Leben Sprüche – zukunft

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Das Leben ist kein Traum und wir nicht seine Schattengestalten. Die Zeit bleibt. Wir zwar vergehen; uns erbleichen die bunten Erscheinungen, das Licht, welches auf das reiche Gemälde fällt; allein wenn wir auch am Ende nichts gerettet hätten, als die selige Hoffnung, dort erst anfangen zu dürfen: wäre man umsonst geboren? Aber wir haben mehr.

Eyth, Bilder ohne Rahmen. Aus den Papieren einer Unbekannten mitgetheilt – nicht von ihr selbst, 8. Auflage 1894 (EA: 1852) (anonym)

Für ewig aus dunkler Tiefe Sprudelt der Lebensquell.

Busch, W., Gedichte. Schein und Sein, 1909. Aus: Immerhin

Freunde! Es gibt glücklichere Zonen Als das Land, worin wir leidlich wohnen, Wie der weitgereiste Wandrer spricht. Aber hatNaturuns viel entzogen, War dieKunstuns freundlich doch gewogen, Unser Herz erwarmt anihremLicht. Will der Lorbeer hier sich nicht gewöhnen, Wird die Myrte unsers Winters Raub, Grünet doch, die Schläfe zu bekrönen, Uns der Rebe muntres Laub.

Schiller, F., Gedichte. Aus: An die Freunde, 1802

Lang ist gang in gleicher spur: Was ihr denkt und lernt und schafft... Doch des götter-rings verhaft Dauert Einen sommer nur!

George, S., Gedichte. Erstdruck 1951 (posthum). Originaltext

Mächtig, selbst wenn eure Sehnen ruhten, Reißt das Leben euch in seine Fluten, Euch die Zeit in ihren Wirbeltanz.

Schiller, F., Gedichte. Aus: Das Ideal und das Leben, 1795 (unter dem Titel »Das Reich der Schatten«, später auch unter dem Titel »Das Reich der Formen«)

Alles bewegt sich – man könnte sagen, wallende Horizonte.

Zweig, Emile Verhaeren, 1910. Zitiert u. übers. v. Stefan Zweig

Wir sind ganz traumbefangen, wir sind aus anderm Land, wir halten eine Waage in unsrer rechten Hand. Wir sind sehr stillen Mutes, die Schalen schweben gleich. Das heißt: es rinnt vorüber, macht uns nicht arm noch reich. Wir spähen scharf und forschen, wir wanken nicht vom Ort; darinter rinnen Jahre und rinnt das Leben fort. Doch wird die Schale sinken in einer hellen Nacht, dann kam der Traum ins Träumen, dann sind wir aufgewacht.

Mauthner (Hg.), Nachgelassene Schriften von Walter Calé, hg. von Fritz Mauthner, Berlin 1910

7. Sonnengluthen, Abendschatten Wechselten im alten Gleise, Und auch dir, dem Qualenmatten, Tönt ins Ohr die gleiche Weise: Ging das Gestern, kommt das heute Und am Ende auch das Morgen, Doch in alle drei als Beute Theilen gierig sich die Sorgen. Sonnengluthen, Abendschatten Können nicht von selber enden, Aber dir, den Lebenssatten, Ist's vergönnt, sein Loos zu wenden. Nicht umsonst sei dir gegeben, Was Natur den andern schuldig: Drum so ende du dein Leben, Oder trag es still geduldig!

Holz, Gedichte. Buch der Zeit, Erstdruck 1886. Der Text hier folgt der zweiten, erweiterten Ausgabe 1892. Originaltext. Tagebuchblätter

Stimmungen Machtlos, ein Grashalm, blick ich manchmal gen oben Zu den Höhen der Menschheit und suche vergebens Klarheit in dem ewigen Brausen und Toben Und den unbegreiflichen Kämpfen des Lebens. Neben mir raschelt der Tod, der lauernd und kalt Unter vermoderten Blättern grinst. – – Meiner Wünsche flehendes Lied verhallt Im Nebelgespinst. Manchmal steh ich, ein Eichbaum, über der Erden, Blicke hinab auf die tausenden Ärmlichkeiten, Folge lächelnd dem endlosen Schwinden und Werden Und der winzigen Menschheit kleinlichem Streiten. Und dann ist mir, als ob ein kraftvoller Tau Morgenkühl meine Adern durchdringt. – – Meine Hoffnung steigt froh ins Wolkenblau, Wo die Lerche singt.

Ringelnatz, J., Gedichte. 1910

Schnadahüpfl Ja de sell, de i möcht, Waar ma heut no ganz g'recht, Aba dös sell is a Frag, Ob i 's moring, ja moring no mag. Muaßt a 's fleißi oschaug'n, Kunnt da leicht was net taug'n, Kunnt di leicht was schiniern – – – Drum muaß ma 's Diandl, ja 's Diandl probiern. Ja a so muaß ma lebn! An jed'n Deckel aufhebn, A jede Schüssel neigspecht, Ja wann ma 's allabest-allabest möcht.

Thoma, L., Gedichte. Gesammelte Werke in sechs Bänden. Band 6, München 1968

Dämmerungen Wir leben in den zweien Dämmerungen, Die vor den Tag und vor die Nacht gewebt sind, Und unsre Gnaden sind daraus entsprungen Wie Sterne, die aus unserer Hand geschwebt sind. Auf Erden, die aus unsren Händen schweben, Füllt sich der Nil, der von uns nur gedacht ist. Die Mumienländer wird er dennoch grün beweben Bis an den Memnon, der auf unserer Morgenwacht ist.

Loerke, O., Gedichte. Erstmals ersch. in Fischers "Neuer Rundschau", Februar 1910

Der Pilgrim Noch in meines Lebens Lenze War ich, und ich wandert aus, Und der Jugend frohe Tänze Ließ ich in des Vaters Haus. All mein Erbteil, meine Habe Warf ich fröhlich glaubend hin, Und am leichten Pilgerstabe Zog ich fort mit Kindersinn. Denn mich trieb ein mächtig Hoffen Und ein dunkles Glaubenswort, »Wandle«, riefs, »der Weg ist offen, Immer nach dem Aufgang fort. Bis zu einer goldnen Pforten Du gelangst, da gehst du ein, Denn das Irdische wird dorten Himmlisch unvergänglich sein.« Abend wards und wurde Morgen, Nimmer, nimmer stand ich still, Aber immer bliebs verborgen, Was ich suche, was ich will. Berge lagen mir im Wege, Ströme hemmten meinen Fuß, Über Schlünde baut ich Stege, Brücken durch den wilden Fluß. Und zu eines Stroms Gestaden Kam ich, der nach Morgen floß, Froh vertrauend seinem Faden, Werf ich mich in seinen Schoß. Hin zu einem großen Meere Trieb mich seiner Wellen Spiel, Vor mir liegts in weiter Leere, Näher bin ich nicht dem Ziel. Ach, kein Steg will dahin führen, Ach, der Himmel über mir Will die Erde nie berühren, Und das Dort ist niemals Hier.

Schiller, F., Gedichte. Hier: Erstdruck 1803

Hoffnung und Furcht ist die Lebenskraft, die unser Herz in Bewegung erhält und in jedem Moment der Leidenschaft sollten wir schon auf diese Abwechslung rechnen.

Tieck, Geschichte des Herrn William Lovell. An Rosa, 1795/96 (anonym), hier in der Fassung von 1828. Mortimer an Eduard Burton

Denn wenn wir einen günstigen Wind nutzen, gelangen wir zum besten Erfolg, und wenn er uns entgegenweht, werden wir zurückgeworfen.

Cicero, Von den Pflichten (De officiis), 44 v. Chr. Übers. Internet Originaltext: Nam et cum prospero flatu eius utimur, ad exitus pervehimur optatos et cum reflavit affligimur

Ihr lebt, als ob ihr immer siegreich sein würdet, niemals kommt euch eure Zerbrechlichkeit in den Sinn.

Seneca, Von der Kürze des Lebens (De Brevitate Vitae), um 49 n. Chr. 3. Kapitel, Übers. Internet Originaltext: Tamquam semper victuri vivitis, numquam vobis fragilitas vestra succurrit

Ein jeder nimmt sein Leben vorweg und wird geplagt von der Sehnsucht nach dem Zukünftigen und vom Überdruss des Gegenwärtigen.

Seneca, Von der Kürze des Lebens (De Brevitate Vitae), um 49 n. Chr. 7. Kapitel, Übers. Internet Originaltext: Praecipiat quisque vitam suam et futuri desiderio laborat, praesentium taedio

Das muss sehr sorgfältig bewahrt werden, wovon man nicht weiß, wann es zur Neige geht.

Seneca, Von der Kürze des Lebens (De Brevitate Vitae), um 49 n. Chr. 8. Kapitel, Übers. Internet Originaltext: Id debet servari diligentius, quod nescias quando deficiat

Wohin siehst du, wonach streckst du dich aus? Alles Zukünftige liegt im Ungewissen: Lebe jetzt!

Seneca, Von der Kürze des Lebens (De Brevitate Vitae), um 49 n. Chr. 9. Kapitel, Übers. Internet Originaltext: Quo spectas, quo te extendis? omnia quae ventura sunt, in incerto iacent: protinus vive

Das Leben teilt sich in drei Zeitabschnitte: in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Davon ist die Gegenwart, in der wir handeln, kurz und was wir zukünftig tun werden, unsicher – nur was wir getan haben, ist sicher.

Seneca, Von der Kürze des Lebens (De Brevitate Vitae), um 49 n. Chr. 10. Kapitel, Übers. Internet Originaltext: In tria tempora vita dividitur: quod fuit, quod est, quod futurum est. ex his quod agimus, breve est; quod acturi sumus, dubium; quod egimus, certum

Groß ist die Anzahl derjenigen Menschen, die vor einer Schiffsreise nicht den Sturm bedenken.

Seneca, Von der Gemütsruhe (De tranquillitate animi), etwa 53-54 n. Chr. 11. Kapitel. Übers. Internet Originaltext: Magna pars hominum est quae navigatura de tempeste non cogitat

Neues Leben Fass' es, Mensch, und wirf zusammen Alles nun in einen Brand, Was zur Schwäche mag verdammen, Was mit Feigheit dich umwand. Soll dich etwas so bedrohen, Dass es willenlos dich beugt? Gib's dem Feuer! Lass es lohen! Sei der Geist, der selbst sich zeugt! Deine Flamme sei die Stunde, Deine Wiege der Moment – Sei mit jener Macht im Bunde, Die kein Recht von gestern kennt. Wisse, Schuld wird ungeheuer, Die ihr Konto nie zerreißt – Lass es lohen! Gib's dem Feuer! Sei der Zeuger, sei der Geist!

Henckell, Gedichte, 1898. Im Weitergehn, 1911