht eines sehr großen Genies.
Am Morgen Du rechte Morgensonne meines Lebens, O leuchte mir denn heute nicht vergebens, Sei du mein Licht, wenn ich im Dunkeln steh', Umleuchte mich mit Heil und Glanz und Wonne, Daß ich mit Freuden in die Abendsonne Am Ende meiner Erdenwallfahrt seh'.
Anrede Ich bin nur Flamme, Durst und Schrei und Brand. Durch meiner Seele enge Mulden schießt die Zeit Wie dunkles Wasser, heftig, rasch und unerkannt. Auf meinem Leibe brennt das Mal: Vergänglichkeit. Du aber bist der Spiegel, über dessen Rund Die großen Bäche alles Lebens geh'n, Und hinter dessen quellend gold'nem Grund Die toten Dinge schimmernd aufersteh'n. Mein Bestes glüht und lischt – ein irrer Stern, Der in den Abgrund blauer Sommernächte fällt – Doch deiner Tage Bild ist hoch und fern, Ewiges Zeichen, schützend um dein Schicksal hergestellt.
Drei Tage weiß ich nur als Gestern, Heut und Morgen: Wenn aber Gestern wird ins Heut und Nun verborgen Und Morgen ausgelöscht, so leb ich jenen Tag, Den ich, noch eh ich ward, in Gott zu leben pflag.
Die Kunst zu leben besteht in dem Vermögen, die Reste der Vergangenheit zu jeder Zeit durchstreichen zu können.
Oft schläft, wie edles Samenkorn, Das Herz der Sterblichen in toter Schale, Bis ihre Zeit gekommen ist [...].
Eine der Ursachen unseres Ungemachs ist die, dass wir uns in unserer Lebensweise nach dem Beispiel anderer richten und uns nicht durch die Vernunft leiten lassen, sondern der Gewohnheit als Führerin folgen.
Eine außerordentliche Sorge trieb den Menschen, sein Dasein zu verlängern. Er hat alles, was ihm möglich war, dazu getan. In betreff seines Körpers die Grabmäler, in betreff seines Namens den Ruhm.
Unter allen Völkerschaften haben die Griechen den Traum des Lebens am schönsten geträumt.
Blasse Menschen seh' ich wandeln, Und die Klag' tönt allerorten: »Schal ist unser Tun und Handeln, Siech und alt sind wir geworden.« Wollt' euch nie bei euerm Forschen Die uralte Mär erklingen Von dem Brunn, darin die morschen Knochen wundersam sich jüngen? Und der Brunn ist keine Dichtung, Fließt so nah vor euren Toren, Euch nur mangelt Weg und Richtung, Ihr nur habt die Spur verloren. Drauß im Wald, im grünen, heitern, Wo die Menschenstimmen schweigen, Wo auf duft'gen Farrenkräutern Nächtlich schwebt der Elfenreigen: Dort, versteckt von Stein und Moose, Rauschet frisch und hell die Welle, Dort entströmt der Erde Schoße Ewig jung die Wunderquelle. Dort, umrauscht von Waldesfrieden, Mag der kranke Sinn gesunden, Und des Lenzes junge Blüten Sprossen über alten Wunden.
Bedenke auch, daß alle Zeit, in der wir nicht waren, mag ihre Dauer auch von Ewigkeit sein, für uns wie nicht gewesen ist.
Es liegt in der Natur des Menschen langes Leben zu lieben und vorzeitigen Tod zu scheuen, Sicherheit zu lieben und Gefahr zu scheuen, Ehre zu lieben und Schande zu scheuen, Ruhe zu lieben und die Mühsal zu scheuen.
Im Lauf der Welt ist das Gemeine des Erhabnen Schatten.
Dies ist die Lehre des Lebens, die erste und letzte und tiefste, Daß es uns löset vom Bann, den die Begriffe geknüpft.
Wäre nicht Erinnerung, Schiene Traum, was Leben war! Aber wen die Götter lieben, Stirbt er auch in grauem Haar, Dennoch stirbt er ewigjung.
Auf einen, der lebte und unsterblich ward, kommen Millionen, die starben und nicht gelebt haben.
Lebe so, daß du allezeit zu sterben bereit bist.
Lasset uns, ihr Lieben, so sehr wie möglich leben: das Leben zum Leben machen durch den weisesten und geistigsten Genuß und Gebrauch desselben!
Zähle deine Stunden, und du erübrigst Jahre.