Leben Sprüche – klassisch

177 Sprüche gefunden

Aktive Filter: Leben klassisch

Was lebt, ist unvertilgbar, bleibt in seiner tiefsten Knechtsform frei, bleibt Eins und wenn du es scheidest bis auf den Grund, bleibt unverwundet und wenn du bis ins Mark es zerschlägst und sein Wesen entfliegt dir siegend unter den Händen.

Hölderlin, Hyperion oder der Eremit in Griechenland, 2 Bde., 1797-99. Zweiter Band. Zweites Buch. Hyperion an Bellarmin

Ach, es ist wahrlich all eins, ob man bettelt oder gut lebt, wem das Herz freundlich ist zu geben und seine Liebe wieder willig zu empfangen, der allein ist reich.

Internet

Die Philosophen haben recht, wenn sie sagen: Wenn du das Leben verstehen willst, blicke in die Vergangenheit. Sie vergessen aber, daß, wenn du leben willst, du dich der Zukunft zuwenden mußt.

Internet

Alte Ketten Und folgst du neuer Lust und Pflicht, Des Sommers schweren Kranz im Haar, Dein edles Herz begeifre nicht, Was deiner Jugend heilig war! Und wenn die Lockung dich umgirrt, Zu schmäh'n, was einst dir köstlich galt, Gesteh' mit Mut: ich hab' geirrt; Doch lästre nicht, was leis verhallt. Gedenk' der Schlösser, die du einst Im Schmuck der Waffen stolz verließt; Sie bergen viel, was du beweinst, Und was du nimmer wieder siehst. Wenn du des Lebens Feinde schlugst, Verhöhn' sie nicht, sei mitleidsvoll; Und selbst der Ketten, die du trugst, Gedenke ohne Haß und Groll. Wenn du aus Banden dich befreist, Die deiner Jugend Fleisch gepreßt, In diesen Fesseln lebt ein Geist, Der sich nicht lachend spotten läßt. Und wenn die Hand im sonn'gen Tal Sich neuen Lenzes Blüten rafft, Mahnt dich ein altes Wundenmal An jener Kerker dunkle Haft. Und stehst du trotzig und befreit, In deinen Ruhm, in deine Schmach Tönt dir aus ferner Leidenszeit Das Klirren alter Ketten nach.

Internet

Spruch für eine Sonnenuhr Auf dem Hochzeitsturm in Darmstadt Der Tag geht über mein Gesicht. Die Nacht sie tastet leis vorbei. Und Tag und Nacht ein gleich Gewicht und Nacht und Tag ein Einerlei. Es schreibt die dunkle Schrift der Tag und dunkler noch schreibt sie die Nacht. Und keiner lebt, der deuten mag was beider Schatten ihm gebracht. Und ewig kreist die Schattenschrift. Leblang stehst du im dunklen Spiel. Bis einmal dich die Deutung trifft: Die Zeit ist um. Du bist am Ziel.

Internet

Der Weise lebt sich, der Normalmensch anderen.

Luck, Stimmen der Stille. Aphorismen, 1919

Wir gehen tausendmal den nämlichen Weg, aber nimmer wieder denselben.

Raabe, Alte Nester. Zwei Bücher Lebensgeschichten, 1880. Erstes Buch. 10. Kapitel

Und wenn du dreitausend Jahre lebtest, selbst dreißigtausend, so erinnere dich dennoch, daß keiner ein anderes Leben verliert als das, was er wirklich lebt, und kein anderes lebt, als das, was er verliert.

Marc Aurel, Selbstbetrachtungen (Τὰ εἰς ἑαυτόν), entstanden vermutlich 170-180 n. Chr. 2,14. Übersetzt von Albert Wittstock, 1879

Ich nähr' mich nur von dem, was glüht und brennt und leb' von dem, von dem die andern sterben.

Internet

Lebe rein, mein Herz, dies schöne Leben, Rein von allem Fehl und bösem Wissen, Wie die Lilie lebt in stiller Unschuld, Wie die Taube in des Haines Wipfeln; Daß du, wenn der Vater niederblicket, Seist sein liebstes Augenmerk auf Erden, Wie des Wandrers Auge unwillkürlich An den schönsten Abendstern sich heftet; Daß du, wenn die Sonne dich einst löset, Eine reine Perl' ihr mögest zeigen, Daß dein Denken sei wie Duft der Rose, Daß dein Lieben sei wie Licht und Sonne, Wie des Hirten Nachtgesang dein Leben, Wie ein Ton aus seiner sanften Flöte.

Internet

Es gibt eine edle Abwesenheit von der Erde, indem wir noch darauf wohnen, es gibt eine edlere Vertraulichkeit im Himmel, indem wir noch unter ihm wandeln.

Internet

Es gibt für den Sterblichen kein Zurück; auch nicht eine Minute kehrt in gleicher Weise wieder.

Verena, Über Alles die Pflicht. Roman, 1870

Den Baum des Wissens hielten sie umschlungen; den Baum des Lebens aber faßten sie nicht.

Nikolaus von Kues, Vom Gottsuchen (De quaerendo deum), 1445

In den Tiefen der Gebirgswelt wird das Geheimnis unsers Herzens ruhn, wie das Edelgestein im Schacht, im Schoße der himmelragenden Wälder, da wird uns sein, wie unter den Säulen des innersten Tempels, wo die Götterlosen nicht nahn, und wir werden sitzen am Quell, in seinem Spiegel unsre Welt betrachten, den Himmel und Haus und Garten und uns.

Hölderlin, Hyperion oder der Eremit in Griechenland, 2 Bde., 1797-99. Zweiter Band. Zweites Buch. Hyperion an Bellarmin

Sein ist eben »sein« und nicht »Sein«. Will man es nicht als Zeitwort gelten lassen, so muß man es unter die Ewigkeitsworte einreihen.

Essigmann, Gott, Mensch und Menschheit. Aphorismen, 1916

Je mehr man lernt, nicht mehr in Augenblicken, sondern in Jahren usw. zu leben, desto edler wird man.

Novalis, Fragmente. Erste, vollständig geordnete Ausgabe hg. von Ernst Kamnitzer, Dresden 1929. Bruchstücke medizinischer Enzyklopädistik

So groß wird durch die Verachtung des Todes die Schönheit des Lebens – so gewiß ist jeder, der mit kaltem Blut sich das Leben abspricht, vermögend, es zu ertragen – so wahr rät Rousseau, vor dem Tode eine gute Tat zu unternehmen, weil man jenen dann entbehren kann...

Jean Paul, Hesperus oder 45 Hundsposttage. Eine Lebensbeschreibung, 3 Bde., 1795. Viertes Heftlein. 42. Hundposttag

Die Glut edler Bestrebungen ist die schönste Blüte des Lebens.

Lermontow, Ein Held unserer Zeit, 1840

Einzelne Wahrheiten sind nur darum feststehend, weil niemand daran rüttelt.

Weis, Schlaglichter. Aphorismen und Epigramme, 1893

Welttheater Der klügste Direktor ist Gottvater! Er leitet geschickt das Welttheater. Zwar gibt er immer das gleiche Stück, Doch hat er einen himmlischen Trick: Er läßt, wenn eine Reihe um, Entstehn ein neues Publikum, Das von Jahrhundert zu Jahrhundert Das alte Stück als neu bewundert.

Internet

Königslied Darfst das Leben mit Würde ertragen, nur die Kleinlichen macht es klein; Bettler können dir Bruder sagen, und du kannst doch ein König sein. Ob dir der Stirne göttliches Schweigen auch kein rotgoldener Reif unterbrach, - Kinder werden sich vor dir neigen, selige Schwärmer staunen dir nach. Tage weben aus leuchtender Sonne dir deinen Purpur und Hermelin, und, in den Händen Wehmut und Wonne, liegen die Nächte vor dir auf den Knien ...

Rilke, Die Gedichte. Nach der von Ernst Zinn besorgten Edition der sämtlichen Werke, Insel Verlag 1957. Traumgekrönt, 1896