Leben Sprüche – zukunft

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Dein Leben wird nach hundert Jahren auch sehr dumm erscheinen […] Wenn sich überhaupt jemand daran erinnern wird, daß du auf der Welt gwesen bist.

Gorki, Italienische Märchen, 1906-13

Und die Menschen sind ja gut Lassen uns nicht sterben, Pflegen uns in treuer Hut, Daß wir nicht verderben. Lieber Frühling, schweige still – Ist nicht viel dahinter, Wer von Herzen blühen will, Blüht auch noch im Winter!

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Siehe, ich lebe. Woraus? Weder Kindheit noch Zukunft werden weniger …Überzähliges Dasein entspringt mir im Herzen.

Rilke, Die Gedichte. Nach der von Ernst Zinn besorgten Edition der sämtlichen Werke, Insel Verlag 1957. Duineser Elegien, 1912/1922

Die Wolke sprach zu mir: "Ich vergehe"; die Nacht sprach: "Ich tauche ein in den feurigen Morgen." Der Schmerz sprach: "Ich verharre in tiefem Schweigen als seine Fußspur." – "Ich sterbe hinein in die Vollendung", sprach mein Leben zu mir. Die Erde sprach: "Mein Licht küßt deine Gedanken jeden Augenblick." – "Die Tage vergehen", sprach die Liebe, "aber ich warte auf dich." Der Tod sprach: "Ich fahre das Boot deines Lebens über das Meer."

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Man stelle sich eine Anzahl Menschen vor, in Ketten geschlagen, die alle zum Tode verurteilt sind, von denen alle Tage einige vor den Augen der anderen erdrosselt werden: die übrigbleiben, erkennen ihre eigene Lage in der ihrer Schicksalsgenossen, sie betrachten einander mit Schmerz und ohne Hoffnung, wartend, bis die Reihe an ihnen ist. Das ist ein Gleichnis vom Zustand der Menschen.

Pascal, Gedanken über die Religion und einige andere Gegenstände (Pensées sur la religion et sur quelques autres sujets), Erstdruck 1669/70 (posthum)

Still! Tiefstiller dunkler Schlaf sinkt über meinen Tag, daß ich nichts hoffen mehr, nichts fürchten mag! Das ganze Leben ... ich entsinne mich kaum, war es froh, war es traurig?! Alles wird Traum ... Es ist eine Wiege, von heimlicher Hand leise geschaukelt an Grabesrand! Still! ... Still!

Flaischlen, Gedichte. Gesammelte Dichtungen, Bd. 2: Aus den Lehr- und Wanderjahren des Lebens, Stuttgart 1921

Das ist die große Gerechtigkeit der Schöpfung, daß jeder sich die Bedingungen seines zukünftigen Seins selbst schafft.

Fechner, Das Büchlein vom Leben nach dem Tode, 1836

Umsonst fürchten wir die Träume; der schrecklichste Traum ist nichts, verglichen mit dem Leben.

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Denn du glaubst nicht, wie viel Tage und wie viel Stunden selbst an erträglichen Tagen – überstanden werden müssen…

Nietzsche, F., Briefe. An Erwin Rohde, 24. März 1881

Mir summt im Herzen ein leises Lied Mir summt im Herzen ein leises Lied, Ich wag es nicht zu beginnen, Es ist zu traurig – Und ein Gedanke mich durchzieht, Ich wag' nicht ihm nachzusinnen, Er ist zu schaurig. Eine plötzliche Ahnung jedoch, Die möchte ich wissen: Ich werde beides noch Erleben müssen!

Bern (Hg.), Deutsche Lyrik seit Goethe's Tode, 1878

Das Leben Von den Alten zu den Jungen Muss das Leben wandern. Was du gestern noch bezwungen, Bezwingen morgen schon die andern. Das Lied, das du gestern gepfiffen im Weitertraben, Will schon morgen der andern Lippen haben. Und dir entschwundene Augenblicke kannst du sehen, Wie sie im Blut der Jungen auferstehen. Darüber, seit ich's erfahre, muss ich die Hände falten, Muss leiden, dass ich mich wandle, und lass es walten. Das Leben – ach, einst da kam es umhalsend gesprungen, Jetzt grüßt es noch im Vorüberschweben und geht zu den Jungen.

Dauthendey, M., Gedichte. Gesammelte Gedichte und kleinere Versdichtungen, Albert Langen, München 1930

Wie sorglich blickt das Aug' umher! Wie freut man sich, wenn der und der, Noch nicht versunken oder matt, Den Kopf vergnügt heroben hat.

Busch, Bildergeschichten. Maler Klecksel, 1884

Getrost! es ist der Schmerzen wert, dies Leben, So lang uns Armen Gottes Sonne scheint Und Bilder bessrer Zeit um unsere Seelen schweben Und mit uns noch ein treues Auge weint.

Hölderlin, F., Gedichte. Aus: An Neuffer, im März 1794

Dein Zeit und Tag leg du wohl an; Weil niemand sie wieder bringen kann.

Hertz (Hg.), Worte der Weisen aus allen Völkern und Zeiten, 1886

Wenn alles vor mir und hinter mir versinkt – die Vergangenheit im traurigen Einerlei wie ein Reich der Versteinerung hinter mir liegt – wenn die Zukunft mir nichts bietet – wenn ich meines Daseins ganzen Kreis im schmalen Raume der Gegenwart beschlossen sehe – wer verargt es mir, daß ich dies magre Geschenk der Zeit – den Augenblick – feurig und unersättlich wie einen Freund, den ich zum letzten Male sehe, in meine Arme schließe?

Schiller, Der Geisterseher. Aus den Papieren des Grafen von O**, 1787-1789. Zweites Buch. Baron von F*** and den Grafen von O**. Vierter Brief, 12. Junius

Sinnender Spatenstich Unter der Erde murkst etwas, Unter der Erde auf Erden. Pitschert, drängelt. – Was will das Ding oder was wird aus dem Ding, Das doch in sich anfing, einmal werden?? Knolle, Puppe, Keim jeder Art Hält die Erde bewahrt, Um sie vorzubereiten Für neue Zeiten. Die Erde, die so viel Gestorbenes deckt, Gibt dem Abfall, auch Sonderlingen, Asyl und Ruhe und Schlaf. Und erweckt Sie streng pünktlich zu Zwiebeln, zu Schmetterlingen. Zu Quellen, zu Kohlen – – – Unter der Erde murkst ein Ding, Irgendwas oder ein Engerling. Zappelt es? Tickt es? Erbebt es? – Aber eines Tages lebt es. Als turmaufkletternde Ranke, Als Autoöl, als Gedanke – – – Fäule, Feuchtigkeit oder feiner Humor Bringen immer wieder Leben hervor.

Ringelnatz, J., Gedichte. 103 Gedichte, 1933

Unglaublich, wie erträgt ein Herz, Was schon zu denken unerträglich! Hinhalten Hoffnungen den Schmerz, Ihn brechend, den sie steigern täglich. Man hofft und hofft, bis hoffnungslos Geworden das geliebte Leben, Dann gibt man auf die Hoffnung blos, Das Leben war schon aufgegeben.

Rückert, Gedichte. Kindertotenlieder, entstanden 1833-1834

Ich will den Sturm! Ich will den Sturm, der mit den Riesenfäusten Vom Boden der Alltäglichkeit mich reißt Und mich hinauf in jene Höhen schleudert, Wo erst das Leben wahrhaft Leben heißt! Ich will den Sturm, der mit gewaltgem Athem Zur lichten Gluth die stillen Funken schürt Und, alle Kräfte dieser Brust entfesselnd, Zum Siege oder zur Vernichtung führt! Laß mich nicht sterben, Gott, eh meine Seele Ein einzig Mal in Siegeslust gebebt – Ich kann nicht ruhig in der Erde schlafen, Eh ich nicht einmal, einmal ganzgelebt!

Ritter, Befreiung. Neue Gedichte von Anna Ritter, 2. Auflage 1900

Wenn Ihr bei dem, was heut vorübergleitet, Nicht viel erlebt, nicht allzuviel erlebt: Der Teppich, den man festlich ausgebreitet, Ist bunt, doch ist nicht alles drein gewebt.

Hofmannsthal, H., Gedichte. Zu lebenden Bildern. Epilog, 1893

Wir wünschen uns leidenschaftlich, es möchte ein anderes Leben geben, in dem wir dieselben bleiben, die wir hienieden gewesen sind. Aber wir bedenken nicht, dass wir, sogar ohne erst auf dieses andere Leben zu warten, schon in diesem hier nach einigen Jahren dem untreu werden, was wir gewesen sind und was wir selbst in der Unsterblichkeit noch wiederfinden wollten.

Proust, Auf der Suche nach der verlorenen Zeit (À la recherche du temps perdu), 7 Bde., Erstdruck 1913-27

Wie das so wechselt Jahr um Jahr, Betracht ich fast mit Sorgen. Was lebte, starb, was ist, es war, Und heute wird zu morgen.

Busch, W., Gedichte. Zu guter Letzt, 1904. Aus: Immer wieder